oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
oder
gegen einen Amazon.de Gutschein über EUR 2,20 eintauschen?
Stabile Ungleichgewichte: Die Ökologie der Zukunft (edition unseld)
 
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Stabile Ungleichgewichte: Die Ökologie der Zukunft (edition unseld) [Taschenbuch]

Josef H. Reichholf
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
Preis: EUR 10,00 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Auf Lager.
Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar.
Nur noch 2 Stück auf Lager - jetzt bestellen.
Lieferung bis Freitag, 1. Juni: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.
Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt Stabile Ungleichgewichte: Die Ökologie der Zukunft (edition unseld) gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 2,20 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.

Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern.

Hinweise und Aktionen

  • Christa Wolf: Stadt der Engel
    Suhrkamp-Insel-Shop:
    Hier finden Sie Neuheiten des Verlags, Taschenbuch-Highlights, Bücher im Großdruck, Schullektüren und mehr. Zum Suhrkamp-Insel-Shop
  • Tipp für Studenten
    Ein Jahr Prime kostenlos und einen 20% erhöhten Eintauschwert auf Trade-In erhalten alle Studenten die bei Amazon Student angemeldet sind.

Wird oft zusammen gekauft

Stabile Ungleichgewichte: Die Ökologie der Zukunft (edition unseld) + Naturschutz: Krise und Zukunft (edition unseld) + Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends
Preis für alle drei: EUR 29,95

Verfügbarkeit und Versanddetails anzeigen

Die ausgewählten Artikel zusammen kaufen
  • Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details

  • Naturschutz: Krise und Zukunft (edition unseld) EUR 10,00

    Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details

  • Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends EUR 9,95

    Auf Lager.
    Verkauf und Versand durch Amazon.de.
    Kostenlose Lieferung bei einem Bestellwert ab EUR 20. Details



Produktinformation


Mehr über den Autor

Josef H. Reichholf
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Josef H. Reichholf auf Amazon

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Topaktuell und wunderbar lesbar löckt der streitbare Evolutionsbiologe erneut wider den Stachel gängigen Umweltschutzdenkens, in dem das Erreichen stabiler Gleichgewichtszustände als oberste Priorität gilt. Für Reichholf sind sie der Anfang vom Ende allen Lebens. Eine Einladung zum Nach- und Mitdenken, die man gern annimmt.« (Börsenblatt Spezial )

»Ganz bestimmt ist auch der Band Stabile Ungleichgewichte zu empfehlen, in dem uns der Ökologe Josef H. Reichholf davon überzeugen will, komlexe Naturprozesse wie etwa den Klimawandel nicht zu dramatisieren, nur weil wir uns die Natur so gerne als ausbalanciertes Gleichgewicht vorstellen und jede Abweichung von diesem Ideal als bedrohlich empfinden.« (Christian Schlüter Frankfurter Rundschau )

Kurzbeschreibung

Die Erhaltung der Biodiversität der Erde ist eines der Hauptziele des UN-Zukunftsprozesses. Das soll erreicht werden durch das Bewahren einer statischen Weltsicht. Auch der moderne Naturschutz setzt auf das "Gleichgewicht im Naturhaushalt" und damit auf eine statische Konzeption der Ökologie. Josef H. Reichholf, der als "enfant terrible" des Umweltschutzes gilt, stellt diesen Ansatz radikal in Frage. Er argumentiert: In einer sich wandelnden Welt können Zukunftsziele nicht auf Zustände von gestern oder vorgestern bezogen werden. Ungleichgewichte sind die Triebkräfte der natürlichen Evolution und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen. Gleichgewichte dagegen führen zu Erstarrung, in ihrer endgültigen Form sind sie der Tod allen Lebens. Unsere Zeit braucht dringend eine Abkehr von der konservativen Philosophie der Ökologie. Das Streben nach dem Gleichgewicht stellt zwar eine innere Notwendigkeit für die Körperlichkeit des Menschen dar, aber eine darauf begründete Weltsicht mutiert zum Ökologismus und wird eine Pseudoreligion mit fundamentalistischen Zügen. Deshalb gilt es, hinreichend stabile Ungleichgewichte zu finden und zu entwickeln – natürliche wie menschliche Vielfalt weisen uns Wege dazu. Mit seiner Publikation Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends, die als bestes Sachbuch des Frühjahrs 2007 ausgezeichnet wurde, löste Reichholf eine heftige Kontroverse über die Folgen des Klimawandels aus.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


