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St. Petri-Schnee: Roman
 
 
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St. Petri-Schnee: Roman [Taschenbuch]

Leo Perutz , Hans-Harald Müller
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Dezember 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423134054
  • ISBN-13: 978-3423134057
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 204.021 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Leo Perutz
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Die Leo-Perutz-Edition des Deutschen Taschenbuch Verlags (dtv) ist ein Meisterstück editorischer Tätigkeit. Perutz’ Werke sind hier ganz neu überarbeitet. Die informativen Nachworte von Perutz-Kenner Hans-Harald Müller bieten zusätzlich wertvolles Wissen.«
Susanne Habel, Süddeutsche Zeitung 31.08.2007

»Die Bücher von Leo Perutz sind fesselnde Meditation über Zeit und Vergänglichkeit, über Vergeblichkeit, Verblendung und Wahn (Sankt-Petri Schnee etwa), Traum und das Versagen des Verstandes.«
Standard.at 17.08.2007

»In seiner Verschlingung von Traum und Wirklichkeit, in der unauflösbaren Frage nach Realität und Identität ist er vom Besten und Typischen.«
Lothar Sträter, Rheinische Post

»Mit großer erzählerischer Virtuosität entwickelt Perutz die zwei Versionen nebeneinander, konstruiert sie mit allen Mitteln der realistischen Erzählung so exakt, dass der Leser nicht entscheiden kann, welche der beiden ›Realitäten‹ die wahrscheinlich(er)e sei … In diesem Wechselspiel von Traum und Wirklichkeit erweist sich der Roman als ein erzählerisches Meisterwerk.«
Otto F. Beer, Süddeutsche Zeitung

Kurzbeschreibung

In Morwede, einem abgelegenen westfälischen Dorf, begegnet der Arzt Dr. Amberg in den 1930er Jahren dem Baron Malchin, einem Sonderling, der in jahrelangen chemischen Experimenten der Natur das Mittel zur Wiederentdeckung der alten mystischen Glaubensinbrunst abgerungen haben will. Es handelt sich um das Mutterkorn, eine Getreideseuche, die auch St. Petri-Schnee genannt wird. Amberg muss miterleben, wie der Weltverbesserer Malchin die Menschen an den Rand einer Katastrophe führt. Aber geschieht dies alles vielleicht doch nur in Dr. Ambergs Kopf? Versagt seine Wahrnehmung, nachdem er bei einem Unfall verletzt worden war?

Geschickt spielt Perutz von Anfang an mit der Urteilsfähigkeit des Protagonisten und des Lesers, raffiniert verknüpft er verschiedene Perspektiven und löst so die Grenze zwischen Traum und Realität auf. »Dieser Roman gehört zum Allerbesten seiner Gattung und ist ein Werk im Range Edgar Allan Poes.« Die Zeit


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Gebundene Ausgabe
In "St.Petri Schnee" geht es, wie oft bei Leo Perutz, um das Spiel mit der Wahrnehmung, um die Frage, was wirklicher ist: Der Wahn oder die Wirklichkeit. Dieser Roman spielt, im Gegensatz zu den meisten Romanen Perutz', in der Gegenwart -- in einer Gegenwart, deren Wahrnehmung nicht so eindeutig ist, wie man meinen möchte; und in einer Gegenwart, die einer ihrer Protagonisten durch die Vergangenheit ersetzen will -- bzw. durch das, was er als die wahre Vergangenheit sieht.

In einem Osnabrücker Krankenhaus erwacht der junge Arzt Dr. Amberg aus dem Koma -- die Ärzte versichern ihm, er sei nach einem Verkehrsunfall in Osnabrück sechs Wochen lang bewusstlos gewesen, aber nach Ambergs Erinnerung wurde er fünf Tage zuvor bei einem Aufstand in dem westfälischen Dorf Morwede niedergeschossen, als er sich schützend vor seine Geliebte geworfen hatte. Der Roman wird durchgehend aus Ambergs Perspektive erzählt; man erlebt mit ihm, wie er allmählich im Krankenhaus wieder zu sich kommt und die Ereignisse rekonstruiert, die ihn hierher geführt haben müssen. In seiner Erinnerung war er -- im Gegensatz zu den Beteuerungen der Ärzte -- tatsächlich nach Morwede gekommen und wurde dort Zeuge, wie Freiherr von Malchin, ein undurchsichtiger und charismatischer Rittergutsbesitzer, die Menschheit zur wahren Gottesseligkeit zurückführen und das Heilige Römische Reich deutscher Nation restituieren wollte: Mit Hilfe der Chemikerin Bibiche, einer früheren Angebeteten Ambergs, entwickelte er eine Droge namens "St.Petri Schnee", um den Menschen den echten Gottesglauben zurückzubringen. Malchins zweites großes Ziel war es, alle legitimen europäischen Herrscherhäuser wieder auf den Thron zu bringen -- in Morwede hielten sich u.a. die letzten Abkömmlinge der Staufer und der russischen Rurikiden auf, und auch zu den englischen Stuarts gab es Kontakte...
Doch das Experiment ging schief: Statt allgemeiner Gottseligkeit führte St.Petri Schnee im Dorf zu einer apokalyptisch anmutenden Zerstörungswut der Bauern, zu einem Inferno, dem nichts standhalten kann. (Inwieweit Perutz hier, neben all den anderen Lesarten dieses Romans, auch auf die Ereignisse in Deutschland anspielt, die er während der Niederschrift 1933 von Österreich aus beobachtete, sei dahingestellt. Jedenfalls werden die zeitgenössischen österreichischen Legitimisten hier mit allerdelikatester Ironie aufgespießt.)

