Die spanische Malerei zählt zu den glanzvollsten Leistungen europäischer Kunst - und das bis in die Gegenwart hinein. Da jedoch die iberische Halbinsel über Jahrhunderte weitgehend abgeschottet war, kannte kaum jemand in Deutschland die Fülle und Vielfalt der spanischen Kunst, geschweige denn ihre Entwicklung.
Die sächsischen Kunstsammlungen begannen aber schon im Jahre 1666 mit dem Erwerb von spanischen Gemälden. Obwohl von starken Widersprüchen geprägt, hat die Dresdener Kunstkammer auch später immer wieder spanische Kunstwerke erworben. Vor allem durch Ankäufe unter August III. und im 19. Jahrhundert, als sich in Deutschland ein Bewusstsein für spanische Malerei entwickelte, wurde die Sammlung auf hohem Niveau erweitert.
So besitzt die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit 34 Gemälden den drittgrößten Bestand an spanischen Gemälden in Deutschland und hat damit einen einzigartigen Rang inne. Nun liegt im Prestel Verlag der Bestandskatalog vor, der in Zusammenarbeit mit der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie Alte Meister erarbeitet wurde. Ein Einführungstext gibt zunächst einen Überblick über die Geschichte der spanischen Malerei in den sächsischen Kunstsammlungen.
Im eigentlichen Katalogteil werden die Gemälde unter kunsthistorischen, sammlungsgeschichtlichen und kunsttechnologischen Aspekten erläutert. Unter der Überschrift "Technischer Befund" gibt es jeweils Informationen zum Rahmen, zum Bildträger, zur Grundierung, zum Erhaltungszustand sowie zu technologischen Gemäldeuntersuchungen und zur Restaurierungsgeschichte. Daran schließt sich eine ausführliche Beschreibung des Gemäldes an, wo auch alle wesentlichen Argumente des kunsthistorischen Zusammenhangs dargestellt werden.
Im Mittelpunkt des Katalogteils stehen die Gemälde der spanischen Maler Murillo (1617-1682), Ribera (1591-1652), El Greco (1541-1614) und Velázquez (1599-1660), wobei ein besonderer Schwerpunkt der Katalogarbeit auf der Werkgruppe um Jusepe de Ribera lag, die ein Viertel des einschlägigen Dresdener Bestands ausmacht. Von Diego Velázquez gibt es nur vier gesicherte Gemälde in Deutschland, drei davon hängen in der Dresdener Gemäldegalerie.
Herausragende Gemälde der Sammlung sind z. B. "Maria mit Kind" von Murillo (auf dem Cover des Katalogs), "Diogenes" von Ribera, "Die Heilung der Blinden" von El Greco oder die drei Gemäldeporträts "Don Juan Mateos", "Christusritter" und "Herzog von San Lúcar" von Velázquez.
Alle 34 Gemälde werden in qualitätsvollen Farbabbildungen, sowohl im Großformat als auch in zahlreichen Detailabbildungen, dargestellt. Ein ausführlicher Anhang verweist außerdem auf Verluste und Abschreibungen der Sammlung hin. Eine umfangreiche Bibliografie und ein Künstlerverzeichnis runden diesen hochwertigen Katalog ab.
Manfred Orlick