In diesem Buch (Mehr dazu)
Ausgewählte Seiten ansehen
Buchdeckel | Copyright | Inhaltsverzeichnis | Auszug
Hier reinlesen und suchen:

Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden

 (Was ist das?)
Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
 

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Die Natur, so scheint es, ist das Gegenbild unserer Gesellschaft. Während das menschliche Leben von Konflikten geprägt ist, herrscht in der Natur Harmonie. Während der Mensch verschwenderisch ist, setzt die Natur ihre Ressourcen optimal ein. Während der Mensch Zerstörung verursacht, befindet sich die Natur im Gleichgewicht. Die Schlussfolgerung drängt sich auf, ein großer Teil der Probleme unserer Zeit wäre lösbar, wenn wir uns die Natur zum Vorbild nehmen würden. Josef Reichholf, Professor für Ökologie in München, hat es unternommen, diese Vorstellung zu prüfen.

Alle Lebensformen, so beginnt Reichholf seine Ausführungen, verkörpern einen hohen Grad an Ordnung. Um existieren zu können, müssen sie fortwährend gegen die Zunahme von Unordnung (Entropie) in der Welt ankämpfen. Dies aber sei gleichbedeutend mit der Herstellung lokaler Ungleichgewichte. Näherten sich Lebewesen dem Gleichgewicht, gingen sie zugrunde. "Der Tod ist das Erreichen des (thermodynamischen) Gleichgewichts" (S. 39).

Die Evolution bestätige diesen Umstand. Je komplexer eine Lebensform sei, desto stärker habe sie sich von ihrer Umwelt gelöst. In besonderer Weise sei dies an jenen Tieren erkennbar, die neben dem Menschen das Höchstmaß an physischer Unabhängigkeit erreicht hätten: den Vögeln. Aus eigener Kraft könnten sie ganze Kontinente überfliegen und in die gleichen Höhen aufsteigen wie Langstreckenflugzeuge. Dafür seien sie gezwungen, das energetische Ungleichgewicht mit der Umwelt zu maximieren. "Die meisten Vogelarten ... halten ihre Körpertemperatur bei 42 Grad ganz knapp unter der Todesgrenze" (S. 84). Damit verbrauchten sie "viel zu viel Energie; das Fünf- bis Zehnfache eines gleichschweren Säugetiers und ein Vielfaches verglichen mit ihrer Reptilienverwandtschaft" (S. 42). Wenn das Prinzip vom sparsamen Umgang mit Energie in der Natur allgemeine Gültigkeit hätte, dürfte es Vögel gar nicht geben.

Was für den Stoffwechsel der Lebewesen gelte, treffe nicht minder auf ihr Verhalten zu. Wann immer sie könnten, neigten sie dazu, die verfügbaren Ressourcen komplett auszuschöpfen. Regelmäßig führe diese Strategie zum Ungleichgewicht zwischen der Zahl der Lebewesen und ihrem Nahrungsangebot und verursache schwerwiegende ökologische Einschnitte. So finde man in der globalen Nutzung der Landschaften einen charakteristischen Zusammenhang: Je attraktiver und einträglicher, desto unbeständiger (S. 70). "Wo immer es ... Massenentwicklungen gibt, da kommen auch sehr starke Schwankungen zustande. Auf gute Zeiten können rasch sehr schlechte folgen. Die hochproduktiven Zonen sind instabil" (S. 72). Demographische Zusammenbrüche seien demnach biologisch "normal". Sie gehörten ebenso zum Auf und Ab des Lebens, wie Phasen des Wachstums und der Stabilität.

