Der Name Silke Urbanskis hat für die Liebhaber historischer Romane einen recht neuen Klang. Außerdem widmet sie sich in ihren Werken ausschließlich dem späten Mittelalter bzw. der Hansezeit. Aus beiden Gründen führte nur die "heiße Empfehlung" eines Freundes dazu, dass ich zu ihrem bisher jüngsten Roman griff. Am Mittelalter, so sehr es literarisch in Mode ist, bin ich als Romankonsument nämlich eher mäßig interessiert. Brennend interessiert bin ich hingegen an mitreißend erzählter, spannender Lektüre!
Was Romanidee, Plotentwicklung, Handlung und Stil betrifft (vom Hintergrundwissen über die dargestellte Zeit ganz zu schweigen), lässt die Verfasserin keine Leserwünsche offen. Störtebeker selbst kommt nur als Randfigur vor. Das aber ist angesichts der ohnehin beträchtlichen Zahl an Störtebeker-Romanen nur zu begrüßen. Wie meistens bei Erzählungen, die in so weit zurück liegender Zeit spielen, beschleicht einen der Verdacht, dass die handelnden Personen in Denken und Fühlen zu modern angelegt sind '- doch nur auf diese Weise erreicht der Verfasser historischer Romane, dass wir seinen Protagonisten jene Leser-Empathie entgegenbringen, die für eine packende Lektüre unverzichtbar ist (und wie unsere Ahnen vor 400, 500 Jahren wirklich dachten und empfanden, können wir Heutigen vermutlich ohnehin nicht mehr authentisch nachvollziehen). Ich jedenfalls las "Störtebekers Henker" wie im Flug 'und dachte noch eine ganze Weile nach beendeter Lektüre an die von Silke Urbanski heraufbeschworene Welt und die Personen, die sie bevölkern, zurück.
Das angehängte Glossar ist sehr ausführlich und informativ; dennoch enthält es nicht alle Begriffe, die dem unbedarften Leser neu sind (und nichts ist verdrießlicher, als halb widerwillig aus den Tiefen der Lektüre aufzutauchen, um ein Wort im Glossar nachzuschlagen 'und es dort nicht zu finden!). An Nachlässigkeit kann das nicht liegen (da das ganze Buch den Eindruck sorgfältiger Verfasser- und Verlagsarbeit erweckt), aber vielleicht daran, dass die Verfasserin so tief in "ihrem Thema" steckt, dass sie Vokabeln als selbstverständlich betrachtet, die dem schmökernden Laien keineswegs geläufig sind.