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Störfall: Nachrichten eines Tages (suhrkamp taschenbuch)
 
 
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Störfall: Nachrichten eines Tages (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Christa Wolf
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 129 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 3 (9. März 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 351846079X
  • ISBN-13: 978-3518460795
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,6 x 1 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 144.222 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Christa Wolf
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Im Frühling 1986, auf dem mecklenburgischen Land, sind die Blüten an den Kirschbäumen förmlich explodiert – aber das Wort vom Explodieren wagt man nicht einmal mehr zu denken, seit die Nachricht sich verbreitet: Im Kernreaktor von Tschernobyl hat eine Explosion stattgefunden. Und während die Erzählerin den stündlichen Warnungen im Radio lauscht, muß sich ihr Bruder einer riskanten Gehirnoperation unterziehen. Zwei Störfälle, eine kollektive und eine individuelle Katastrophe, an einem Tag: Christa Wolfs Erzählung schildert den Einbruch des Unfaßbaren in das menschliche Leben, entfesselte Kräfte, über die wir keine Kontrolle mehr haben.

Über den Autor

Christa Wolf, geboren 1929 in Landsberg/Warthe (Gorzów Wielkopolski), lebte in Berlin und Woserin, Mecklenburg-Vorpommern. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Georg-Büchner-Preis, dem Thomas Mann Preis und dem Uwe-Johnson-Preis, ausgezeichnet. Sie verstarb 2011 in Berlin.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Christa Wolf „Störfall - Nachrichten eines Tages"

Rezension Die Autorin Christa Wolf schrieb „Störfall - Nachrichten eines Tages" unmittelbar nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in den Monaten Juni bis August des Jahres 1986. Da der Name Tschernobyl in diesem Buch nicht genannt wird, ist die geschehene Katastrophe nicht Gegenstand der Darstellung des Textes, sondern der subjektive Bezug zu diesem authentischen Ereignis - ein Äquivalent. Der 26.April 1986, ein Tag an dem die Atomtechnik außer Kontrolle geriet. Die verheerende Katastrophe im Block 4 des Atomreaktors gab Wolf den Anlaß und war auslösendes Moment für die erzählerische Verarbeitung und schien einer Autorin, die gewöhnlich langsam schreibt, von großer Wichtigkeit zu sein. Dadurch wurde es wohl zu einem der persönlichsten Werke Christa Wolfs. Eine als Ich-Erzählerin eingeführte Schriftstellerin hat sich ins mecklenburgische Landhaus zurückgezogen, um ungestört arbeiten zu können. Zwei einander überlagernde unfaßbare Begebenheiten - Störfälle - beanspruchen ihre Aufmerksamkeit, unterbrechen den gewohnten Tagesrhythmus. Ein „Störfall" ist die Reaktorkatastrophe unweit der Millionenstadt Kiew von der