Darüber hinaus seien im Verlauf der Erdgeschichte mehrfach Katastrophen aufgetreten, die zur Vernichtung eines Großteils der existierenden Arten geführt hätten. Auch sie müssten als "natürlich" betrachtet werden.

Überhaupt dürfe man sich Ökosysteme nicht wie Organismen vorstellen. Sie seien ungleich offener und nahezu unbegrenzt flexibel (S. 101). "Deshalb können Ökosysteme auch nicht wirklich geschädigt werden oder zusammenbrechen. Es gibt keine festgelegten Zustände, weil keine Instanz vorhanden ist, die solche Festlegungen trifft" (S. 51).

Diese Überlegungen machen deutlich, dass die vom Menschen verursachte Umweltzerstörung biologisch gesehen nichts Außergewöhnliches darstellt. Indem er Raubbau an der Natur betreibt, verhält sich der Mensch so, wie es alle in vergleichbaren Situationen befindlichen Arten tun. Weit entfernt davon, sich gegen die Natur zu wenden, erweist er sich gerade in seiner Rücksichtslosigkeit als ihr gelehriger Schüler. "Es mag in unserer Natur liegen, alles auszubeuten, was genutzt werden kann" (S. 79).

Zwar gebe es durchaus Ökosysteme, die sich dem Gleichgewicht annäherten, doch seien sie meist durch ausgesprochene Armut gekennzeichnet. Typisch dafür sei der amazonische Regenwald, ein "weitestgehend geschlossenes Ökosystem mit nahezu perfektem Recycling von Nährstoffen" (S. 62). Die Böden auf denen er wachse, seien seit Urzeiten ausgelaugt und fast frei von den Mineralien, die für Pflanzenwachstum benötigt würden. Infolgedessen lebten dort erstaunlich wenige Tiere. "Sie bringen zusammen kaum 200 Kilogramm pro Hektar auf die Waage, ein Fünftausendstel der Pflanzenmasse, nicht mehr" (S. 60). Dies sei weniger als ein Zehntel des Tieraufkommens in mitteleuropäischen Wäldern. Nur gezwungenermaßen, aus Not, habe sich in Amazonien der sparsame Umgang mit Ressourcen durchgesetzt.

Außerdem verlange er einen hohen Preis. Lebewesen, die mit kargen Bedingungen auskommen müssten, hätten die Tendenz, ihre Vermehrung einzuschränken. In der Regel erfolge dies auf dem Weg sozialer Unterdrückung. Ein großer Teil der Angehörigen einer Art werde von der Fortpflanzung ausgeschlossen oder falle der innerartlichen Konkurrenz zum Opfer, wie man am Beispiel der Bäume erkennen könne. "Die Ressourcen, die Bäume in ihren Stämmen ansammeln, sind den anderen, den Konkurrenten, weggenommen. ... Bäume, die schneller als ihre Nachbarn wachsen, übergipfeln diese und unterdrücken sie. Von Zehntausenden, die als Sämlinge angefangen haben, bleibt vielleicht einer übrig. Die anderen sind durch die zunehmende Konkurrenzkraft dieses einen Baumes erdrückt und verdrängt worden" (S. 76).

In der Natur dominierten also zwei extreme Formen der Ressourcennutzung: hemmungslose Ausbeutung einerseits, die Unterdrückung von Artgenossen andererseits. "Die nach menschlicher Wertung mittleren, 'vernünftigeren' Bereiche sind nicht besetzt. Daraus folgt der Schluss, dass sie unter Naturbedingungen auch nicht wirklich überlebensfähig sind. Sie stellen keine ... 'evolutionär stabile Strategie' dar" (S. 83).

Somit erweist sich die Vorstellung einer zum Vorteil aller Lebewesen im Gleichgewicht gehaltenen Umwelt als eine in die Natur projizierte politische Utopie. Würden wir uns die Natur tatsächlich zum Vorbild nehmen, müssten wir entweder die Verbrennung fossiler Energieträger massiv beschleunigen, oder eine menschenverachtende ökologische Gewaltherrschaft errichten.

