„Stürmer für Hitler", ein nicht ganz gelungener Titel für ein interessantes Buch. Die Autoren zeichnen ein Bild der Entwicklung des Fußballs, und anderer Sportarten unter der Herrschaft der Nazis. Obwohl das Kicken aufgrund seiner englischen Herkunft eher verpönt war und sich nicht so gut eignete als Beweis für die Überlegenheit der sogenannten germanischen Rasse, nutzten die Nazis die Popularität des Fußballs in Deutschland auch zur Ablenkung der Bevölkerung in Kriegszeiten. Die faschistisch ausgerichteten Journalisten der deutschen Sportpresse taten ihr übriges, um aus einem Spiel einen Krieg zu machen. So wurde aus dem Mittelstürmer ein "Feldherr der Fußballschlachten" und die bekannte Floskel „über den Kampf zum Spiel finden", ist eine Formulierung aus jener Zeit. Die Nazis machten auch aus dem "Internationalen" den Nationalspieler. Auch der konnte sich in der heutigen Sportsprache halten. Die Mehrheit der Fußballer, ließ sich bewußt oder unbewußt zu Propagandisten der Nazis machen, aber es gab auch die, die sich nicht gleichschalten ließen oder der antisemitischen Hetze folgten. Das Buch zeigt dem Leser ein differenzierteres Bild, der erfährt wie der Arbeitersport verboten wurde, der sich in Zeiten von Nationalismus und Erbfeindideologie um die internationale Begegnung der Völker, auch im Fußball verdient gemacht hat. So spielte 1927 ein Team der Sowjetunion in Deutschland in mehreren Städten auf Einladung des Arbeiter-Turn-und Sportbundes, lange bevor sich erst 1955 offiziell eine DFB-Auswahl mit einer sowjetischen Mannschaft traf. Der DFB selbst, der im Jahr 2000 sein 100jähriges Bestehen feiert, spielte eine opportunistische Rolle. Die Autoren nennen das Verhalten vieler Sportfunktionäre „vorauseilenden Gehorsam". So wurden jüdische und linke Mitglieder bereits Mitte 1933 aus den Vereinen im Vorgriff ausgeschlossen. Die DFB-Führung diente sich den neuen Herren an, um möglichst an die Fleischtöpfe heranzukommen. Nach dem Krieg waren dann die gleichen Herren in den Westzonen schnell in den wichtigsten Posten des "neuen" DFB. Anders in der damaligen sowjetischen Zone, wo Antifaschisten Funktionäre wurden. Eine kritische Aufarbeitung dieser ganzen Zeit hat es beim DFB bisher nicht gegeben. Erst auf Anfrage der Autoren, gab DFB-Sprecher Niersbach bekannt, daß sich die offizielle Chronik des DFB auch mit der Nazizeit beschäftigen werde; auf „15 - 20 Seiten." Man darf gespannt sein wie dies gelingt, braucht das vorliegende Buch doch immerhin fast 300 Seiten für den Gegenstand. Ein lesenswertes Buch, detailliert, mit einer Reihe interessanter Fakten, Namen und Schicksale. Streckenweise ist es allerdings langatmig und Fakten werden wiederholt.