In eine Phase äußerster Produktivität Mitte der 1970er Jahre, als Keith Jarretts durchschnittlicher jährlicher Output mit seinen verschiedenen Band- und Soloprojekten bei vier bis fünf Veröffentlichungen lag, fällt auch das Erscheinen von "Staircase", seiner zweiten reinen Studio-Solo-Klavieraufnahme nach "Facing You". Vier Titel mit jeweils zwei bis drei Parts höchst unterschiedlicher Länge sind auf der ursprünglichen Doppel-LP versammelt. Warum ECM bei der Neuveröffentlichung auf CD ebenfalls eine Doppel-CD herausgebracht hat, obwohl die Gesamtspielzeit auch auf eine CD gepasst hätte, erschließt sich mir nicht.
Das Titelstück "Staircase" erinnert in seinen drei Teilen stark an die im gleichen Jahr entstandenen "Sun Bear Concerts" in Japan; einige Motive glaubt man auch irgendwo auf dieser 6-CD-Box schon einmal gehört zu haben. Dies gilt auch für den sehr schönen zweiten Part von "Hourglass" (mit fast 14 Minuten das längste Stück), während dessen erster Part jazziger und weniger sphärisch klingt. In "Sundial" nimmt Jarrett den Hörer mit auf eine fantastische Klangreise, die mal sanft wie über Wellen, mal eher durch zerklüftete Gebirgsregionen führt.
Bei "Sand", dem letzten dreiteiligen Stück, glaubt man Linien aus dem Lausanner Konzert von "Solo Concerts - Bremen/Lausanne" herauszuhören. "Sand, Part 3" schließt thematisch an "Staircase, Part 3" an. Insgesamt ist "Staircase" den Live-Improvisationen Jarretts sehr ähnlich und auch ebenso mitreißend.