Angesichts dieser Perspektive hält Reichholf es für ratsam, die beliebten Illusionen über die Natur zu begraben. Wenn wir aufhören, sie zu idealisieren, werden wir erkennen, dass wir uns in Wirklichkeit nie von ihr entfernt haben. Harmonische Lösungen für unsere Probleme gibt es nicht. Wollen wir keine ökologische Weltdiktatur, werden wir uns mit hinreichend stabilen Ungleichgewichten behelfen müssen. Welche Zustände dafür in Frage kommen, kann die Menschheit nur durch Versuch und Irrtum ermitteln. Sollte sie dabei Fehler machen und Katastrophen verursachen, folgt sie ganz dem Beispiel der Natur.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Lena Waider TOP 100 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Mit der Rezension zu diesem Buch habe ich mich sehr schwer getan. Dies mag einerseits daran gelegen haben, dass ich im Vorfeld zwei andere Besprechungen zum Buch bzw. eines anderen Essays von Reichholf zum Thema las, einerseits von Wolfgang Cramer (Spiegel, 13.06.2008: "Sprechblasen im Ungleichgewicht"), andererseits von Klaus Rohde (Google Knol, 27.02.2011: "Stabile Ungleichgewichte"). Erstere ist ein ziemlicher Verriss, Letztere deutlich wohlwollender.

Selten habe ich ein Buch eines Biologen in der Hand gehabt, das mir dermaßen deutlich gemacht hat, dass bestimmte Themen unter dem Paradigma der mittlerweile hoffnungslos veralteten Darwinschen bzw. Synthetischen Evolutionstheorie überhaupt nicht diskutierbar sind, speziell dann, wenn im Anschluss eine Übertragung der "Resultate" auf menschliche Gesellschaften erfolgt. Das Ergebnis ist dann - meistens - ein unpassender Biologismus.

Auf dem Umschlag steht, dass Josef H. Reichholf als "enfant terrible" des Umweltschutzes gelte, der manchen Ansatz radikal in Frage stelle. Man kann ihm nur anraten, insbesondere das Paradigma der Darwinschen Evolutionstheorie in Frage zu stellen und seine Arbeit stattdessen auf der moderneren und vermutlich auf alle Evolutionen gleichermaßen anwendbaren Systemischen Evolutionstheorie beruhen zu lassen. Denn viele seiner Aussagen sind in höchstem Maße interessant und zum Teil auch sehr tiefgründig, andere dagegen sehr problematisch.

Beispielsweise heißt es auf S. 39: "Das Leben muß dieser Gesetzmäßigkeit allein schon deswegen massiv entgegenwirken, um sich überhaupt erhalten zu können. Die Physik bezeichnet dieses Naturphänomen als Entropie und betont ihre unvermeidbare Zunahme mit der Zeit. Das Leben muss sich gegen diese Entropie stemmen. (...) Der Grundsatz besagt, daß Leben Energie aufnehmen muß, um beständig gegen den Zerfall, die Entropie, sich selbst immer wieder aufzubauen. Leben kann nur 'leben', also aktiv sein, wenn es sich mit Energie versorgt und diese 'verbraucht'."

Dies ist zweifellos richtig.

Auf der gleichen Seite heißt es dann aber: "Damit hebt sich das Leben aus dem allgemeinen Entropiegefälle heraus und wiedersetzt sich dem Zerfall. Der Physiknobelpreisträger Ilya Prigogine bezeichnete die Organismen daher als 'dissipative Strukturen', weil sie schneller, als es dem physikalischen Zerfall entspricht, Energie in Entropie umwandeln und davon selbst leben. Sie halten sich - solange sie leben, 'fern vom Gleichgewicht'."

