Aus der Amazon.de-Redaktion
Schon sehr früh war Giovanni Battista Pergolesis "Stabat Mater" für Solosopran und Alt von einer geheimnisvollen Atmosphäre umrankt. Es rühmt sich nicht nur bemerkenswert schöner Melodien und Harmonien, hinzu kommt daß der Komponist das Stück nur wenige Tage vor seinem Tod fertigstellte (er starb mit 26 Jahren an Tuberkulose). Diese unwiderstehlich geheimnisvollen Umstände, kombiniert mit der mystischen Natur des Textes, führten zu einer besonderen Art von Verehrung, die den Text mehr als zwei Jahrhunderte lang umgab. Genau dieser Verehrung möchte Rinaldo Alessandrini auf die Spur kommen. So zeigt er, welch in hohem Maße dramaturgischen Stil Pergolesi tatsächlich verwendete. Statt des gewohnten kleinen Orchesters, bedient Alessandrini sich nur sechs zeitgenössischer Streichinstrumente und dirigiert eine bemerkenswerte Darbietung: die sehr schnellen oder sehr langsamen Tempi, plötzlichen Akzente und dynamischen Extreme wirken oftmals überraschend, aber immer glaubwürdig. Alessandro Scarlattis "Stabat Mater" wurde für die selbe Besetzung konzipiert (ja sogar für die selbe Institution in Neapel) wie Pergolesis Version. Es ist ein ruhigeres Stück mit weniger dramatischer Intensität, aber mehr Kontrapunkt und blumigerer gesanglicher Gestaltung. Beide Solisten verfügen über eine gute Stimme, obwohl Bertagnolli bei den hohen Noten gelegentliche Schwächen zeigt. Ihr Vibrato befindet sich genau im richtigen Rahmen, um traditionelle 'Stimmenfans' zu erreichen, ohne gleichzeitig Liebhaber alter Musik abzuschrecken. Am bedeutendsten ist die Tatsache, daß sie den Mut und auch das Talent für Alessandrinis gewagtes Konzept mitbringen. Wenn man eher auf der Suche nach einer herkömmlich ehrfurchtsvollen Version ist, sollte man es mit der von Hogwood versuchen. Doch diese Darbietung hier, ist wirklich gigantisch.
--Matthew Westphal