In Berlin kommt man seit Monaten nicht um Peter Fox herum. Kaum ein Radiosender, der nicht einen Titel von ihm im Programm hat und restlos ausverkaufte Open-Air-Konzerte in der Kindl-Bühne Wuhlheide (mit jeweils 17.000 Besuchern) unterstreichen, dass Peter Fox im Augenblick der angesagteste Act der Stadt ist. Grund dafür ist das erste Soloalbum des Seeed-Mitbegründers, das seit einem Jahr in den deutschen Charts platziert ist und mehrfach den Platinstatus erreicht hat. Doch ist dieser Hype wirklich gerechtfertigt? Ich muss zugeben, dass die Titel von Peter Fox oder Seeed bisher nicht zu der Musik gehört haben, die ich normalerweise auf meine Ohren lasse, die von Pur bis Rammstein schon eine Menge gehört haben. Aber der Bundesvision-Song-Contest-Siegertitel SCHWARZ ZU BLAU hat mich bewogen, mich doch mit dem Album STADTAFFE zu beschäftigen.
Eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe. STADTAFFE kann ohne Übertreibung zu den besten deutschsprachigen Alben der letzten Jahre gezählt werden. Peter Fox bietet auf seinem Album eine absolut hörenswerte Mischung aus HipHop, Reggae und Dancehall an, die auch nach dem x-ten hören nicht langweilig wird. Im Gegenteil. Es ist immer wieder aufs Neue interessant, sich auf die Titel einzulassen. Intelligente, authentische Texte und eine überaus hörenswerte Instrumentierung sorgen dafür, dass man das Album nicht aus seinem Player nimmt. Peter Fox, der mit bürgerlichem Namen Pierre Baigorry heißt, gelingt es ganz ausgezeichnet die Berliner Szene in seinen Texten tiefgründig darzustellen.
STADTAFFE ist ein Album ohne Lückenfüller, dass vom ersten Ton des Openers ALLES NEU bis zur letzten Sekunde des Schlusstitels ZUCKER überzeugt. Es ist daher schwer, einzelne Titel herauszuheben, da STADTAFFE als Gesamtkunstwerk überzeugen kann. Über die bisherigen drei Singles ALLES NEU, HAUS AM SEE und SCHWARZ ZU BLAU, einer herrlich zutreffenden Liebeserklärung an Berlin, braucht nichts mehr gesagt zu werden. Als vierte Single wird jetzt der namensgebende Titel STADTAFFE seinen Weg in die Airplaycharts finden. Diesen Weg könnten auch die restlichen acht Titel finden, die allesamt auf allerhöchstem Niveau produziert wurden. Dancetitel wie SCHÜTTEL DEINEN SPECK oder DER LETZTE TAG gehen ebenso ins Ohr und ins Gehirn, wie das melancholische ICH STEINE, DU STEINE. Meine persönlichen Albumhighlights, sofern man welche benennen kann, sind, neben der Single SCHWARZ ZU BLAU die Tracks KOPF VERLOREN und DAS ZWEITE GESICHT.
Der Sohn einer französischen Baskin hat, laut Pressemitteilung, mit STADTAFFE alles auf eine Karte gesetzt und alles gewonnen. Wer ein innovatives, deutschsprachiges Album sucht, und auch vor neuen Tönen nicht zurückschreckt, sollte sich STADTAFFE unbedingt zulegen.
Im Juli hat Peter Fox erklärt, seine Solokarriere zu beenden, da ihm der Rummel um seine Person zu viel sei. Eine Entscheidung, die er vielleicht nochmals überdenken sollte, denn der deutschen Musikszene würde dadurch ein wirklich innovativer Musiker verloren gehen. Gespannt darf man dann aber auf ein neues Lebenszeichen seiner Gruppe Seeed warten.