KLAPPENTEXT:
Flora fällt aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihre Seele ein Doppelleben in der geheimnisvollen Stadt Eisenheim führt. Von nun an wird sie nie wieder schlafen, ohne dass ihr Bewusstsein in die farblose Welt der Schatten wandert. Als wäre das nicht unerfreulich genug, hat ihre Seele offenbar den weißen Löwen gestohlen, einen mächtigen alchemistischen Stein, nach dem sich nun die Herrscher der Schattenwelt verzehren. Bald ist Flora selbst in der realen Welt vor den Gefahren Eisenheims nicht mehr sicher und eines ist klar: Sie kann niemandem trauen, nicht einmal Marian, der plötzlich in beiden Welten auftaucht und dessen Küsse vertrauter schmecken als ihr lieb ist.
ZUR AUTORIN:
(Quelle: Loewe)
Mechthild Gläser wurde im Sommer 1986 in Essen geboren. Auch heute lebt und arbeitet sie im Ruhrgebiet, wo sie sich ihrem Studium widmet und ab und an unfassbar schlecht Ballett tanzt ' aber nur, wenn niemand hinsieht. Sie hat früh mit dem Schreiben begonnen und ihr Laptop steht noch immer auf der rosafarbenen Schreibtischunterlage, auf der ihre ersten Geschichten entstanden. Inspiration findet sie überall, am besten jedoch bei einer Tasse Pfefferminztee.
'Stadt aus Trug und Schatten' ist ihr erster Roman.
EIGENE MEINUNG:
Es gibt Geschichten, deren Grundidee ist so simpel und genial zu gleich, dass man sich denkt: 'Warum wurde diese Geschichte nicht schon viel früher geschrieben??!' 'Stadt aus Trug und Schatten' ist so Eine. Eine Geschichte, auf die wir, ohne es zu wissen, schon lange gewartet haben.
Flora ist ein eher sehr normales Mädchen mit einem etwas unnormalen Vater und einer noch unnormaleren Haushälterin. Sie geht wie alle in ihrem Alter regelmäßig zur Schule, hat durchschnittliche Noten, eine beste Freundin, einen netten Ex-Freund und nimmt Balettunterricht. Was sie jedoch nicht weiß, ist, dass sie ihre Seele nachts in einer Stadt namens Eisenheim mutig gegen das Böse kämpft. Erst als sie plötzlich seltsame Schatten sieht, die außer ihr keiner zu bemerken scheint, und der Austauschschüler Marian in ihrer Familie auftaucht, bemerkt sie, dass irgendetwas seltsam ist. Sie legt sich ins Bett um zu schlafen und erwacht in der Stadt Eisenheim, in der sich angeblich alle Seelen nachts herum treiben. Entweder als Schlafende, die morgens einfach aufwachen und sich an nichts mehr erinnern können, oder als Wandernde, die sich auch am Morgen noch erinnern was nachts passiert ist.
Bevor der magische Stein 'Der weiße Löwe' gestohlen wurde, war Flora so eine Schlafende. Allerdings eine der Mutigsten unter ihnen, was man von ihrem wachen Ich nicht gerade behaupten kann. Nun ist sie jedoch eine Wandernde und wie es scheint, hat sie etwas mit diesem 'weißen Löwen' zu tun, der wie alle mächtigen Gegenstände nicht unbedingt nur die Guten anzieht. Und ehe Flora sich versieht ist sie in eine Menge Intrigen und Machenschaften hinein gezogen, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen. Und auch die Nähe zu Marian macht sie irgendwie ganz durcheinander '
Eine Stadt in unseren Träumen bzw. eine Welt, die erst lebendig zu werden scheint, wenn man einschläft. Eine grandiose Idee mit so viel Potenzial. Zum Glück ist es der jungen Autorin Mechthild Gläser mit ihrem Debüt gelungen diese fantastisch und fesselnd umzusetzen. 'Stadt aus Trug und Schatten' entführt uns nicht nur in eine magische Atmosphäre, sondern begeistert mit richtig viel Spannung und ist so ein wahrer Pageturner.
In Eisenheim findet Nacht für Nacht jede Seele aller Schlafenden einen Ort, an dem sie sich nicht nur versammeln, sondern ein mehr oder weniger eigenständiges Leben führen. Es gibt einen Schattenfürsten, der mit einer Art Parlament regiert, einen Buckingham Palast, den Eiffelturm und Pyramiden, Seelen von schlafenden Tieren und ein Miene, in der Schlafende arbeiten. Alles scheint so zu sein, wie in der realen Welt. Allerdings fehlt die Farbe. Eisenheim ist schwarz weiß. Eine Welt der Schatten.
Die Atmosphäre ist düster, teilweise sogar ein bisschen gruselig und von der Autorin so bildlich und grandios kreiert, dass ich abends dachte, ich lande tatsächlich auch in der Stadt aus Trug und Schatten, sobald ich die Augen schließe und einschlafe (zum Glück träume ich nachts sehr viel und farbig und weiß morgens noch alles ;)). Faszinierend, wie es ihr gelungen ist, die Geschichte und ihre Atmosphäre so auf mich übergehen zu lassen.
Man kann schon ein bisschen Angst bekommen beim Gedanken dort zu landen, denn man weiß bis fast zur letzten Seite nicht, wer nun Gut und wer Böse ist. Eine Eigenschaft, die ich in Geschichten besonders liebe. Flora selbst weiß nie, wem sie trauen kann und wem nicht, denn jeder, der ihr begegnet scheint den magischen Stein haben zu wollen. Sie kann einfach nie einordnen, wer es nun gut meint und wer nicht, denn ihre Gegenüber wechseln so oft ihre Haltung, dass sie das einfach verwirren muss. Mal schmiert ihr der eigenartige und eigentlich fies wirkende Kanzler Honig ums Maul, mal verletzt sie der liebenswerte und gut aussehende Marian so, dass sie ihn eigentlich nur noch hasst. Es bleibt ein Wechselbad der Gefühle und ein Spiel der Mächte, die man nie genau zu ordnen kann. Ich sage nur: Spannung pur!!
Was wäre eine gute Geschichte ohne ihre Charaktere. Diese sind in 'Stadt aus Trug und Schatten' nicht nur unglaublich faszinierend und facettenreich, sondern tragen auch außergewöhnlich schöne Namen wie Madame Mafalda oder Fluvius Grindeaut. Einen Minuspunkt bekommt das Buch von mir jedoch, da einige der Figuren ein bisschen in der Geschichte untergehen bzw. auf einmal keine so richtige Rolle mehr spielen. Das hätte ich mir ein bisschen anders gewünscht. Dies tut dem Buch aber kaum Abbruch und ich wünsche mir sehr, dass wir noch mehr Geschichten aus Eisenheim bekommen. Das Ende ist zwar in sich abgeschlossen, lässt mich dennoch auf eine Fortsetzung hoffen ...
FAZIT:
'Stadt aus Trug und Schatten' ist eine sehr faszinierende und spannende Geschichte voller Magie und Abenteuer, die mit großartigen Charakteren und fesselnden Spielchen um den mächtigen 'Weißen Löwen' den Leser dazu bringt Seite um Seite düsterer Spannung zu verschlingen.