Ann-Maries Erinnerungen im Haus ihrer Kindheit sind geprägt von Verlusten und Demütigungen. Früh verschwindet die Mutter aus ihrem Leben, der Vater, der zwar den Wert von Bildung vermittelt, geht am Suff zugrunde. Sie bricht das Studium in Uppsala ab, auch die Tätigkeit bei der Lokalzeitung endet im Rausschmiß, die erhoffte materielle Sicherheit durch die Ehe löst sich in Nichts auf, die eigene Tochter entzieht sich ihr, verweigert Nähe und Gespräch, und das Wetter in Schweden ist zum Heulen. Ann-Marie lebt ohne rechte Begeisterung am Leben, denn sie leidet an dessen Sinnlosigkeit. Die starken Frauen in den vorhergehenden Bänden der Frauen-Saga (Hexenringe, Springquelle, Das Engelhaus) behaupten sich inmitten von Armut, mühseliger Arbeit, ungewollten Schwangerschaften und den Zwängen, denen Frauen den letzten hundert Jahren noch ausgesetzt waren. In der Jetztzeit lautet die Herausforderung: die Sinnlosigkeit des Lebens aushalten, ohne zu flüchten, sei es in die Politik, beruflichen Erfolg, ein südliches Land, in Depressionen oder Alkohol. Sich nichts vormachen, lautet das oberste Gebot, auch wenn es wehtut. Wem die existentialistische Stimmung nicht liegt, kann vielleicht doch die reiche bildhafte Sprache des Buches genießen.Die Natur und die inneren Wahrnehmungen sind meisterhaft beschrieben. Auf nahezu jeder Seite findet sich ein origineller und poetischer Einfall. Mein Urteil: keine leichte Kost, aber erzählerisch und sprachlich brillant, wobei auch die Übersetzung aus dem Schwedischen Lob verdient.