’95, ’96, ’97, 2011 – Nein, das ist kein neuer Titel der Sportfreunde Stiller, sondern das sind die Eckdaten von Tactics Ogre. 1995 ist das RPG in Japan für das Super Famicom erschienen, um ein Jahr später, diesmal mit einer Sprachausgabe, auf dem SEGA Saturn veröffentlicht zu werden. 1997 durften sich auch englischsprechende Spieler über eine Version für die PlayStation freuen. Nun, vierzehn Jahre später, erscheint Tactics Ogre auch für die PSP. Fast schon selbstverständlich ist es, dass das “neue” Tactics Ogre einige Veränderungen mitbringt. Die erste wird bereits am Namen des Games deutlich: Tactics Ogre heißt nicht mehr einfach nur Tactics Ogre, das Spiel hat hier in Europa – und auch in Nordamerika – noch den Zusatz “Let Us Cling Together” bekommen. In Japan heißt die Neuerscheinung dagegen Tactics Ogre: Wheel Of Fate. Was kann man von dem insgesamt siebten Teil der Ogre-Battle-Saga und Vorreiter der Final Fantasy Tactics erwarten? Lest es hier nach!
Jetzt gehts los… oder?
Dunkle Ritter haben einst die Stadt Golyat im Lande Valeria dem Erdboden gleich gemacht und dabei fast keine Menschenseele am Leben gelassen. Einer dieser dunklen Ritter ist Lanselot. Als das Gerücht herumgeht, Lanselot solle an den Ort der Verwüstung zurückkehren und erneut zuschlagen, beschließen unser Held – dem ihr einen beliebigen Namen geben könnt – zusammen mit seiner Schwester Catiua und seinem Freund Vyce, einen Überraschungsangriff. Als dann Lanselot mit seinem Gefolge tatsächlich erscheint, herrscht bei den drei Charakteren leichte Verwirrung. Der erschienene Ritter heißt zwar Lanselot, jedoch ist es nicht der Lanselot, den sie erwartet haben. Es stellt sich vielmehr heraus, dass es sich bei diesem Ritter und seinen Freunden um Söldner handelt, die auf der Suche nach Arbeit sind.
Die erste Aufgabe lässt auch nicht lange auf sich warten, denn die Ritter können uns gleich mal helfen, den von unseren Feinden gefangen gehaltenen Herzog Ronwey zu befreien.
Das Gute für uns Spieler dabei ist, dass wir nun endlich auch mal – im wahrsten Sinne des Wortes – zum Zug kommen, nachdem wir uns bis dahin durch ziemlich lange Dialoge, die wir lediglich in Form von englischen Untertiteln verfolgen können, durchgekämpft haben.
So richtig los geht es aber auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die beiden Kämpfe, die absolviert werden müssen, stellen das Tutorial dar, bei dem uns unsre neuen berittenen Freunde viel erklären, was für diejenigen, die der englischen Sprache nicht allzu mächtig sind, oft nicht sofort verständlich ist. Anders als im weiteren Verlauf steuert ihr in den besagten beiden Kämpfen auch nur euch selber, während eure Verbündeten computergesteuert werden. So kann es euch hier durchaus passieren, dass ihr es gerade einmal schafft, euch zweimal zu bewegen, weil eure Kameraden eure Gegner ruck zuck besiegt haben.
Erst nachdem der Herzog gerettet ist – bis dahin kann schon fast eine Stunde vergehen, ohne dass ihr selber so richtig ins Geschehen eingegriffen, dafür aber viel (zu viel) gelesen habt -, kann das Abenteuer beginnen.
Außerhalb des Kampfes
In Tactics Ogre bewegt ihr euch über eine Weltkarte zu den verschiedenen Orten. Euer Team könnt ihr hierbei beliebig zusammenstellen. Dabei gibt jeder Ort vor, mit wie vielen Leuten ihr insgesamt an der entsprechenden Schlacht teilnehmen könnt. Maximal können dies zwölf sein. Eure Partner, die ihr zum Beispiel in Geschäften anheuern könnt, lassen sich in verschiedene Klassen einteilen, wobei ihr eure Freunde auch in andere Klassen einsetzen könnt, ihr aber beachten müsst, dass diese dann in der neuen Klasse nicht mehr so stark sind wie in der alten und sich da auch erst mal hocharbeiten müssen. Nach einem erfolgreichen Kampf werden die Erfahrungspunkte gleichmäßig auf die Klassen verteilt, die mindestens einen Vertreter in der Schlacht gestellt haben. So wird einem die Entscheidung, wie man die gewonnenen Punkte auf wen verteilt, abgenommen.
