WICHTIG zu Beginn, das Spiel ist in englischer Sprache, hat englischen Untertiteln und ein englischer Menüführung, obwohl es fehlerhafter Weise in "Deutsch" angeboten wird. Etwas versiertere Sprachkenntnisse, die das deutsche Standardschulenglisch übersteigen wären von Vorteil, zumindest, wenn man der Story gut folgen möchte.
The 3rd Birthday ist der dritte Teil der bekannten und beliebten PSX-Reihe "Parasite Eve". Ich selbst habe nur Teil 2 zu Hause und diesen bisher auch noch nicht sehr weit gespielt. Kann diese Titel also nur mehr schlecht als recht miteinander vergleichen. Ein wenig werde ich versuchen (der Fans halber) darauf einzugehen, jedoch nicht viel.
Es ist nicht leicht T3B zu beschreiben. Einerseits ist es ein sehr geradliniges Spiel, andererseits uuunglaublich vielschichtig, zumindest was die Story angeht. Aber teilen wir das Ganze doch mal in die wichtigsten Punkte auf - Gameplay, Grafik, Sound, Story und Erwähnenswertes/Fazit.
GAMEPLAY:
Kurz und bündig gesagt: man läuft herum, fokussieren Gegner an, schießt, schmeißt Granaten, geht hinter Barrikaden in Sicherheit, läd nach und weicht durch akrobatische Sprünge den Angriffen der Gegner aus. Hin und wieder kann man Geschütze oder sogar Hubschrauber bedienen und somit größere Horden, oder sehr starke einzelne Gegner in Beschuss nehmen. Hier und da klettert man über Leitern auf andere Ebenen oder läuft Treppenhäuser und Feuerleitern rauf und runter. Dies alles funktioniert fast perfekt, das Gamplay geht von Anfang an ins Blut, und bietet kaum Punkte, an denen man herummeckern könnte. Ab und zu verliert man schon mal die Orientierung und muss die Kamera mit dem Steuerkreuz nachjustieren, was auch dazu führt, dass man gelegentlich in eine Ecken gedrängt und schwer attackiert wird. Aber auch daraus gibt es immer ein Entkommen, und zwar durch den "Overdive".
Und hier wären wir beim eigentlichen Schmankerl des Spiels. Der "Overdive" ermöglicht es Aya (das ist unsere Heldin) mit ihrer Seele von einem Körper in den andere zu "diven". Hat ein Soldat oder Zivilist ausgesorgt und liegt röchelnd am Boden, hat man einige Sekunden Zeit sich in quasi Zeitlupe einen neuen "Wirt" auszusuchen. Dies kann man beliebig oft und wann man möchte machen, solange sich nur genügend Personen in der Nähe befinden. Somit wechseln auch eure Sekundärwaffen und es wird einem ermöglicht aus gefährlichen Situationen zu entkommen oder das Kampffeld aus einer anderen Sicht in Angriff zu nehmen und die Gegner gegebenenfalls als Pilot, Sniper oder Kanonier zu traktieren. Dies mach sehr viel Spaß und ist, wie schon gesagt, der Aufhänger des Spiels, auf dem auch die gesamte Story aufbaut (unten mehr dazu). Darüber hinaus gibt es auch zwei Arten von Spezialattacken, das Töten per "Overdive Kill" (in den gegnerischen Körper eindringen und diesen zum Platzen bringen) und "Liberation" (nach Aufladen eines Balkens durch kontinuierliche Angriffe auf Gegner hat man die Möglichkeit sehr starke Angriffe gefolgt von blitzschnellen Ausweichmanövern an den Tag zu bringen). Das Gamplay funktioniert also, macht Spaß und bietet kaum erwähnenswerte Mängel.
GRAFIK:
Die Optik des Spiels ist großartig. Wunderschöne Sequenzen, in denen sich die Haare und z.B. der Pelzkragen Ayas in Wind und Bewegung hin- und herbewegen. Knackige Texturen, schöne Lichteffekte und allem voran eine tolle Mimik lassen T3B strahlen und bringen Story und Geschehen glaubwürdig herüber. Wäre dieses Spiel damals auf der PS2 erschienen, wäre es sicher eines der Grafisch stärksten gewesen. Ganz einfach eine Augenweide - nicht zuletzt durch unsere sexy Heldin (hier sollte auch erwähnt werden, das Aya mehr und mehr an Kleidung verliert je öfter sie beschossen wird und dem Spieler nette Einblicke auf bestimmte Körperteile gewährt). Fanservice nicht zu knapp! :)
SOUND:
Mit dem Sound und vor Allem der Musik verhält es sich wie mit der Grafik. Alles klingt Gut, die Synchronstimmen sind überzeugend und sehr passend zu den Protagonisten gewählt. Die Musik ist auch auffällig gut komponiert. Mir passten die Stücke jedoch nicht immer ideal zum Geschehen, wirkten hier und da ein wenig zu überladen und poppig. Doch gute Musik hat das Spiel alle Mal und wird wohl nur am individuellen Geschmack des Spielers negativ anecken.
