Tietou flüchtet von China nach Japan, um seine Freundin Xiu Xiu zu suchen, die einst kurz dorthin reiste, aber nie zurückkehrte. Als illegaler Immigrant schlägt er sich nach seiner Ankunft mithilfe der unterschiedlichsten kleinen Jobs durch, wird schnell in die Gruppierung der ansässigen Chinesen und Taiwanesen integriert und gewinnt an Ansehen. Drangsaliert von Polizei und Yakuza, werden er und seine Leute immer mehr in die Zwielichtigkeiten Tokios hineingezogen, wobei ihm eine immer größere Verantwortung zukommt. Für einen Rechtschaffenden wie ihn keine leichte und angenehme Spielwiese.
Nachdem Jackie Chan in »A New Police Story« schon eine Rolle mit einer gewissen Tiefe und Ernsthaftigkeit spielte, geht »Stadt der Gewalt« noch einen Schritt weiter. Humor gibt es hier keinen, weder offenkundig noch unterschwellig. Stattdessen werden die sowohl faszinierenden als auch und in in erster Linie erschreckenden, brutalen und schonungslosen Seiten von Bandenkriegen und Mafia- bzw. Yakuzamentalität hier eingefangen und in einer kalten, teils brutalen, auf jeden Fall aber sehr gut inszenierten Weise abgelichtet. Anderes erwartet man bei einem Film mit dem Titel »Stadt der Gewalt«, einem »Uncut-Aufdruck« sowie einer »FSK 18-Einstufung« wohl auch nicht, aber einige Szenen sind doch sehr unangenehm und eklig. Der Großteil des Films, insbesondere der lange Auftakt, ist aber etwas subtiler; keine Schockmomente, stehen hier vielmehr die Probleme eines Außenseiterdaseins in einem fremden Land im Vordergrund. Die gewohnten Martial-Arts-Szenen sind hier allerdings spärlich gesät und betreffen Jackie Chan nahezu überhaupt nicht. Metallstangen und Pistole haben mehr Bühnenpräsenz ...
Tietou ist zu jeder Zeit eine glaubhafte und von Jackie Chan sehr gelungen gespielte Figur. Ein nicht idealisierter Idealist mit gebundenen Händen, gefangen in einer Welt aus Brutalität und dem Kampf ums tägliche Überleben, der wenig Raum für Ideale lässt. Auch die anderen Rollen sind nachvollziehbar besetzt.
Es gibt sowohl eine deutsche als auch die originale Tonspur (Japanisch/Chinesisch). Letztere würde ich empfehlen, da die deutsche nicht nur etwas unpassend und lieblos klingt, sondern dem Film auch einiges an Dichte und Atmosphäre raubt - sprachliche Differenzen und Grenzen werden durch die deutsche Synchro zu einem blassen Einheitsbrei, während in der Originalfassung die Japaner Japanisch sprechen und die Chinesen Chinesisch, was auch gezielt eingesetzt, bei der deutschen Fassung aber einfach ignoriert wird.
Wer sich für die Yakuza oder das Leben illegaler Einwanderer interessiert, Jackie Chan mag und dazu nicht zimperlich ist, der wird an dem Film wahrscheinlich ebenfalls seine Freude haben.