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Neben vielen anderen Textstellen, die an dieser Stelle ebenso würdig wären zitiert zu werden, hat mich diese am meisten berührt. Piccard führt den Leser auf den vorhergegangenen 230 Seiten zu dieser Essenz. Eine Essenz, die er aus den Erlebnissen seines bisherigen Lebens gezogen hat.
Das Buch erinnert mich sehr an eine Biografie, die Biografie eines Mannes, der im Leben diverse Höhen und Tiefen erlebt hat - sowohl als Flieger und Ballonfahrer als auch als Mensch. Wir lernen Bertrand als kleinen Jungen in Amerika kennen, erfahren wie er auf der Suche nach Abenteuer gepackt wird vom Drachen fliegen und hier recht bald große Erfolge erzielt. Wie er mit seinem Ultraleichtflugzeug nicht nur über Monaco und dem Poseidontempel in Griechenland seine Kreise zieht sondern ebenso erstaunliche Eindrücke über den Malediven im indischen Ozean beschreibt. Die Bilder, die Piccard in Worte fasst, erscheinen vor dem inneren Auge des Lesers und führen ihn weg in paradiesische Gefilde. Doch so neidisch man auf diese Erlebnisse sein kann, auch sie haben ihre Schattenseiten, die vielleicht, weil die Erlebnisse so berauschend schön, umso schmerzvoller sind. Und auch diese hält uns Piccard nicht vor. Haben doch vielleicht gerade diese, ihn in seinem Leben auch entscheident geprägt und lehrreiche Impulse gebracht.
Es verwundert nicht, dass dieses Buch keine reine Beschreibung seiner Flugabenteuer ist, sondern erheblich mehr. Verwoben in die Erlebnisse sind Gedanken und Erkenntnisse über das Leben selbst und über uns Menschen, die wir immer wieder versuchen das Leben zu meistern, indem wir es mit wahnsinniger Kraftanstrengung kontrollieren wollen. Man merkt, dass Piccard nicht nur Pilot ist, sondern ebenso Psychiater und Philosoph und viele seiner sorgsam eingewobenen Gleichnisse haben mich tief bewegt. Dabei bleiben sie doch gleichzeitig so allgemeingültig, dass sie jeden Leser ganz individuell ansprechen werden und somit jeder für sich seine persönlichen Erfahrungen darin wiederfinden wird.
Piccard's Fliegerkarriere erlebt wohl die drastischste Veränderung nachdem er beschlossen hat, diese aufzugeben. Durch Zufall? wird er gefragt, ob er nicht an einem der größten Ballonrennen der Welt - der Überquerung des Atlantiks - teilnehmen möchte. Aus dieser Erfahrung, die er hochspannend und ausführlich auf 64 Seiten schildert, und dem damit verbundenen Sieg, wird die Idee der Erdumrundung im Ballon geboren. Auch hier geht es dann nicht ohne Schwierigkeiten, die er uns auf den folgenden Seiten auch nicht verschweigt, ja mit denen er vielleicht sogar wächst, um bei seinem dritten und letzten Anlauf, dieses Abenteuer letztendlich als erster auf der Welt gemeinsam mit Brian Jones zu bestehen.
All denen, die eine reine Sachschilderung der Flugkünste, ob mit Drachen, Ultraleicht oder Ballon, erwarten, sei abgeraten dieses Buch zu lesen. All denen, die sich mit dem Leben an sich auseinandersetzen, die Abenteuer mögen und fasziniert davon sind, welche Auswirkungen Abenteuer auf die menschliche Psyche haben, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ein faszinierendes Buch, das uns ans uns selbst heranführen kann und uns zeigt, was tiefe Sehnsucht bewegen kann.
„Seit diesem Augenblick akzeptierte ich es, keine Antworten zu finden, ich akzeptiere es, im Zweifel zu verharren und das Unbekannte von meinem Innern Besitz ergreifen zu lassen. So geht es mir nun plötzlich sogar besser ohne Sicherheiten! In diesem Zustand ist es leicht, einer Spur am Himmel zu folgen, auch wenn ich überhaupt nicht weiß, wohin sie mich führen wird. Das große Fragezeichen, das so drohend vor mir stand, eröffnet mir nun kurioserweise ungeahnte Horizonte."
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