Das ist bereits problematisch, da sich Leben nicht als dissipative Struktur charakterisieren lässt. Gemäß der Systemischen Evolutionstheorie sind lebende Systeme selbstreproduktive Systeme, die "bestrebt" sind, ihre Komptenzen (mit deren Hilfe sie Ressourcen in ihrer Umwelt erlangen können) zu bewahren. Sie besitzen folglich Reproduktionsinteressen. Sie verhalten sich nachhaltig gegenüber ihren Kompetenzen und ausbeutend gegenüber ihrer Umwelt. Daraus lässt sich bereits alles Weitere ableiten, insbesondere Selbsterhalt, Fortpflanzung und die von Reichholf angeschnittenen Themen.

Sehr überzeugend ist seine Darlegung, dass Ökosysteme keine Superorganismen sind (51f.): "Ökosyteme sind somit alles andere als 'Super-Organismen' mit einem Eigenleben. Was in diesen 'Systemen', die der menschlichen Vorstellung entstammen, tatsächlich lebt, das sind die Lebewesen selbst, nicht aber das System. Deshalb können Ökosysteme auch nicht wirklich geschädigt werden oder zusammenbrechen. Es gibt keine festgelegten Zustände, weil keine Instanz vorhanden ist, die solche Festlegungen trifft." Aus diesem zutreffenden Zusammenhang leitet Reichholf viele seiner treffenden Folgerungen ab, jedenfalls solange es ausschließlich um die Natur geht. Kommt er auf den Menschen zu sprechen, ergeben sich leider Fehlschlüsse. Dies zeigt sich gleich im Folgesatz auf derselben Seite (52): "Außer - der Mensch bemächtigt sich solcher Ausschnitte aus der Natur und 'regiert' sie nach seinem Gutdünken. Dann grenzt er sie ab, als Felder etwa oder als Gärten, übt auf seiner Fläche die zentrale Steuerfunktion aus und sorgt dafür, daß bestimmte Zustände erhalten bleiben oder wiederkehren, wenn sie Zeiten der Ruhe oder der Veränderung durchmachen müssen, um wieder das zu leisten, was sie erbringen sollen. In geradezu grotesker Umdrehung der Annahmen entsprechend damit die künstlichen (Agro-)Ökosysteme weit besser dem Wunschbild eines Super-Organismus als die natürlichen Lebensräume."

Hier offenbaren sich die Defizite des Darwinismus, dem es insbesondere an einem systemtheoretischen Fundament mangelt. Im Allgemeinen dürfte das künstliche (Agro-)Ökosystem nämlich einem Agrarbetrieb gehören. Im Sinne der Systemischen Evolutionstheorie ist jedoch der Agrarbetrieb als Unternehmen ein Superorganismus (nicht aber dessen Ökosystem!), welcher ein Reproduktionsinteresse bezüglich seinen Kompetenzen besitzt. Das Ökosystem ist nur Teil seiner Kompetenzen. Folglich verhält sich der Agrarbetrieb nachhaltig gegenüber seinen Kompetenzen (u. a. seinem Agro-Ökosystem) und ausbeutend gegenüber der Umwelt (außerhalb seines Hoheitsgebiets und damit seiner Anbaufläche).

Dieser konzeptionelle Unterschied mag klein wirken, er ist aber entscheidend. Ich will das einmal am Beispiel der Tragik der Allmende verdeutlichen, wie sie von Garrett Hardin erläutert wurde. In der Natur sind Ressourcen im Allgemeinen reine Gemeingüter. Eigentum kennt man noch nicht. Infolgedessen kommt es darin meist zur freien Ausbeutung der Ressourcen (83). In menschlichen Gesellschaften könnte man die Allmende aber einem Akteur (Staat, Unternehmen, Genossenschaft etc.) unterstellen. Der Akteur würde sie zu seinen Kompetenzen zählen und sie in der Folge nachhaltig behandeln. Dann käme es jedoch keineswegs mehr zur Tragik der Allmende und den von Reichholf behaupteten Ungleichgewichtsproblematiken.

Reichholf suggeriert in seinem gesamten Buch, dass man eigentlich gar nichts Richtiges tun könne und auch sollte. Seine Botschaft lautet: Man sollte den Dingen ihren Lauf lassen (127). Gelangen natürliche Populationen oder menschliche Gesellschaften an Grenzen, dann wird es zu Ungleichgewichten und in der Folge zu bereinigenden Zusammenbrüchen oder Kriegen kommen, doch danach wird es mit neuer Kraft weitergehen: "Ungleichgewichte sind die Zukunft" (125ff.).