Im Krankenhaus nun meint Amberg einige Personen wiederzuerkennen, die er in Morwede kennengelernt hatte; der Krankenwärter z.B. ist in Ambergs Sicht der Wirklichkeit Malchins Gutsverwalter, und dieser wiederum wäre dann kein anderer als Fürst Praxatin, der letzte Rurikide. Je mehr ihm das Krankenhaus-Personal (das in Ambergs Erinnerung samt und sonders aus Morwede stammt und das er unter anderem Namen und in anderer Position dort kennengelernt haben will) seine eigene Version der Geschehnisse ausreden will und ihm versichert, er sei nach einem Autounfall eingeliefert worden, desto misstrauischer wird Amberg: Ist er das Opfer eines gefährlichen Komplotts? Befindet er sich in der Hand von Verschwörern?
Amberg wird misstrauisch und scheint sich immer mehr in seine Version der Wirklichkeit einzuspinnen -- bis ihm der Morweder Pfarrer einen Ausweg aus seiner Lage zeigt.

Perutz verschränkt in diesem Roman meisterhaft Versatzstücke des historischen Romans und eine akribisch rekonstruierende Krimihandlung mit der Frage, wie glaubwürdig die menschliche Wahrnehmung eigentlich ist, und bringt dadurch auch die Selbstverständlichkeit ins Wanken, mit der man normalerweise die eigene Identität betrachtet. Auch wenn man sich relativ schnell sicher ist, welche der beiden einander ausschließenden Versionen die wahrheitsgemäße ist, so liest sich dennoch Ambergs eindringliche, intensive Geschichte nicht wie ein Fiebertraum, sondern wie eine Art Tatsachenbericht eines Augenzeugen ungeheuerlicher Ereignisse.
Perutz' Meisterschaft besteht auch darin, dass er diese Geschichte unglaublich fesselnd präsentiert; sie klingt auf eine surreale Weise plausibel. Sogar der Wendepunkt, das Eingreifen des Pfarrers, der Amberg schließlich sein Dilemma lösen lässt, ist nicht ohne weiteres eindeutig einer der beiden Wirklichkeits-Ebenen des Romans zuzuordnen: Handelt es sich um eine reale Person, oder ist auch diese Begegnung ein Traumerlebnis Ambergs?

