Zu Beginn möchte ich mitteilen, dass der dreizehnte Teil der beliebtesten Hauptserie von Square Enix auch der erste Titel war, den ich direkt zum Veröffentlichungsdatum gespielt habe. Zuvor habe ich ebenfalls Final Fantasy VII gespielt, jedoch erst knapp zwölf Jahre nach der Veröffentlichung. Der siebte Teil konnte mich aufgrund seiner mittlerweile altbackenen Präsentation zwar nicht übermäßig beeindrucken, jedoch gefielen mir die lieblichen Charaktere, das Kampfsystem und die Geschichte dennoch ziemlich gut.
Final Fantasy XIII handelt von der Protagonistin "Lightning", die sich gegen ihr Schicksal und gleichzeitig gegen das strenge Regime von Cocoon stellt. Im Laufe der Geschichte begegnet die rebellische und ehemalige, aufstrebende Soldatin der Schutzgarde anderen Persönlichkeiten, die ebenfalls Widerstand gegen das Handeln der Regierung (Sanktum) von Cocoon mehr oder weniger zwanghaft leisten müssen, da sie ebenfalls von den Umständlichkeiten betroffen sind. Die Kombination aus unterschiedlichen Charakteren wird bald zum Jagen druch den Primarchen des Sanktums frei gegeben, sodass nicht nur die vielfältigen Charaktereigenschaften der einzelnen Protagonisten bei der Flucht für Zoff miteinander sorgen, sondern auch emotionale Bindungen untereinander geknüpft werden. Das Ganze wird so emotional und bombastisch inszeniert, dass es bis zum Finale spannend bleibt und der Spieler durch die aufwendig programmierten CGI-Sequenzen mehrfach in begeistertes Schwärmen kommt.
Das Kampfsystem des Spiel basiert grundsätzlich auf dem bekannten "Active-Time-Battle-System" (ATB). Dabei muss man im Gegensatz zu anderen Teilen der Hauptserie nicht mehr so lange warten, bis die gesamte ATB-Leiste des gesteuerten Charakters automatisch gefüllt wird. Die ATB-Leiste ist in mehrere Teile gegliedert, sodass bereits z.B. eine gefüllte Leiste der vorhandenen drei Leisten zum Angriff benutzt werden kann. Je nach Stärke und Vielfältigkeit des Angriffs müssen mehrere Balkenleisten benutzt werden. Eine weitere Ergänzung ist der umstrittene "Paradigma-Wechsel". Durch dieses System ist es dem Spieler erlaubt, verschiedene Klassen (z.B. Heiler, Brecher) während des Kampfes für den selbst gesteuerten Charakter und für die anderen zwei kämpfenden Charaktere anzunehmen. Die sechs verschiedenen Klassen besitzen alle unterschiedliche Attribute, die strategisch unterschiedlich benutzt und mit den jeweiligen Stärken und Schwächen der Charaktere kombiniert werden müssen, um einen erfolgreichen Sieg davon zu tragen. Jeder Charakter besitzt dabei spezifische Stärken und Schwächen in den verschiedenen Rollenklassen. Dieses Kampfelement präsentiert das fundamentale Prinzip in den Kämpfen von Final Fantasy XIII. In den Kämpfen selbst steuert man im Kontrast zu den bisherigen Teilen nur noch eine Person. Die anderen beiden Bestreiter werden von einer sehr guten KI automatisch gesteuert. Im Hinblick auf das rasantere und action-lastigere Kampfsystem ist diese Veränderung in meinen Augen als positiv zu betrachten, da die Kämpfe im sonst ohnehin schon teilweise vorkommenden Chaos noch mehr versinken würden. Zu Beginn des Spiels gewinnt man die Kämpfe ohne Strategie und mit munterem Tastendrücken. Später jedoch wird der Spieler zu mehr strategischem Denken und effektivem Einsetzen der Paradigmen gezwungen, da er sonst kaum Chancen hat, einen Kampf zu gewinnen. Jeder Charakter besitzt zusätzlich einen individuellen Esper (früher Bestie genannt), der im Kampf miteingebunden und selbst gesteuert werden kann. Die ersten Erscheinungen der Espere (Mehrzahl?) spielen in der Handlung eine wichtige Rolle und stehen mit der emotionalen Lage der Charaktere und dem zukünftigen Handeln in Verbindung. Was ebenfalls neu ist, ist die Tatsache, dass jeder Charakter nach dem Ende eines Kampfes automatisch geheilt wird und der Spieler so nicht gezwungen wird, den Spielfluss durch den Einsatz von Heiltränken zu verlangsamen. Auch diese Eigenschaft empfinde ich als positiv und keinesfalls negativ.