die ersten Meldungen mit den morgendlichen Rundfunkmeldungen eintreffen. Ein „Störfall ist aber auch der Gehirntumor, der eine schwere Operation des jüngeren Bruders der Erzählerin an eben diesem Tag nach sich zieht. Die Nachricht vom Reaktorunglück und das Wissen um die Kompliziertheit der Operation, die Hoffnung auf die Kunst der Ärzte und die dazu benötigte medizinische Technik beherrschen an diesem Tag das Denken und Fühlen der Erzählerin, bestimmen ihre Handlungen und Kontakte mit der Außenwelt und bringen existentielle Fragen hervor. Dieser epische Text läßt sich schwer in eine literarische Gattung einordnen, entspricht jedoch am ehesten der einer Erzählung. Die unterschiedlichen, bereits erläuterten Erzählebenen, sind mit- und ineinander verflochten. Beinahe übergangslos und lediglich durch Bindestriche getrennt, werden sie gegenüber gestellt. Es ist kein geschlossener Text: es gibt zwar Organisationspunkte, Tschernobyl und die Operation des Bruders, aber sonst werden die unterschiedlichsten Themen aufgenommen, dargestellt in den Formen des Nachdenkens, in Nachbargesprächen, in Telefonaten, Selbstgesprächen und kritischen Selbstbefragungen. Aus der Reflektionssituation der Ich-Erzählerin stoßen verschiedenartige Sprachen aufeinander: Spontane umgangssprachliche Äußerungen der Ich-Figur stehen in Kontrast zu der Bemühtheit, Sachverhalte der Medizin mit entsprechenden und scheinbar unvermeidbaren Fachtermini zu nutzen. Gleichzeitig erscheinen im Kontext von Tschernobyl neue furchteinflößende Worte auf (GAU, Halbwertszeit, usw.); bekannte Worte gewinnen plötzlich schreckenerregende Bedeutung (strahlen/Strahlung). Zur Fülle und Farbigkeit des Textes tragen auch die mannigfaltigen Zitate und Anspielungen bei. Lieder und Gedichte, Märchen und Mythen, literarische Figuren, wie Faust, Erzählungen und Romane verschiedener Völker und Zeiten werden aufgerufen, die zum Teil nur einem kleinen Leserkreis bekannt sein dürften. Diese sind nur teilweise durch Kursivdruck kenntlich gemacht, lediglich wenige sind durch Angabe von Titel und Verfasser leicht erkennbar. „Störfall" - ein Buch, dessen appellativer Charakter nicht abstreitbar ist. Doch geht Wolf mit dem Buch über eine alarmierende und warnende Zustandsbeschreibung hinaus und unternimmt einen weiter reichenden gedanklichen Schritt, indem sie die Frage, wie es dazu gekommen ist, mit der Überlegung verbindet, ob nicht am Ende gar dem Menschen ein Trieb zur Selbstvernichtung innewohnt. „Störfall" von Christa Wolf ist nach unserer Meinung ein absolut lohnenswertes Buch, daß denen, die Interesse am Thema finden, empfohlen sei. Diejenigen, die sich beim Lesen eines Buches gern zum Weiterdenken und Philosophieren anregen lassen, werden froh sein es gelesen zu haben. Wer jedoch intellektuelle Literatur scheut, greife lieber zu einem andren Buch. Sonst ist es jedem zu empfehlen, der einmal ein außergewöhnliches Buch lesen möchte.

