Das Cover und der Titel - St. Anger - zu Deutsch Wut oder Ärger - machen schon deutlich, was uns auf diesem Album erwartet. Elf knallharte, und absolut kompromisslose Songs, so harte, wie noch niemals zuvor, peitschen den Hörern unmittelbar nach der Betätigung der Starttaste um die Ohren. Metallica - spielen sich mit diesem heftigen Album nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes ihren Frust, ihren Ärger und ihre Wut von der Seele, sondern geben auch mit der abgebildeten roten Faust eine ganz klare und deutliche Kampfansage. Das Album hätte aufgrund seiner enormen Aggressivität, und seiner absolut zutreffenden Texte, durchaus auch St. Bush, St. America oder St. Germany heißen können.
Gleich beim ersten Lied - Frantic - wird einem der Zorn der Band auf Gott und die Welt direkt ins Ohr getickt. Der zweite Song - St. Anger - macht dann in gnadenloser Härte und einigen Speed-Metal-Einlagen genau dort weiter, wo Frantic aufhörte. Danach erwartet den Hörer das dritte extrem harte Monster. Spätestens jetzt merkt man beim intensiveren Hören des Albums, dass Metallica einem die innere Wut regelrecht aus dem Körper prügelt. Auch die anderen Songs lassen dem Zuhörer so gut wie keine Atempause, denn sie prasseln wie brutale Faustschläge auf ihn nieder.
St. Anger - ist für mich ein Album, das ich vor allem immer dann auflege, wenn ich innerlich extrem wütend auf etwas bin. Immer dann, wenn ich der traurigen Tatsache ins Auge sehen muss, dass ich mit Anständigkeit und Ehrlichkeit in unserer Leistungsgesellschaft nicht wirklich weiterkomme, oder anders ausgedrückt, immer dann, wenn ich feststelle, dass ich in unserer Gesellschaft nur dann weiter käme, wenn ich entweder die Moral unter den Teppich kehre, oder meine Seele an die Mächtigen verkaufe, und mir aufgrund dieser Ungerechtigkeit wieder einmal der angestaute und ekelhafte Geschmack von Erbrochenem wie Rotze am Gaumen klebt, lege ich dieses Album auf, und höre mir meinen innerlichen Ärger und Frust direkt von der Seele. Danach geht es mir meistens sehr viel besser, als vorher und weil das vielleicht nicht nur mir, sondern auch vielen anderen Hörern so geht, hat das Wörtchen - Sankt - auch durchaus seine heilende Berechtigung im Albumtitel. "Heile Deine Seele!" - Höre - St. Anger!