Das Aufleveln bedient sich hauptsächlich an den Elementen von Final Fantasy X. Beim dreizehnten Teil der Saga wird ein Skillsystem im Stile des Sphärbretts benutzt, bei dem neue Fertigkeiten und Attribute (z.B. mehr Lebensenergie) durch Kristallpunkte erworben werden können. Die benötigten Kristallpunkte gewinnt jeder Charakter, der an einem Kampf erfolgreich teilgenommen hat. Auch die Waffen und Accessoires kann man "aufleveln" und in völlig neue Gegenstände umfunktionieren lassen.
Das Gameplay ist während des gesamten Spiels als monoton zu bezeichnen, da man sehr oft kämpfen muss und auch sonst keine Freiheiten im Laufe des Spiels genießen kann. Das Leveldesign ist sehr oft "schlauchartig" konstruiert worden, sodass man nur die Möglichkeit hat, geradeaus zu laufen und die Umgebung nicht ausgiebig erkunden zu können. Dieses Prinzip zeigt einen großen Kontrast zu den meisten älteren Teilen der Serie, sodass ich hartgesonnene Final Fantasy Spieler in diesem Punkt verstehen kann. Trotzdem gibt es Ausnahmen (wie z.B. auf Grand Pulse), die einen die schöne Umgebung des Spiels erkunden lassen und angesichts der handlungsbedingten Flucht ist es für mich logisch und nicht unbedingt langweilig, einem "vorgefertigtem" Weg zu folgen. Die tolle Grafik, musikalische Untermalung sowie das mehr als gelungene Kampfsystem lassen einen diese Eingeschränktheit vergessen. Zudem sorgt die Geschichte keinesfalls für Langeweile, sondern lockert mit gelungenen Cutscenes das Spielgeschehen meiner Meinung nach auf und motiviert den Spieler, die nächsten Spielabschnitte mitzuerleben. Außerdem hat man gegen Ende des Spiels die Möglichkeit, Nebenaufgaben zu erfüllen und die Umgebung weitesgehend zu erkunden.
Die Musik von Final Fantasy XIII hat mich begeistert. Schon Wochen vor der Veröffentlichung haben mich die Themen der Mustikstücke (insbesondere während der Kämpfe) begeistert. Die Klänge sind größtenteils an die Klassik angelehnt. Des Weiteren gibt es Einflüsse aus dem Electro-Genre und bisheriger Final Fantasy Teile. Die Musikstücke wurden professionell von Orchester und Chor aufgenommen und sind dementsprechend auch von der Qualität her auf einem sehr hohen Niveau. Das Spielgeschehen wird durch die sowieso schon tolle Grafik ebenfalls mindestens genau so stark durch die Arbeit des Komponisten Masashi Hamauzus atmosphärisch und emotional unterstützt, sodass man noch tiefer die Gefühlslage der Protagonisten spüren kann. Dass das traditionelle "Victory fanfare", welches durchgehend in den anderen Teilen der Hauptserie nach jedem Kampf zu hören war, durch ein anderes Stück ersetzt wurde, finde ich unnötig aber auch nicht sonderlich schlimm.
Wie bereits mehrfach erwähnt, ist die Präsentation von Final Fantasy XIII umwerfend. Die Grafik ist durchgängig wunderschön und die toll aussehenden CGI-Sequenzen präsentieren sich in 1080p. Ob und in wieweit die Grafik unter der Portierung der Xbox-Variante zu leiden hatte, will ich gar nicht debattieren, denn sie ist überzeugend, so wie sie ist.
Ich habe Final Fantasy XIII schon seit seiner Ankündigung bei der E3 im Jahr 2006 sehnlichst erwartet. Dementsprechend hat sich auch ein unglaublicher Hype in mir um das Spiel aufgebaut und diesem wurde das Spiel auch gerecht. Da ich die "Verluste" und die "Umstrukturierung" des Spiels verglichen mit älteren Teilen der Saga nicht als gravierend empfinde und die Geschichte, das Kampfsystem sowie die Musik, die Monotonie und Linearität aufheben und gänzlich vergessen machen, kann ich dieses Meisterwerk nur empfehlen!
PS: Die UK Version unterstützt ebenfalls deutsche Untertitel und ist somit inhaltlich identisch mit der deutschen Version (Es fehlt jedoch "leider" das USK Logo :P)