Perutz schrieb hier einen phantastischen Roman ohne jedes Mythen-Gewaber, eine psychologische Studie ohne Traktathuberei, eine in der Tradition der Romantik verwurzelte ironische Abenteuergeschichte, -- und vor allem einen spannenden, intelligenten Roman, der ihn ein weiteres Mal als Meister des Unterschwelligen bestätigt.
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Von weiser111
Format:Taschenbuch
In "St.Petri Schnee" geht es, wie oft bei Leo Perutz, um das Spiel mit der ahrnehmung, um die Frage, was wirklicher ist: Der Wahn oder die Wirklichkeit. "St.Petri Schnee" spielt, im Gegensatz zu den meisten Romanen Perutz', in der Gegenwart -- in einer Gegenwart, deren Wahrnehmung nicht so eindeutig ist, wie man meinen möchte; und in einer Gegenwart, die einer ihrer Protagonisten durch die Vergangenheit ersetzen will -- bzw. durch das, was er als die wahre Vergangenheit sieht.
In einem Osnabrücker Krankenhaus erwacht der junge Arzt Dr. Amberg aus dem Koma -- die Ärzte versichern ihm, er sei nach einem Verkehrsunfall in Osnabrück sechs Wochen lang bewusstlos gewesen, aber nach Ambergs Erinnerung wurde er fünf Tage zuvor bei einem Aufstand in dem westfälischen Dorf Morwede niedergeschossen, als er sich schützend vor seine Geliebte geworfen hat. Der Roman wird durchgehend aus Ambergs Perspektive erzählt; man erlebt mit ihm, wie er allmählich im Krankenhaus wieder zu sich kommt und die Ereignisse rekonstruiert, die ihn hierher geführt haben müssen. In seiner Erinnerung war er -- im Gegensatz zu den Beteuerungen der Ärzte -- tatsächlich nach Morwede gekommen und wurde dort Zeuge, wie Freiherr von Malchin, ein undurchsichtiger und charismatischer Rittergutsbesitzer, die Menschheit zur wahren Gottesseligkeit zurückführen und das Heilige Römische Reich deutscher Nation restituieren wollte: Mit Hilfe der Chemikerin Bibiche, einer früheren Angebeteten Ambergs, entwickelte er eine Droge namens "St.Petri Schnee" , um den Menschen den echten Gottesglauben zurückzubringen. Malchins zweites großes Ziel war es, alle legitimen europäischen Herrscherhäuser wieder auf den Thron zu bringen -- in Morwede hielten sich u.a. die letzten Abkömmlinge der Staufer und der russischen Rurikiden auf, und auch zu den englischen Stuarts gab es Kontakte... Doch das Experiment ging schief: Statt allgemeiner Gottseligkeit führte St.Petri Schnee im Dorf zu einer apokalyptisch anmutenden Zerstörungswut der Bauern, zu einem Inferno, dem nichts standhalten kann. (Inwieweit Perutz hier, neben all den anderen Lesarten dieses Romans, auch auf die Ereignisse in Deutschland anspielt, die er während der Niederschrift 1933 von Österreich aus beobachtete, sei dahingestellt. Jedenfalls werden die zeitgenössischen österreichischen Legitimisten hier mit allerdelikatester Ironie aufgespießt.)
Im Krankenhaus nun meint Amberg einige Personen wiederzuerkennen, die er in Morwede kennengelernt hatte; der Krankenwärter z.B. ist in (seiner) Wirklichkeit Malchins Gutsverwalter, und dieser wiederum wäre dann kein anderer als Fürst Praxatin, der letzte Rurikide. Je mehr ihm das Krankenhaus-Personal (das in Ambergs Erinnerung samt und sonders aus Morwede stammt und das er unter anderem Namen und in anderer Position dort kennengelernt haben will) seine eigene Version der Geschehnisse ausreden will und ihm versichert, er sei nach einem Autounfall eingeliefert worden, desto misstrauischer wird Amberg: Ist er das Opfer eines gefährlichen Komplotts? Befindet er sich in der Hand von Verschwörern?
Amberg wird misstrauisch und scheint sich immer mehr in seine Version der Wirklichkeit einzuspinnen -- bis ihm der Morweder Pfarrer einen Ausweg aus seiner Lage zeigt.
Perutz verschränkt in diesem Roman meisterhaft Versatzstücke des historischen Romans und eine akribisch rekonstruierende Krimihandlung mit der Frage, wie glaubwürdig die menschliche Wahrnehmung eigentlich ist, und bringt dadurch auch die Selbstverständlichkeit, mit der man normalerweise die eigene Identität betrachtet, ins Wanken. Auch wenn man sich relativ schnell sicher ist, welche der beiden einander ausschließenden Versionen die wahrheitsgemäße ist, so liest sich dennoch Ambergs eindringlich intensive Geschichte nicht wie ein Fiebertraum, sondern wie eine Art Tatsachenbericht eines Augenzeugen ungeheuerlicher Ereignisse. Perutz' Meisterschaft besteht auch darin, dass er diese Geschichte unglaublich fesselnd präsentiert; sie klingt auf eine surreale Weise plausibel. Sogar der Wendepunkt, das Eingreifen des Pfarrers, der Amberg schließlich sein Dilemma lösen lässt, ist nicht ohne weiteres eindeutig einer der beiden Wirklichkeits-Ebenen des Romans zuzuordnen: Handelt es sich um eine reale Person, oder ist auch diese Begegnung ein Traumerlebnis Ambergs?
Perutz schrieb hier einen phantastischen Roman ohne jedes Mythen-Gewaber, eine psychologische Studie ohne Traktathuberei, eine in der Tradition der Romantik verwurzelte ironische Abenteuergeschichte, -- und vor allem einen spannenden, intelligenten Roman, der ihn ein weiteres Mal als Meister des Unterschwelligen bestätigt.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Minnhera
Format:Taschenbuch
Ähnlich wie in Perutz' "Der Meister des Jüngsten Tages" spielen in diesem Buch Drogen eine wichtige Rolle. Perutz stellt die Theorie auf, daß die großen Revolutionen der Menschheit darauf zurückzuführen sind, daß die Betroffenen jeweils unter dem Einfluß halluzinogener Pilzgifte standen, die sie versehentlich mit der Nahrung aufgenommen hatten. Exakt diese Theorie kam in den 1970er Jahren auch noch einmal in einigen wissenschaftlichen Publikationen auf - nur, daß Perutz' Buch von 1933 ist, er den Zusammenhang also schon sehr viel früher feststellte.
Mit dieser Rezension will ich allerdings nicht auf sein Talent als biohistorischer Ermittler hinweisen, sondern darauf, daß ihm wieder einmal ein interessantes, spannendes Buch gelungen ist, das mit unserer Vorstellung von der Realität spielt, eine alternative (Koma-)Wirklichkeit erschafft (-> siehe auch "Life on Mars"!!!) und wieder einmal historische Figuren in faszinierende Zusammenhänge einbaut. Einfach lesenswert!
Wer übrigens mehr gerettete Königskinder will, sollte auch einmal in Perutz' Zusammenarbeit mit Paul Frank hineinschmökern -> "Der Kosak und die Nachtigall".
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