Das Buch zum Staatsorganisationsrecht aus dem RS-Verlag ist das beste, welches ich bisher zu diesem Rechtsgebiet gelesen habe. Das Buch zeichnet sich durch eine umfangreiche Darstellung des Staatsorganisationsrechts aus. Daneben werden auch das Verfassungsprozessrecht sowie im Überblick das EU-Recht behandelt. Die Schreibweise des Autors ist klar und verständlich. Viele Beispiele und Übersichten schaffen Verständnis für die Materie. Ein absoluter Pluspunkt ist auch die klausurmäßige Aufbereitung der Meinungsstreits. Während in einigen Lehrbüchern nur die Meinungen dargestellt, aber auf eine Stellungnahme verzichtet wird, wägt der Autor die Argumente der einzelnen Meinungen gegeneinander ab. Dabei steht i.d.R. die vollständige Darstellung sämtlicher Meinungen zu einem Rechtskomplex im Vordergrund.
Manche mag vielleicht der Umfang des Buches zunächst abschrecken. Der Umfang lässt sich aber dadurch erklären, dass der Autor sehr ausführlich schreibt, um dem Studenten die Möglichkeit zu geben, ein tiefes Verständnis für die Materie zu entwickeln. Gerade dort, wo manche Autoren kürzen und bei dem studentischen Leser Verständnisschwierigkeiten verursachen, bleibt die Darstellung von Prof. Dr. Rolf Schmidt nachvollziehbar. Dadurch lässt sich so manches "schwierige" Problem verstehen, was man vorher - vielleicht aufgrund der Lektüre eines anderen Buches - nicht verstanden hat.
Teilweise ist die Darstellung sogar etwas zu ausführlich, da etwa auch auf die Verfassungsbeschwerde eingegangen wird, deren Darstellung ja gewöhnlich im Bereich der Grundrechte erfolgt. Auch das Kapitel über die Organe der Europäischen Union hätte nicht unbedingt einen Platz in diesem Buch gebraucht. Andererseits lassen sich diese Kapitel ja bei Bedarf auch überspringen.
Schön ist auch, dass der Autor den Mut hat sich teilweise - außerhalb des Hauptextes - kritisch über bestimmte Praktiken zu äußern. So findet sich etwa im Kapitel zur konkreten Normenkontrolle bei Rn. 678 folgende Bemerkung: "[...] Ein Entlastungsbestreben, so sehr es auch begründet sein mag, darf nicht dazu führen, dass das BVerfG völlig überzogene Hürden errichtet. Mit seiner - schikanös anmutenden - Vorgehensweise versagt das BVerfG eine für erforderlich gehaltene Überprüfung der vorgelegten Rechtsnorm. [...]." Eine solche Kritik ist eigentlich untypisch für ein Lehrbuch, aber dennoch begrüßenswert, da sich ansonsten im juristischen Studium die einzige Meinungsbildung nur auf die Auslegung von Tatbestandsmerkmalen bezieht.
Kurz und knapp lässt sich zusammenfassen: Ein Buch der Spitzenklasse für die Examensvorbereitung oder den Einstieg ins Studium mit garantiertem Aha-Effekt. Besser geht es nicht! Daher 5 Sterne ++