Entsprechend fatalistisch wirkt sein Ausblick (133): "Die Unterschiede auszugleichen gebietet die Menschlichkeit. Doch in der Realität werden die Unterschiede zwischen arm und reich eher größer als geringer."

Und (135): "Aber wer im 'Gleichgewicht' die bessere Alternative sieht, müßte, um es zu erreichen, großen Teilen der Menschheit die Fortpflanzung verbieten. Denn nur wenn nicht mehr nachkommen als wegsterben und wenn nicht mehr gebraucht als (gerade) erzeugt wird, kann Stabilität in diesem Sinne zustande kommen. Daß dies einen totalitären Weltstaat der schlimmsten Sorte bedeuten würde, in dem Aldous Huxleys 'Schöne neue Welt' nachgerade schön wäre, liegt auf der Hand."

Dies ist völlig unzutreffend. Denn längst liegen Konzepte vor, die ein nachhaltiges Schrumpfen menschlicher Populationen ohne Zwangsmaßnahmen (d.h. auf völlig freiwilliger Basis) ermöglichen. Sie müssten lediglich wahrgenommen und diskutiert werden. Fatalistische Aussagen der Art, dass man sowieso nichts tun kann, werden die Menschheit mit Sicherheit nicht durch die kommenden schwierigen Zeiten bringen.

Reichholf ist sich des Fatalismus-Vorwurfs bewusst (127): "Wer eine solche Einstellung vertritt, wird als Fatalist eingestuft. Der Lebensprozeß selbst, die Evolution, wäre demzufolge fatalistisch." Nein, eben nicht! Das Unterbreiten von Vorschlägen ist Teil des evolutionären Prozesses. Das zeigt sich bereits am technischen Fortschritt. Der ereignet sich nämlich auch nicht dadurch, dass man den Dingen einfach ihren Lauf lässt. Dazu ist es erforderlich, dass Menschen Ideen entfalten und Vorschläge unterbreiten.

Manche Aussagen Reichholfs scheinen anzudeuten, dass er bewahrendes Verhalten sogar für eine Schwäche hält (135): "Gefühlsmäßig gehen wir daher von kommenden Veränderungen und nicht vom Stillstand aus. Rational möchten dennoch viele 'dem Augenblick Dauer verleihen', um das selbst Erreichte nicht wieder auf- und abgeben zu müssen. So eine Denkweise ist zutiefst egoistisch."

Nein, um Egoismus handelt es sich dabei nicht, sondern um das Grundprinzip des Lebens an sich. Reichholf erklärt es zu Beginn seines Buches selbst: Leben ist bestrebt, dem thermodynamischen Zeitpfeil des Universums zu entrinnen. Es möchte 'dem Augenblick Dauer verleihen', bevor es selbst zerfällt. Ohne ein solches Streben nach Kompetenzerhalt gäbe es kein Leben auf der Erde.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Von A. Antman
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
ALLGEMEIN: sehr gut zu lesendes Büchlein mit ca. 140 Seiten!!! Die beiden Hauptkapitel

1. Die Natur und
2. Die Menschenwelt

unterteilen sich in 14 bzw. 7 weitere Kapitel, in welchen ausgehend vom heutigen Paradigma Das "Haus der Natur" analysiert wird. Ebenso die Vorstellung von Ökologie, Evolution, vom Faktor Zeit, Stoffwechsel der Lebewesen u.v.m.

POSITIV: Es ist insgesamt sehr lesenswert, wenn man sich mit dem ganzen Themenkomplex auseinandersetzen will. Der Autor hat dazu sehr gut vorgelegt und breitet seine Sichtweisen über weite Strecken hin gut nachvollziehbar aus, so dass man seine Überlegungen neugierig unter die Lupe nehmen kann. Zu 80 bis 90% greift seine Logik bei mir auch, bevor er dann doch noch anfängt etwas groben Sand ins Getriebe seines gedanklichen Räderwerkes zu streuen.