Steffen Jungmann/Robert Rudwaleit

War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Spaddl TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Christa Wolf, die am 01. Dezember 2011 verstarb, gehörte sicherlich zu den am kontroversesten diskutierten Autoren deutschlands. Ihre Romane, ihre Haltung und ihre DDR Vergangenheit wurden vom Feuilleton und dem Publikum hart kritisiert, von ihr jedoch literarisch und somit auch öffentlich aufgearbeitet. Durch ihren Tod bin ich auf ihr Oeuvre wieder aufmerksam geworden - schon lange liebäugel ich mit der Lektüre "Medea. Stimmen", konnte mich jedoch noch nicht dazu durchringen, es zu bestellen.

Den Anfang meiner "Christa W.-Erfahrungen" macht nun "Störfall", eine kurze, 130 Seiten lange Erzählung, die das Reaktorunglück von Tschernobyl in den Fokus der Ich-Erzählerin stellt. Dies ist jedoch nicht der einzige Störfall, den die namenlos bleibende Frau an diesem beschriebenen Tag zu verarbeiten hat, denn zeitgleich muss ihr Bruder eine Hirnnoperation zur Entfernung eines Tumors über sich ergehen lassen.

Die Erzählung beschäftigt sich somit mit dem Hereinbrechen menschlicher, persönlicher Katastrophen im Kontext eines Individuum-übergreifenden Chaos-Szenarios. Wie verarbeitet ein Mensch einen solchen Schrecken? Welchen Fokus setzt das Individuum? Wie verbringt man einen solchen Tag?
Die Ich-Erzählerin, die ich nachfolgend Christa nenne, da eine frappierende Ähnlichkeit mit der Autorin zu erkennen war (trotzdessen, dass am Anfang des Romans ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen rein zufällig seien), scheint den Situationen mit einer gewissen Hilfslosigkeit gegenüber zu treten. Sie verliert sich in Alltäglichkeiten, versucht ihren Alltag auf die Reihe zu bekommen, fährt zum "Konsum" - einen nicht weit entfernten Laden - philosophiert dabei über die Menschen des Dorfes und macht ihren Garten. In abwechselnden Perspektiven konzentriert sie sich entweder auf die Gefahr eines GAUs oder auf die lebensgefährliche Operation ihres Bruders. Auffallend ist jedoch, dass sie ständig flüchtet, so dass die individuelle oder kollektive Katastrophe temporär sogar gänzlich verschwindet.

Sie gesteht sich, im "Dialog" mit ihrem Bruder, ein, die Gefahren zwar realisiert, aber nicht benannt zu haben, denn 'spreche ich es nicht aus, ist es auch nicht existent'. In diesen Sequenzen flüchtet sie erneut: in den Ablauf einer Gehirnoperation unter Verwendung des medizinischen Vokabulars. Als sachlich, vielleicht sogar emotionslos würde ich die Ich-Erzählerin zeitweilig bezeichnen. Stellenweise blitzt aber die panische Christa auf, die hektisch zum klingelnden Telefon rennt, um Neuigkeiten über ihren Bruder zu erfahren. Selbst der Kollektivkatastrophe begegnet sie mit Distanz: auch hier nimmt sie die Fülle an neuen "Vokabeln" auf und analysiert sie, ohne sich einer offenkundigen Panik hinzugeben.

Sie sehen: Christa Wolf gelingt es auf 130 Seiten einen vielschichtigen, nachvollziehbaren Charakter zu kreieren, der in seinem Facettenreichtum greifbar daherkommt. Die unterdrückte Angst und die Hoffnung auf Besserung zeichnen einen sympathischen Protagonisten mit viel Menschlichkeit. Die fehlende explizite Nennung des Reaktorunglücks (also "von Tschernobyl"), die in einer anderen Rezension harsch kritisiert wurde, halte ich hingegen für gar nicht so verkehrt. Dadurch entsteht eine viel eindringlichere Identifikation und die Erzählung kann - in ihrer Form als "Parabel" - auch losgelöst vom Tschernobyl-Unglück gelesen und verstanden werden; siehe Fukushima.

An den Stil der Autorin musste ich mich jedoch als "Wolf-Neuling" erst gewöhnen. Ich bin zwar als Thomas Bernhard-Fan lange, verschwurbelte Sätze gewöhnt, aber jeder Schriftsteller gestaltet diese anders. Dennoch liest sich "Störfall" sehr gut, die Gedankensprünge der Hauptfigur verkomplizierten das Verständnis gelegentlich, aber nie so, dass der Leser gar nicht mehr weiß, wo er sich befindet bzw. was Christa Wolf einem vermitteln möchte.

Es wird sicherlich nicht mein letzter Christa Wolf-Roman gewesen sein.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr gute Literatur 27. Dezember 2011
Von Charlotte Hölling VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Auf die Nachricht von Christa Wolfs Tod hin habe ich verschiedene ihrer Bücher gekauft. Störfall ist nachdenklich, philosophisch, klug. Wolf beschreibt den Tag, an dem die Nachricht vom Unglücksfall Tschernobyl kam, an dem aber auch ihr Bruder an einem Hirntumor operiert wurde.
Es versteht sich, dass hier ein Hin- und Her, ein ständiges gegenseitiges Überlagern der vollkommen widersprüchlichen Geschehnisse beschrieben wird. Die Operation gelingt, der Bruder überlebt einigermaßen unbeschadet - der Mensch zwischen seinen persönlichen Anliegen und globalen Katastrophen. Wunderbar geschrieben.
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