Ich kann das neue Buch von Günter Hannich nur empfehlen. In Besitz auch der meisten anderen Werke Hannichs, war ich positiv überrascht, dass nur wenige Wiederholungen erfolgen oder die Fakten durch einen neuen Blickwinkel oder in einen neuen Zusammenhang gestellt dem Leser neue Einblicke in die für Laien nicht ganz leicht zu durchschauende Materie ermöglichen. Sein Hauptthema, die Fehlkonstruktion des Geldes und die daraus erwachsenden katastrophalen Folgen, wird mit neuen und interessanten Vorgängen und Zusammenhängen aus den letzten beiden Jahrhunderten belegt. Besonders interessant ist dabei seine Analyse der jüngsten Vergangenheit, wie der Beginn der Europäischen Währungsunion, die Einführung des Euro, die Folgen der deutschen Vereinigung, das aktuelle usamerikanische Handelsbilanzdefizit und die momentane Immobilienblase in vielen Ländern weltweit. Am Ende schließen sich seine (üblichen) Ratschläge zur Krisensicherung an. Das Buch ist sehr flüssig geschrieben und besitzt auch eine gewisse Spannung, so dass man gerne darin liest. Der Preis ist sicher etwas hoch, 182 Seiten in relativ kleinem Buchformat und in verhältnismäßig großer Schrift, dafür aber mit einer festen und sehr ordentlichen Bindung.
Vorrezensent W. bemängelt, dass der Autor seine Thesen wiederholt. W. erscheint mir aber eher als Beispiel dafür, dass Hannich noch mehr hätte wiederholen müssen, denn W. hat offensichtlich die Hauptthesen Hannichs nicht recht verstanden. Es entsteht den Eindruck, dass W. das kritisierte Werk nur flüchtig gelesen hat. Wie sonst könnte er ausführen, dass "wir bekanntermassen seit 35 Jahren erstmalig in einem 100%igen Papierstandard leben", wo doch Hannich wiederholt Beispiele aus den letzten 200 Jahren anführt, wo es auch schon einen Papierstandard gab. Was W. genau mit " ... seit 35 Jahren erstmalig in einem 100%igen Papierstandard leben, ohne Deckung jedwelcher Kreditwährung. D.h. die letzten 200 Jahre, können eben nicht 1:1 übertragen werden", bleibt unverständlich. Dagegen sind die Texte Hannichs klar und gut verständlich ausgeführt. Die Hauptthese ist, dass ein Geldsystem, welches mit Zinsen operiert, im Grundsatz falsch aufgebaut ist und durch die sich über Jahre und Jahrzehnte durch den Zinseszins aufbauenden unfassbaren und nicht rückzahlbaren hohen Schulden (vor allem Staat und Unternehmen) zwangsweise kollabieren muss in Krise, Armut, Verlust an Ersparnissen und Währungsschnitt, "optimiert" durch eine Vernichtung möglichst vieler Sachwerte in einem Krieg. Diese These, die auch von anderen vertreten wird, ist m.W. bisher unwiderlegt. Daneben wendet sich Hannich gegen die aktuell sich vermehrenden Propheten, die in einem goldgedeckten Geld Rettung und Lösung sehen. Mit einfachen und klaren Argumenten widerlegt Hannich solches. Ein Goldstandard würde vielmehr den Zusammenbruch deutlich beschleunigen!
Auch der nächste Kritikpunkt von W. (Goldwährung in England) ist oberflächlich und falsch; wobei W. Recht zu geben ist, dass man sich (auch) an diesem Punkt Literaturhinweise zur weiteren Vertiefung wünschen würde. Vor 1819 hatten man in England eine Silberwährung. Da Silber viel häufiger vorkommt als Gold, war genügend Geld im Umlauf und vor allem der breiten Masse ging es verhältnismäßig gut. Da jedoch die Aristokraten und die Geldverleiher durch sinkende Preise (Deflation) profitieren wollten, setzten sie die Goldwährung gegen den Widerstand der Bevölkerung durch, die dann den Schaden mit Armut und Elend
zahlen mußte.
S.136: W. verwechselt hier den Marktzins mit dem künstlichen, willkürlich festgelegten Notenbankzins, die beide nichts miteinander zu tun haben. So erklären sich scheinbar widersprüchliche Aussagen Hannichs. S. 136: "Sinkende Zinsen bedeuten immer eine deflationäre Entwicklung und deuten auf eine zurückgehende Kreditaufnahme hin" bezieht sich auf den Marktzins. Deflation und sinkende (Markt)Zinsen sind immer miteinander verbunden. Bei einem deflationären Umfeld sinken die Marktzinsen, weil immer weniger investiert und damit immer weniger Kredite genommen werden. Dazu kommt, dass durch eine kleinere Inflationsrate der Inflationsanteil im Kreditzins immer kleiner wird und damit auch das ganze Zinsniveau nach unten geht. Wenn nun die Zinsen niedrig sind, dann gibt es immer weniger Anreiz Geld zu verleihen und auch das Kreditangebot geht nach unten.
S.138: "Nach dem Jahr 2000 mit seinen Kurseinbrüchen senkte die amerikanische Notenbank sehr schnell die Zinsen, um eine augenblickliche Deflationskrise zu verhindern.". Hier ist (deutlich) die Rede vom willkürlich festgelegten Notenbankzins. Mit niedrigen Notenbankzinsen versuchte die Notenbank, die Kreditaufnahme und damit die Geldmenge wieder zu vergrößern. Die Folge davon sind dann Spekulationsblasen (Immobilien).
Auch der letzte Kritikpunkt von W. (S.166 in "Staatsbankrott") kann nicht unwidersprochen bleiben. Die Erhöhung der Geldmenge M3 ist kein "Widerspruch zu einer strikten Inflationsbekämpfung". M3 ist eben genau das "Buchgeld", dass sich (hauptsächlich) auf Grund des von Hannich als so fatal dargestellten Zinseszinseffektes quasi selbständig weiter vermehrt. Diese M3 ist nicht für die Preisentwicklung relevant, wie Untersuchungen zeigen, Buchgelder haben darauf keinen Einfluss. Die Bargeldmenge macht nur 1/10 des M3 Volumens aus, da kann man nicht von einer übermäßigen Geldmengenausweitung sprechen. Selbst wenn die Geldmenge sich vergrößert, macht auch das keine Aussage darüber, inwieweit es Inflation gibt oder nicht. Relevant ist nur das Geld, welches auf dem Markt als Kaufkraft erscheint. Geld, welches nicht für Käufe benutzt wird ist irrelevant - wie als ob es gar nicht vorhanden wäre. Deshalb ist im heutigen System die Geldmengenentwicklung ein sehr schlechter Indikator für Inflation und Deflation. Viel zuverlässiger sind hier die Lohnentwicklung und der Marktzins.