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Nicht zuletzt wegen dieser Staatsutopie mit ihren ebenso spektakulären revolutionären Forderungen -- man denke an die Abschaffung des Privatbesitzes oder die Gleichstellung von Mann und Frau -- ist Platon von Karl Popper einer vehementen Kritik unterzogen worden: Die Idee, Philosophen mögen über das Staatswesen herrschen, gehört nach Popper zu den Kernstücken, antiliberalen und autoritären Denkens.
Wie immer man sich zu dieser Kritik stellen mag -- gewiss ist sie selbst nur vor dem Hintergrund der Erfahrung des Totalitarismus zu verstehen --, so ist die Politeia auch ein Grundbuch abendländischer Metaphysik. Die im Zentrum des Werkes stehenden drei Gleichnisse: Das Sonnen-, Höhlen- und Liniengleichnis, in denen Platon seine Ideenlehre, Wissenschaftstheorie und Ethik darstellt, gehören nicht nur zu den literarisch eindrucksvollsten Zeugnissen des antiken Denkens, sondern auch zu den Texten, von denen man sagen kann, dass sie den Gang der westlichen Zivilisation mitbestimmt haben. --Jens Kertscher
Buch der 1000 Bücher
Der Staat
OT Politeia EZ zwischen 387 und 367 v. Chr.EA zwischen 1482 und 1484 DE 1780 (in Auszügen 1572) Form Dialog Epoche Griechische Antike
Politeia ist das philosophische Hauptwerk Platons, das erste Werk politischer Theorie und ihr erster Höhepunkt zugleich. Sie wurde maßgebend für eine Vielzahl von Modellstaatsentwürfen zu allen Zeiten und beeinflusste das philosophische Nachdenken über die Welt, die Seele und das menschliche Erkenntnisvermögen.
Entstehung: Die zehn Bücher gehen auf zwei Schaffensphasen Platons zurück. Das erste Buch (Thrasymachos) ähnelt frühen Dialogen, in denen Sokrates Definitionsversuche für bestimmte Tugenden prüft und am Ende scheitern lässt. Die Bücher 210 entfalten das platonische Musterbild einer guten Verfassung.
Inhalt: Um die Frage zu beantworten, was Gerechtigkeit in der Seele des Menschen ist, entwirft Platon das Muster einer guten Polis, in der drei Stände (Bauern, Handwerker, Kaufleute etc. Wächter Philosophen) jeweils durch ihr spezifisches Tun zum Gelingen des Gemeinwesens beitragen.
Platons Modell ist geradezu kulturrevolutionär mit seinen Paradoxien, den Anweisungen, die gegen den zeitgenössischen gesunden Menschenverstand der Athener verstoßen. Frauen und Männer sollen gleich sein; der Wächter- und Philosophenstand soll über kein Privateigentum verfügen und auch Frauen und Kinder sollen ihnen gemeinsam sein; schließlich sollen die Philosophen regieren.
Den Grund dafür veranschaulicht Platon im Höhlengleichnis. Die Philosophen, aufgestiegen aus der Höhle der Unwissenheit zur Erkenntnis der Idee des Guten, haben die Pflicht, wieder zu den Mitmenschen hinabzusteigen und deren Seelen aus der gewöhnlichen Verirrung zum Wahren umzulenken.
Wirkung: Was die Politeia für das abendländische Denken bedeutet, hat der Philosoph und Mathematiker Alfred North Whitehead (18611947) auf die Formel gebracht, alle Geschichte der Philosophie sei nichts anderes als Fußnoten zu Platon. D. L.