KRITIKPUNKTE: ...ab dann knirscht es mächtig. Wie man einigen kritischen Rezensionen hier schon entnehmen kann, sind anderen Lesern auch mehrere Kritikpunkte aufgefallen, was die Schlussfolgerungen von Josef H. Reichholf betrifft, z.B. sein Fatalismus. Ich würde diesen noch etwas hinzufügen wollen.

Während er im 1. Teil des Buches ein überzeugendes Plädoyer für "stabile Ungleichgewichte" anstelle des alten Denkens in "Gleichgewichten" entwickelt, deutet er im 2. Teil zunächst an, dass sich "nachhaltiges Wirtschaften" nicht mit "Konkurrenz" auf "Märkten" verträgt, denn wer ökologisch umsichtig handelt und dabei auf Profit verzichtet, gerät im Markt ins Hintertreffen und schadet sich selbst, was wiederum dem Ziel der Evolution, für die eigene genetische Reproduktion und den Arterhalt zu sorgen, entgegen steht. (* Auf diesen Widerspruch komme ich unten noch zurück!!!)

Weiter hinten im Text benennt er dann sogar, dass "Kapitalismus" als Gesellschaftsmodell ein ernsthaftes Problem darstellt, da er sich nicht mit der energetischen Frage eines sinnvollen, Maß haltenden Stoffwechsels des Menschen mit der Natur verträgt. Er macht das an "Egoismus" (immer mehr haben wollen) fest. Ersteres kann ich 100%ig nachvollziehen. Letzteres finde ich als Grund allerdings unzureichend.

[Ich würde es anders formulieren: Kapitalismus (Prinzip des unendlichen Wachstum per Verwertung eines abstrakten Wertes) widerspricht der Evolution und den Grundprinzipien des Universums, weil sich Energie nur wandeln, aber nicht vermehren kann und gleichzeitig alle stofflichen Räume endlich sind.]

Daraus resultiert dann auch mein Kritikpunkt, weil weder im folgenden Kapitel wie "Ungleichgewichte sind die Zukunft" noch dem abschließenden "Ausblick" wird das vom Autor berücksichtigt.

Diese wichtige Erkenntnis, dass die Menschen sich nicht adäquat der Natur und Evolution gesellschaftlich konstituiert haben, wird komplett ausgeblendet. So bleibt Reichholf auch der Gedanke verborgen, dass die Menschen sich ja auch anders organisieren könnten. Seine fatalistischen Schlussfolgerungen wären nur dann richtig, wenn die Menschen das nicht erkennen und danach handeln - also die Wertkonstitution nicht ändern. Das hat mit dem energetischen Stoffwechsel selbst nämlich zunächst mal gar nichts zu tun, sondern vielmehr mit Machtverhältnissen und dem Ablauf der menschlichen Geschichte. Die macht Reichholf leider fälschlicherweise an einer Art Sozialdarwinismus fest. Seine Formulierungen erscheinen mir so, als würde er die Triebkraft der menschliche Geschichte ausschließlich am Energiestoffwechsel mit der Natur festmachen und daher einfach die Prinzipien der Natur und Evolution 1:1 auf die Gesellschaft übertragen können.

Wer sich etwas mit kritischer Gesellschaftstheorie auskennt wird bestätigen, dass dieser Ansatz inzwischen als unhaltbar gilt und x-fach widerlegt ist. Biologische Naturphänomene lassen sich eben gerade nicht 1:1 einfach auf soziale Verhältnisse und die Geschichte des Menschen übertragen, weil der Mensch selbstreflexiv denken und handelt kann. Er ist nicht nur auf seine Gene und Instinkte angewiesen. Er kennt abstrakte Entitäten wie Philosophie, Mathematik und Wissenschaften. Er schreibt seine Geschichte auf und könnte daraus einiges lernen, um Fehler nicht unnötig zu wiederholen. Somit kann er zwar nicht die Evolution an sich, aber zumindest die bisherigen Prinzipien der Evolution verändern, was eine neue Qualität darstellt und ihn von Tieren unterscheidet.

