Ex-CIA-Agent Tom Bishop (Brad Pitt) gerät bei dem misslungenen Versuch seine Geliebte Elizabeth Hadley (Cathrine McCormack) aus einem chinesischen Gefängnis zu befreien in Gefangenschaft. Er wird gefoltert und soll am nächsten Morgen um sechs hingerichtet werden. Der Vorfall ereignet sich zu ungünstiger Stunde, steht doch der Besuch des chinesischen Präsidenten in den USA bevor, mit dem über intensivere Handelsbeziehungen verhandelt werden soll.
Nathan Muir (Robert Redford) ist auf den ersten Blick ein sympathischer Bursche. Auf den zweiten Blick ist er ein mit allen Wassern gewaschener CIA-Agent der über Leichen geht wenn es den nationalen Interessen dient. Was aber sagt der dritte Blick? Tom war Muirs Schützling. Er hatte ihn vor Jahren, während des Vietnam-Kriegs, angeworben und ausgebildet. Die CIA-Leitung, die längst beschlossen hat Tom zu opfern, lädt Muir vor um ihn nach seiner Einschätzung der Lage zu befragen und um Informationen über Bishop einzuholen. Aber sie trauen ihm nicht. Völlig zu recht, wie sich zeigen soll. Denn während er ihnen, und in opulenten Rückblenden auch uns, Tom Bishops Geschichte erzählt improvisiert er einen raffinierten Plan um Tom aus der Gefangenschaft zu befreien. Und nicht nur, dass Tom um sechs Uhr morgens exekutiert werden soll, es ist auch Muirs letzter Arbeitstag vor der Pensionierung. Er muss sich also sputen...
Tony Scott ("The Hunger", "Top Gun", "Man under Fire"...) ist der kleine Bruder des großen Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner", "Gladiator"...) mit dem er gemeinsam die Schepperton Studios in England und die Produktionsfirma Scott Free betreibt. Und wie sein Bruder begann auch er seine Karriere als Werbefilmer. Hieraus resultiert denn wohl auch seine, meines Erachtens, größte Schwäche, denn es ist zwar unverkennbar, dass er ein begnadeter Handwerker ist, jedoch ersticken viele seiner Filme unter einer allzu wohlfeilen Oberfläche aus hochglanzästhetischen Bildern, rasanten, allzu effekthascherischen Schnitten und protzig weit ausholenden Kameraschwenks, die nicht selten die Handlung in Vergessenheit geraten lässt. Auch dieser Film leidet etwas darunter, wenngleich es weitaus ärgerlichere Beispiele gibt (z.B. "Man under Fire").
"Spy Game" ist eine penibel ausgetüftelte, hoch spannende Charade über die Machtspielchen der US-Geheimdienste. Und er verschont uns wohltuend mit patriotischem Geplänkel. Ja, er zeichnet gar kein vorteilhaftes Bild der CIA, die er als von intriganten Bürokraten bevölkerte Firma darstellt; quasi Stromberg im Dienste des Vaterlandes. Stattdessen konzentriert sich der Film weitgehend auf den Aspekt der Menschlichkeit innerhalb des kalten Kalküls der Geheimdienstmaschinerie. Brad Pitt spielt die Rolle des grundehrlichen Sonnyboys der in die schmutzigen Klauen der CIA gerät äußerst charismatisch und überzeugend. Der Star des Films ist aber Robert Redford, der den doppelbödigen Ränkeschmied Muir mit einer Verve spielt die ihresgleichen sucht. Auch Cathrine McCormack (>Braveheart<) macht ihren Job sehr ordentlich, ebenso alle anderen Beteiligten.
Die Musik zum Film ist von Harry Gregson-Williams ("Kingdom of Heaven"...), pusht effektiv die Spannung des Films und folgt vollendet Scotts melodramatischer Überhöhung. Auch hier ein Tick zu viel Attitüde (
Spy Game - Der finale Countdown (Spy Game) von Harry Gregson-Williams).
Bild und Ton (Deutsch und Englisch) der DVD aus der TV-Movie-Edition sind sehr gut. Als Extras gibt es nur textliche Filmografien und Produktionsnotizen. Der Silberling kommt, wie bei dieser Edition üblich, in einen pappenen, sogenannten Digipack gewickelt daher.
Insgesamt schrammt der Film bei mir ganz knapp an den fünf Sternen vorbei, aber das ist, wie immer, völlig subjektiv.