Grundsätzlich finde ich die Dörrtechnik von Stöckli (Stapelsystem) unbefriedigend. Die alternative Kastenbauweise mit Einschüben und horizontaler Heizung/Belüftung zweier maßgeblicher Konkurrenten ist zweifellos in Nutzfläche, Temperaturverteilung und Energieausnutzung überlegen. Dafür kosten diese Geräte auch wesentlich mehr. Dass ich mich für Stöckli entschieden habe, liegt jedoch nicht am Preis, sondern daran, dass die beiden in Frage kommenden Konkurrenten mich in Materialqualität und Verarbeitung enttäuschten bzw. ich den eingesetzten Kunststoffen nicht traue (wegen unklarer Angaben, der Verwendung von recyceltem Material und/oder unangenehmer Plastikgerüche).
Bei Stöckli überzeugt mich der zumindest teilweise Einsatz von Edelstahl statt Kunststoff (wahlweise bei den Dörrgittern), die klare Deklaration der verwendeten Materialien und allgemein die gute Verarbeitung. Zudem behelligt Stöckli nicht mit unangenehmen Kunststoffgerüchen wie einer der Konkurrenten. Allerdings wird für die Metall-Dörrgitter Chromnickelstahl verwendet, was angesichts der in Obst vorhandenen Säuren für Nickelallergiker nicht unproblematisch ist. Zweifellos hat der Stöckli-Ansatz, das Naturprinzip der aufsteigenden Wärme zu nutzen, großen Charme und verleiht dem Apparat auch eine starke eigene Ästhetik. Und ich bereue den Kauf auch keineswegs.
Die Temperatureinstellung beim Stöckli ist sehr ungenau, da die Steuerung in der Heizeinheit erfolgt, nicht über Sensoren im Dörrbereich - was bei dem Preis auch nicht zu erwarten ist. Zudem geht der Warmluftstrom durch das Dörrgut, nicht über das Dörrgut, wie bei den Kastenkonstruktionen, und wird beim Aufstieg von unten nach oben erheblich modifiziert. Die Temperaturungenauigkeiten sind stark abhängig von Umgebungstemperatur, Dörrdauer und Beladung mit Dörrgut. Ich empfehle die Verwendung eines Backofenthermometers zur Kontrolle in der Einübungsphase.
Die wichtigsten Informationen: Die verwendeten Kunststoffe sind PP und SAN. Bei den Metalldörrgittern wird Chromnickelstahl verwendet und zusätzlich noch der Kunststoff ABS. Die in den Dörrgittern erreichte Temperatur entspricht nur sehr ungenau der eingestellten Temperatur. Die Temperatur nimmt von unten nach oben ab - bei 7 Aufsätzen mit bis zu 5 Grad Differenz im leeren Zustand. Gefüllt kommen bei eingestellten 60 Grad in der 7. Etage nach einer Stunde gerade mal 40 Grad an, später, mit abnehmendem Verdunstungskälteeffekt und Aufheizung aller Dörrgitter, reduzieren sich die Differenzen bei sieben Etagen auf etwa 10 Grad. Günstigere Werte können mit etwas Erfahrung erreicht werden. Die Metall-Dörrgitter haben eine Maschenweite von 3mm, die Kunststoffgitter (die mich in der Verarbeitung nicht überzeugen) eine von 5mm. Jedes Gitter hat eine Fläche von 804ccm, bei 10 Etagen sind das immerhin auch 8042ccm, fast so viel wie bei Sedona mit 9423ccm. Die Metallgitter sind am Rand halbtransparent, die Kunststoffgitter erlauben keinen Blick auf das Dörrgut. Ein-Ausschaltung erfolgt über den Timer, der zuverlässig arbeitet. Eine Leuchtdiode zeigt an, wann die Heizeinheit aktiv ist. Das Gebläse läuft ständig und wirkt wegen der offenen Bauweise sehr laut. Der Stromverbrauch ist erstaunlich gering, wenn das Gerät in normaler Wohnungstemperatur betrieben wird. Für 340 Gramm Birnenchips aus 5mm Birnenscheiben auf 10 Etagen mit einmal Umschichten in 16 Stunden bei 45 Grad verbrauche ich 4 Kilowatt. Auf 7 Etagen sind die Chips mit einmal Umsetzen in 12 Stunden fertig, weshalb ich zum Dörren nur noch mit 7 Etagen arbeite und dazu nach Bedarf noch drei Etagen für Kräuter setze, die nicht umgeschichtet werden.
Fazit: Für Rohköstler, die auf exakte Temperatureinhaltung von max. 40 Grad Wert legen, eher ungeeignet. Bei mehr als drei Etagen kein gleichmäßiges Dörrergebnis. Gezieltes Beladungsmanagement notwendig (feuchtere Ware unten, untere Etagen lockerer bestücken, umschichten während des Dörrvorgangs). Bessere Verarbeitung als bei der aktuellen Einschub-Konkurrenz. Kluge Nutzung von aufsteigender Wärme.