STORY:
Hier wären wir beim Thema, dass mir bei T3B bitter aufstößt. Nein, die Story ist weder schlecht, noch blöd oder vorhersehbar. Eher im Gegenteil, komplex und verwirrend. Bis zum Ende wird man im Halbdunkeln gelassen, was denn nun genau den Krieg zwischen Menschen und den "Twisted" ausgelöst hat, woher sie kommen und (ganz wichtig) was Aya und ihr Gedächtnisverlust mit all dem zu tun haben. Ich war bei manchen Szenen kopfschüttelnd und stirnrunzelnd dagesessen und habe mich über meine eigene Blödheit, oder eher Unverständnis, geärgert. Wenn ich kurz den Kern der Story beschreiben darf, wird man vielleicht verstehen, was ich meine.
Aya hat (wie schon oben erwähnt) die Fähigkeit von Körper zu Körper zu tauchen und diese zu ihren Zwecken und dem ihrer Missionen zu verwenden. Dies geschieht nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Vergangenheit. Soweit so gut, doch hier wird es mit zunehmend voranschreitender Story etwas unüberschaubar. Gerade noch war man hier, plötzlich ist man wo anders, derjenige starb gestern, lebt aber heute wieder, weil man ihn per Zeitreise das Leben gerettet hat. Und es geht weiter, Tote tauchen wieder als Gegner oder Projektionen ihrer Seelen auf, werwirren einen und verschwinden wieder. Viel zu viel wird als allgemein verständlich gesehen und einfach so nebenbei erwähnt. Helfer werden zu Verrätern und umgekehrt, wurden von den Twisted manipuliert oder quatschen den Spieler mit ihren unverständlichen Beweggründen zu. So geht es über die ersten drei von (ich glaube) fünf Kapiteln, bis man zum Ende hin laaangsam verständlichere Storyfetzen in den Schoß geworfen bekommt und Ayas Albträume endlich klarer wirken. Alles fügt sich zu guter Letzt zusammen und bildet ein angenehmes (und teilweise sogar verständliches) Gesamtbild. Es bleibt jedoch viel übrig, was einem komisch vorkommt, man nach dem zweiten Spieldurchlauf immer noch nicht versteht oder es einfach nur (schlicht gesagt) dämlich ist. Die Autoren haben sich sichtlich viel Mühe gegeben dem Spiel Tiefe zu geben, haben sich meiner Meinung nach aber etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt. Vielleicht liegt es aber auch an der asiatischen Erzählweise, dass man als Spieler etwas andere Kost gewohnt wird. Man muss kein Genie sein, um die Hingergründe und die Geschichte zu verstehen, doch ist es beim Spielen doch anstrengend etwas derartiges serviert zu bekommen und muss dies erst einmal verdauen.
ERWÄHNENSWERTES & FAZIT:
Ein technisch sehr gelungenes Spiel, das optisch wie klanglich zu überzeugen weiß. Mit etwas unüberschauberer Storyline und einem hammerharten Schwierigkeitsgrad (und ich bin Hardcorezocker!!!). Viel zu oft fehlt einem Munition, Deckung und Lebensenergie, so dass man gezwungen ist schwierige Stellen wieder und wieder durchzuspielen - Frust vorprogramiert. Angenehmerweise wird T3B ab dem zweiten Durchgang zunehmen eingängiger. Man hat Aya samt Arsenal aufgerüstet, das Gameplay geht leicher von der Hand und auch die Lücken in Geschichte und Szenerie werden größtenteils geflickt. Und es gibt einiges an Extras freizuspielen (sexy Outfits, Spezialwaffen, Schwierigkeitsmodi etc.), also alles, was ein gutes Spiel zur Befriedigung seines Spielers benötigt.
Noch eine Kleinigkeit zum Schluss. Die Atmosphäre tangiert die der alten PSX-Klassiker wohl eher peripher. Denn wo ich persönlich ein etwas düstereres und vielleicht in Ansätzen gruseliges Szenario, wie das in Parasite Eve II, erwartet habe, bekam ich ein (passend zur Musik) eher poppig-farbiges Geballer präsentiert. Kein Grund als Fan die Finger davon zu lassen, aber darauf einstellen sollte man sich doch etwas um nicht zu sehr enttäuscht zu werden.
Ich hoffe, meine Rezension war für euch halbwegs hilfreich und konnte euch ein gutes Bild von The 3rd Birthday bieten.