Wer sich Gedanken über die aktuelle Wirtschaftssituation, den Zustand des Weltklimas und die Finanzkrise macht, sollte zu diesem Buch von Alexander Buschenreiter greifen. Hier wird die Leserin, der Leser Antworten und Bestätigung finden, will man die Lage der Welt aus der spirituellen Perspektive betrachten.
Die Sammlung hervorragender und bedeutender Aussagen von indigenen Eingeborenen Nordamerikas eröffnen einen Blick auf die Menschheit, der zerstört und ermutigt zugleich. Zerstört wird das eigene Weltbild, das westliche Denken und man wird nachdenklich ob der Handlungen, die der "Weiße Mann" auf diesem Planeten setzt und gesetzt hat. Denn die oft sehr simplen aber trotzdem tiefgründigen Statements von so beeindruckenden Menschen wie Yet Si Blue oder Thomas Banyacya sind ob jeden Zweifel erhaben: Die westliche Kultur, die Kultur des Weißen Mannes hat die spirituelle Verbindung zum Leben, zu Mutter Erde völlig verloren. Die Texte in "Spuren des Großen Geistes" eröffnen uns wieder den Weg zu diesen Verbindungen.
Was dieses Buch so ansprechend macht, ist der Umstand, dass es sich hier nicht um Aussagen einer "Wohlfühlesoterik" handelt, die den "edlen Wilden" im Sujet eines Kunstdrucks (mit Lederbekleidung in stilisierter Naturumgebung und von Krafttieren umringt) darstellt. Nein, die Kommuniqués sind politische Statements der Elders (Ältesten) und Leader (spirituellen Führer), die auf die Gefahren der westlichen Lebensweise hinweisen. Gefahren wie jene, dass wir drauf und dran sind, das Leben auf diesem Planeten völlig zu zerstören. Der Autor ist Journalist. "Spuren des Großen Geistes" liefert Fakten, objektiv und einfühlsam, fernab von New Age-Kitsch.
Der Inhalt der Lektüre sollte zu denken geben und zum Handeln motivieren. Denn wir haben als menschliche Zivilisation Rechte und Verflichtungen gegenüber Mutter Erde: Die Weltsicht der Ureinwohner soll mit anderen Menschen geteilt werden, geteilte Verantwortung in einem Leben als Familie ist ein Grundprinzip gemeinschaftlichen Lebens, die Rückkehr zu natürlicher vollwertiger und gesunder Nahrung ist eine absolute Grundbedingung, Frauen müssen wieder Bedeutung und Respekt in der Gesellschaft erhalten, eine Umweltethik auf Basis der Tradition ist dringend nötig, die Rechte der Ureinwohner auf ihr Land ist in der Öffentlichkeit zu diskutieren und umzusetzen, ebenso wie die Rechte auf Religionsausübung der Ureinwohner zu wahren sind.
Die Erde benötigt uns nicht. Aber wir benötigen diese Erde. Diese Demut zu begreifen, das schafft dieses Buch. Und danach sind wir zum Handeln aufgefordert: "...wir müssen uns innerlich wandeln, die Veränderung muß innerhalb des Selbst vor sich gehen. [...] ...die Werte, die unseren Regierungen fehlen, uns selbst fehlen. [...] ...im Leben der Völker einen Mangel an spirituellen Werten gibt. Heutzutage scheint der Materialismus Hauptantrieb des Lebens zu sein. Man redet nicht über die Zukunft. Jeder denkt nur an sich selbst. [...] ...es geht schlicht um Anständigkeit." {zitiert Oren Lyons, Seite 107.}
Erstaunlich, dass diese Aussagen Anfang der 1990er Jahre vom Autor dokumentiert wurden. Denn sie sind aktueller denn je. Das Buch selbst lässt sich leicht lesen, auch nur kapitelweise, wenn man sich einzelnen Themen alleine widmen möchte. Und all jene, die mit grünen Technologien das Klima- und Wirtschaftsproblem in den Griff zu bekommen glauben, täte ein Schuss spiritueller Perspektive zu den tatsächlichen Problemen der Gegenwart gut. Pflichtlektüre also für alle, die sich um Mutter Erde und das Leben sorgen.