"Der Anblick verschlug die Sprache, ließ sie starr Aufderstelle stehn. Kaum vermochten sie sich zu orientieren: sämtliche Häuser des Ortes verschwundenoder zu Schutthaufen zermalmt, vertraute Straßenzüge, Gärten, Bäume fort. Als hätten Prügektrupps einem menschen alle Zähne herausgeschlagen, starrte sie die Unkenntlichhkeit des Heimatdorfes an."
(Reinhard Jirgel in seinem Roman "
Die Stille")
Nach "
Urangeheimnisse. Das Erzgebirge im Brennpunkt der Weltpolitik 1933-1960" und "
Uran für Moskau. Die Wismut - Eine populäre Geschichte" von Rainer Karlsch und Zbynek Zeman ist das im März 2010 in seiner Erstauflage erschienene "Spurlos verschwunden" bereits das dritte Buch zu einem heiklen Kapitel in der Geschichte der einstigen "Sowjetisch besetzten Zone" und späteren "Deutschen Demokratischen Republik". Die freie Autorin und Journalistin Annerose Kircher hat nicht nur die heute verschwundenen Orte und zahlreiche Staats-, Bundes-, Kreis- und Stadtarchive aufgesucht, sondern auch instensive Gespräche mit einer Vielzahl von Zeitzeugen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, geführt.....
.....das Ergebnis ist eine zeitgeschichtliche Dokumentation, die in sechs Kapiteln unter den Überschriften "Pechblende und Meerrettich" (Sorge), "Kirschbude und Arbeiterstreik" (Katzendorf), "Kuhgespann und Absetzerhalde"(Lichtenberg), "Feuerwehr und Geigerzähler" (Schmirchau), "Sommerfrische und Haldenrutsch" (Gessen) und "Wasserschloss und Schlammteich" (Culmitzsch) die ergreifenden Schicksale von Menschen schildert, die dem unter höchster Priorität und Geheimhaltung betriebenen Abbau von Uranerz für die Atomwaffen des "Großen Sozialitischen Bruder" Sowjetunion im Wege standen. Im ersten deutschen "Arbeiter- und Bauernstaat" hatten die Dorfbewohner keinerlei Chancen oder juristische Möglichkeiten zum Protest oder Widerstand. Neben dem Verlust ihrer Heimatdörfer und Wohnstätten mussten sie sich der staatlich verordneten Zwangsumsiedlung beugen. Historische Schwarzweissaufnahmen und Postkarten visualisieren die einstigen Dörfer, ihre gewaltsame Auslöschung und Blicke auf sogenannte "Bergbaufolgelandschaften" und einstige Ortslagen. So zeigt bereits das Buchcover eine Sprengung im Tagebau bei der Ortschaft Culmitzsch. Eine "Kirche ohne Dorf" steht im einstigen Sorge-Settendorf (Seite 8).....
.....neben dem Uranabbau fielen in Thüringen derartigen, staatlichen "Zwangswüstungen" auch Dutzende von Dörfern an der ehemaligen "Innerdeutschen Grenze" zum Opfer. Beim Besuch der Gedenkstätte Billmuthausen im Frühjahr 2008 konnte timediver® das deprimierende Ergebnis einer "Wüstung" in Augenschein nehmen.
Eine Karte der südöstlichen Umgebung der Stadt Gera lokalisiert die beschriebenen Orte (S. 6). Einem Anhang ist neben den aufgesuchten Archiven und Museen auch ein Literatur- und Quellenverzeichnis zu entnehmen, zu dem auch die eingangs erwähnten Bücher gehören. Dazu gibt es noch Film- und DVD-Tipps, ein Abbildungsnachweis und Angaben zur Autorin.
5 Amazonsterne für eine packende Spurensuche und -sicherung eines weniger bekannten, bzw. in Vergessenheit zu geratenen Kapitels deutscher Geschichte.