So meint Reichholf z.B. irrigerweiße, dass "Kommunismus mit seinem Gleichheitsprinzip" das Problem (Energiestoffwechsel Mensch/Natur) auch nie habe lösen können. Spätestens an der Stelle fragte ich mich, wie er darauf kommt? Das leitet sich logisch aus allen vorangegangenen Kapiteln nämlich nicht ab, sondern lässt vielmehr auf eine ideologische Voreingenommenheit und Fehlinterpretation schließen. Abgesehen davon, dass keine Gesellschaft bisher einen so hohen Produktivitätsstandard und Organisationsgrad der Vergesellschaftung erreicht hat, dass echter Kommunismus möglich gewesen wäre - von sozialen Machtverhältnissen und dem dazu nötigen Bewusstsein ganz zu schweigen - waren bisherige Systeme, die sich als "kommunistisch" oder "sozialistisch" bezeichnet und legitimiert haben, ebenso auf den kapitalistischen Basiskategorien (Arbeit, Ware, Geld) aufgebaut. Deshalb wurde dort die Natur oft ebenso ausgebeutet und Naturschutzgesetze missachtet, wie im normalen Kapitalismus auch, zumal man ja auf dem Weltmarkt immer in Konkurrenz mit dem vermeintlich "anderen System" blieb und irgendwie "mithalten" musste.

Seine finale Schlussfolgerung ist also leider zum Teil falsch. Sein Wissen bezüglich sozialer Verhältnisse scheint zu stark unterrepräsentiert zu sein. Da ist Reichholf leider (fast) betriebsblind. So ist das Buch leider nur sehr eingeschränkt als Referenz zu empfehlen und nicht die runde Sache, wie ich gehofft habe. Das gibt zwei Sterne Abzug. Schade.
-------------------
Dass es im Kapitalismus mit dem Wertschöpfungsprinzip und dessen allgemeiner Verkehrsform (Geld) etwas gibt, was ein rein gesellschaftlich konstituiertes, abstraktes Zahlenwerk ist - mit dem Ziel der Kapitalakkumulation - steht in völligem Gegensatz zur Natur des Universums - denn dort gibt es so etwas nicht. Das ist der Grund (siehe * oben), warum er diesen antagonistischen Widerspruch zwar erkennt und halbwegs formulieren, aber nicht auflösen kann. Nur wenn man glaubt, Kapitalismus sei quasi selbst naturwüchsig entstanden, ist man auch derart befangen und glaubt, es handele sich dabei um "Grundprinzipen der Welt", die man einfach auch auf "soziale Systeme" übertragen könne (wie auch ein anderer Rezent meint). Daraus erklärt sich also seine partielle Betriebsblindheit. Die teilt er ja leider mit politischen Parteien (DIE GRÜNEN) und weiten Teilen der Ökologiebewegung, die oft noch im Einklang mit dem Kapital ein "grünes Wachstum" postulieren. Ich hoffe neue Einsichten kommen bald - sonst kann es irgendwann wirklich zu spät sein.

FAZIT: ...abgesehen vom benannten Mangel an gesellschaftstheoretischen Zusammenhängen am Ende, ist dieses Büchlein sehr lesenswert, kurzweilig und bietet zahlreiche Stellen zum Zitieren...!!! Die Kernaussage mit den "stabilen Ungleichgewichten" als ein Lösungsansatz ist für mich nachvollziehbar. Eine Stelle gefällt mir besonders: '"...Zustände des Mangels (sind) die Antwort auf das Schwinden der Möglichkeiten." Das sagt er zwar in Bezug auf ökologische Systeme ' doch dass trifft auch für die schwindenden Verwertungsmöglichkeiten des Kapitalismus zu...kann ja jeder mal selbst drüber nachdenken warum das so ist...
War diese Rezension für Sie hilfreich?

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:


Ihr Kommentar


Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de