Neue Zürcher Zeitung
Das Theater der Herrschaft
uha. Wenn ein Militär-U-Boot versinkt und dessen Besatzung stirbt, tut der Präsident des betreffenden Staates gut daran, sich nahe der Unfallstelle blicken zu lassen und den Angehörigen der Opfer sein tiefes Bedauern auszudrücken. Andernfalls erweckt er den Eindruck, das Los seiner Untergebenen sei ihm gleichgültig, worauf sich die öffentliche Meinung leicht zu seinen Ungunsten wenden könnte. Wie muss sich eine Regierung in Szene setzen, damit ihre Macht nicht in Zweifel gezogen wird? Wie reagiert sie auf Umwälzungen im Innern und auf Druck von aussen? Wie versucht sie, einen im Herrschaftsgefüge aufgetretenen Riss zu kitten? Beredt sichtet der Publizist Bruno Preisendörfer am Beispiel des preussischen Königtums des 18. Jahrhunderts, besonders des Absolutismus Friedrichs II., das Handlungsrepertoire der Herren. Der Autor verfolgt aufmerksam die in der «Sattelzeit» gehäuft auftretenden Veränderungen obrigkeitlicher Repräsentation auf den Gebieten des Strafvollzugs, des Kriegswesens und der öffentlichen Feste. Auch der sporadische, erhellende Vergleich mit dem revolutionären Frankreich und der modernen Demokratie setzt freilich den Grundgedanken der soziologisch inspirierten Dissertation nicht ausser Kraft, dass immer eine «Herrschaft» über dem «Volk» steht. Es mögen, so die Behauptung, die (Haupt-)Rollen wechseln und die Requisiten ausgetauscht werden wenn das dargebotene Stück die Zuschauenden in seinen Bann zu schlagen vermag, sitzen sie still und applaudieren.
Kurzbeschreibung
Die expressive Dimension politischen Handelns ist in der Geschichte der Macht verschieden ausgestaltet worden, aber symbolfreies Herrschaftshandeln ist schlechterdings nicht vorstellbar. Der Staat Preußen gilt als nüchternes Gebilde. Die Zeitgenossen und auch die meisten Historiker interessieren sich vor allem für die Rationalität der inneren und die Aggressivität der äußeren Politik. So sind die Geschichte der Verwaltung, die Entwicklung der Bürokratie, der Aufbau des Heeres und der Prozess der Rechtsreform gut dokumentiert. Vom Thema "Ästhetik und Herrschaft" im preußischen Absolutismus lässt sich das nicht behaupten. Dem Autor gelingt in diesem Buch zum ersten Mal überhaupt die systematische Darstellung der herrschaftsästhetischen Seite des preußischen Absolutismus.