Seit Langem ist erstmals wieder eine größere deutschsprachige Biographie über Sri Aurobindo (1872-1950) erschienen. Schon beim ersten Hineinlesen wird man finden: hier hat sich ein ausgewiesener Kenner von Leben und Werk des großen indischen Yogi ans Schreiben gemacht. Der Integrale Yoga Sri Aurobindos und sein Ernstmachen mit spiritueller Theorie und Praxis - in bewusster und aktiver Verbindung zur Erde - stellen in heutiger Zeit eine Wirklichkeit von kaum zu überschätzender Bedeutung dar. Sieht man doch, wie weltweit die einseitige materielle Ausrichtung der modernen Zivilisation an ihr Ende kommt oder sogar nahezu apokalyptische Katastrophen zeitigt - wie zuletzt im Norden Japans. Der Integrale Yoga eröffnet zugleich jedoch ein geistig so immenses Feld, dass in der Tat sehr gute Orientierungshilfen nötig scheinen, um sich hier zurechtzufinden. - Eine gediegene Biographie Sri Aurobindos wie die vorliegende, aus sicherer, tiefer Vertrautheit mit dem Integralen Yoga verfasst, kann solche Orientierung bieten. In ihr werden nicht nur die äußeren Lebenslinien des Yogi nachgezeichnet - Kindheit und Studium in England, politischer Befreiungskampf in Bengalen, Konzentration auf den Yoga im südindischen Pondicherry, die spirituelle Gefährtin Mirra Alfassa und die Gründung des Ashrams. Vielmehr vermittelt Wilfried Huchzermeyer in seiner Arbeit überraschend direkte Einblicke auch in den Bereich der inneren, yogischen Arbeiten Sri Aurobindos. Hierbei ist dem Autor die Veröffentlichung der Yoga-Tagebücher (Records of Yoga), vor gerade zehn Jahren, entscheidend zur Hilfe gekommen. So z. B. gelingt es Wilfried Huchzermeyer überzeugend, seinen Überblick über die wichtigsten schriftlichen Werke Sri Aurobindos (mehr als 5000 Druckseiten) durch ein nachtastendes Ausloten gleichsam der individuellen yogischen Forschungsarbeit noch tiefer nachvollziehbar zu machen, als es ohne diese Tagebücher möglich gewesen wäre. Überzeugend gleichfalls die Darstellung der enormen Tragweite der spirituellen Zusammenarbeit Sri Aurobindos mit Mirra Alfassa und deren Bedeutung für die Zukunft der Menschheit. Interessieren dürfte hierzulande insbesondere der Anhang über "Sri Aurobindo über Deutschland". Unterstützt wird der reichhaltige, gut lesbare Text des Buches durch Wiedergaben von Photographien zum Leben des indischen Yogi und zur Ausstrahlung seines Lebenswerkes - bis hin zu der Zukunftsstadt Auroville, nahe Pondicherry, 1968 durch Mirra Alfassa gegründet. Das Buch Wilfried Huchzermeyers schließt eine Lücke!