Produktinformation
|
Die Band warf erst mal den zuletzt doch arg überproduzierten Sound über Bord, warf die Songs im klassischen Pop-Format gleich hinterher, versenkte im Übermut auch noch den langjährigen Bassisten und fing bei null wieder an. So konnte aus dem Ausflugsdampfer Metallica wieder ein bedrohlicher Flugzeugträger werden. James Hetfield ließ sich von seinen toxischen Hobbys befreien, deren fehlender Trost nun den Hass-Faktor um einiges hochschraubt, sowohl in den Texten als auch in den derb-brutalen Riffs.
Die hauen sie uns in Sequenzen um die Ohren, die nichts mehr mit einfacher Nachvollziehbarkeit zu tun haben. In diesem Punkt finden sich denn auch die viel zitierten Rückbezüge auf die Großtaten der Achtziger zwischen Kill 'em All und And Justice For All. Zu Letzterer weist auch die Produktion hin, die sich durch eine gewisse Nachlässigkeit auszeichnet, was bei der Justice noch als Schlamperei bezeichnet werden konnte, bei St. Anger aber bewusst gesucht wurde. Das Fehlen jeglicher Gitarren-Soli, einst Markenzeichen von Metallica und Heavy Metal im Allgemeinen, wirkt sich nicht negativ aus, sondern überlässt dem Riffgewitter die ganze ungeteilte Aufmerksamkeit des stark geforderten Hörers.
Metallica haben sich mit St. Anger tatsächlich neu erfunden und sich selbst, den Fans und dem Heavy Metal damit einen großen Gefallen getan. --Wolfram Denzer
Nach weiteren Hördurchläufen kommen dann nämlich doch die wie immer genialen Melodien durch, die vorher noch unter dem Riffgeschrubbe versteckt waren. Und schon klingen Songs wie der Titelsong (am eingängigsten), "Frantic", "Dirty window", "Shoot me again", "Sweet amber" oder "Unnamed feeling" wesentlich besser als noch beim ersten Hören. Und je öfter ich die Scheibe höre, desto besser gefällt sie mir.
Wer jetzt gehofft hat, dass Metallica wieder zurück zu Ihren Wurzeln gehen würden, wird enttäuscht werden. Aber warum auch ? Die 80er sind nun einmal vorbei und es wird kein zweites "Ride the lightning" oder "Master of puppets" geben. Ich kann mir zudem auch nicht erklären, woher die ganzen "back to the roots"-Paroli herkommen sollen. Es war in diversen Interviews lediglich zu lesen, dass die Band zu einem Aggressionslevel zurückgefunden hat, den sie schon lange nicht mehr hatte. Und genau der ist auf "St. Anger" ja wohl ohne Zweifel enthalten !
Wenn man das Album überhaupt mit einem älteren Werk vergleichen kann, dann sicher mit "...And justice for all", da die Songs ähnlich komplex sind. Und wo bitteschön soll das Album nach Nu-Metal klingen ? Wo sind Raps ? Wo ist der DJ ? Wo sind Drum-Loops ? Wo sind Samples ? Hallo ? Und nur weil viele Breaks enthalten sind, klingen Metallica doch nicht wie System Of A Down ! Deren Stil beruht doch vielmehr auf dem, was Metallica einst mit "...And justice for all" geschaffen haben, halt nur moderner produziert und etwas einfacher strukturiert.
Den einzigen Kritikpunkt, den man wirklich anbringen kann, ist das komplette Fehlen von Gitarrensoli. Die hätte man durchaus auch in diese Songs einbauen können. An den Drumsound gewöhnt man sich mit der Zeit und außerdem gibt's ja auch noch die Live-DVD, wo die Drums genauso wie bei einem Konzert klingen. Desweiteren gibt's noch die Möglichkeit, sich per Code drei komplette Shows runterzuladen, also reichlich value for money.
Fazit: Wenn man dem Album eine faire Chance gibt und es nicht gleich nach dem ersten Hören abstemptelt, entfaltet es bald seine ware Klasse. Es wird Metallica neue Fans gewinnen, Load/Reload-Fans möglicherweise vergraulen und kann auch alteingesessene Fans überzeugen, wenn man nicht allzu engstirnig denkt. Daumen nach oben !
Ja, und auch ich war so blöd, diese CD gleich vorzubestellen. Ich weiß jetzt auch, warum der Veröffentlichungstermin vorgezogen wurde: Wenn mehr Leute die Songs schon vorher gekannt hätten, würden Sie diesen angeblichen Meilenstein im Regal stehen lassen.
Metallica hat das Songwriting komplett aufgegeben und ersetzt dies durch unmotivierten Mißbrauch der Instrumente. Bescheidener Sound kombiniert mit einem Hetfield, der nicht einmal versucht , zu singen und einem Hammett, der nicht einmal annähernd seine Fingerfertigkeiten nutzt - da spielt es keine Rolle mehr, daß der Bassist gewechselt hat.
Das schlimmste allerdings ist, daß man bei Metallica der Aufassung ist, diese tollen Songs müßten auch 7 oder 8 Minuten lang werden. Während alte Songs wie "One" diese Zeitspanne mühelos verstreichen lassen, verspüre ich bei den neuen Songs spätestens nach 3 Minuten das dringende Bedürfnis, die Skip-Taste zu betätigen. Eintönig und einfallslos sind die harmlosen Worte, die mir dazu einfallen.
Kurzum: Auf den Interview-Cds von Metallica ist genausoviel gute Musik wie auf diesem Album.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|