Das schönste an diesem Band ist vielleicht das Vorwort, das so mitten aus dem prallen Leben gegriffen ist, wie man es von Konstantin Wecker ja auch nicht anders erwarten würde. Der Herausgeber beschreibt die Bedeutung der Lyrik für sein eigenes Leben und erklärt, dass und wie einige der vorliegenden Gedichte für sein eigenes Leben einen großen Einfluss gehabt hätten.
Wecker, der zu Beginn der 80er mit dem Schlagwort "größter lebender Dichter Deutschlands" vielleicht gar nicht mal so zu Unrecht kokettierte, ist ja in punkto Lyrik unbestritten ein Fachmann. Und diese Subjektivität und persönliche Betroffenheit sollte eine solche Sammlung eigentlich aus den üblichen, von Literaturhistorikern zusammengestellten, Sammlungen herausheben und den Leser persönlich wesentlich stärker ergreifen können. Lyrik lebt ja von der persönlichen Ergriffenheit. Das gelingt Wecker auch über weite Strecken, selbst die eigenen Gedichte machen sich in dieser Sammlung ganz gut, in einigen Kapiteln gehören sie gar zu den besten.
Das einzige, was man an dieser Zusammenstellung aussetzen könnte, ist, dass sie so sonderlich aufregend individuell gar nicht ist. Viele dieser Gedichte finden sich genauso in anderen aktuellen Lyriksammelbänden wieder, dazu hätte es dieser Ausgabe gar nicht bedurft. Auch habe ich bei einigen Gedichten eher den Eindruck, dass sie als "Füllsel" in die Sammlung gerutscht sind.
Positiv hervorzuheben ist für mich persönlich die Auswahl der Barockgedichte und der Raum, den Wecker der wunderbaren Mascha Kaléko eingeräumt hat.
Am Ende könnte sich die Frage stellen, ob man sich nicht auch eine konventionelle Lyriksammlung und einen Band mit Weckers Gedichten als Alternative besorgen könnte und am Ende besser bedient wäre. Wenn, wie gesagt, das Vorwort nicht wäre, das das Buch allein schon wert ist.