Darüberhinaus erhält jeder Charakter am Ende eines Kampfes Skillpunkte, die für das Freischalten bestimmter Fertigkeiten eingesetzt werden können. Die Fähigkeiten lassen sich dabei miteinander kombinieren, so dass man seine Figuren nach Belieben modifizieren kann.
Die entsprechende Ausrüstung für eure Kämpfer findet ihr im Kampf und selbstverständlich auch in den diversen Geschäften, wobei hier natürlich zum Beispiel darauf geachtet werden muss, welche Klasse mit welchen Waffen und Gegenständen bedient werden kann.
Und wie wird nun gekämpft?
Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab, wobei die Geschwindigkeit entscheidet, wer wann zum Zug kommt. Jeder Zug besteht dabei aus einer Bewegung und – neben den üblichen Möglichkeiten des “Sich-auf-dem-Schlachtfeld-Umsehens” – einer Aktion, wobei die Aktion auch zuerst ausgeführt werden kann. Bewegen kann sich die einzelne Figur nur in einem bestimmten Radius, wobei das besondere an Tactics Ogre ist, dass es verschieden hohe Ebenen gibt, die auch Auswirkungen auf die Angriffe haben. Tiefere Plattformen sind hierbei leichter zu erreichen als höhere. Als Aktionen stehen euch Nah- und Fernangriffe, der Einsatz von Magie oder das Benutzen von Gegenständen zur Verfügung. Zum Abschluss müsst ihr eure Figur noch zu einer Seite hin ausrichten. Hierbei gilt: Treffer von hinten haben größere Auswirkungen als Frontalangriffe.
Ich kenne meine Pappenheimer
Wichtig bei Tactics Ogre ist es, seine Figuren genau zu kennen. Es ist nicht immer gleich ersichtlich bzw. manchmal, in bestimmten Momenten auch überhaupt nicht feststellbar, welche Figur zu welcher Klasse gehört. Diese Tatsache macht erstens das Kämpfen schwerer und langwieriger, weil man sich öfter immer nochmal vergewissern muss, ob man jetzt auch den richtigen Charakter bewegt, weil man zum Beispiel einen Fernangriff mit einem Bogenschützen durchführen will, sie macht aber auch das Ausrüsten der einzelnen Figuren komplizierter, weil man hier oft zwischen Shop und Party-Menü wechseln muss, um zu sehen, wer welcher Klasse angehört und damit welchen Gegenstand nutzen kann.
Einige Besonderheiten
Drei Besonderheiten wollen wir für euch auch noch kurz anreißen.
Da wäre zum einen eine Tarot-Karot, die ihr ziemlich gleich nach dem Tutorial erhaltet. Diese ermöglicht es euch, die letzten 50 Aktionen in einem Kampf rückgängig zu machen. Ihr habt somit die Möglichkeit, an einen bestimmten Punkt in der Schlacht zurück zu gehen und anders zu agieren, ohne, dass ihr die komplette Schlacht von neuem beginnen müsst. Misslungene Aktionen lassen sich somit bereinigen.
Im Warren Report könnt ihr nachlesen, was bisher passiert ist und auch bis dato gewesene Sequenzen lassen sich nochmals anschauen. Ihr erhaltet Informationen über die einzelnen Charaktere und sowie Infos zur Hintergrundgeschichte, die ihr im Spiel selber nicht erfahrt.
Diejenigen von euch, die nicht immer scharf darauf sind, zwölf Leute bei jedem ihrer Züge herumzukommandieren oder nicht immer überlegen wollen, welche Aktion nun die sinnvollste wäre, haben die Möglichkeit, den Teammitgliedern Rollen zuzuweisen, die dann von der KI übernommen werden. Empfindet ihr das Verhalten der KI als gut, ist alles wunderbar. Wenn nicht, könnt ihr natürlich jederzeit auch wieder selbst das Heft in die Hand nehmen.
Fazit
Tactics Ogre: Let Us Cling Together bietet dem Spieler sehr viele Möglichkeiten. Auf der einen Seite ist das natürlich sehr positiv, auf der anderen geht dabei auch einiges an Zeit drauf. Okay, man kann dann wiederum sagen, dass man so viel von dem Spiel hat und es nicht innerhalb kurzer Zeit durchgespielt hat. Insgesamt betrachtet haben wir es hier mit einem sehr guten, in einfacher aber hübscher Grafik gehaltenem Rollenspiel für die PSP zu tun, das, wenn man die englischen Dialoge versteht, seine Figuren kennt und damit die zeitliche Dauer in gewissen Sitautionen etwas einschränken kann, großen Spaß macht.