Um es vorwegzunehmen, ich habe in diesem Roman von nur einem toten Mädchen (das, um welches es im Gerichtsverfahren geht) gelesen. Weitere wurden erst am Schluß mit dem Fund eines Armbandes angedeutet, doch da ist das Buch zuende. Aber der Reihe nach. Die Grundidee ist so genial wie absurd. Ein 24 Jahre alter Fall wird vor Gericht wieder aufgenommen. Dabei wechselt Mickey Haller die Seiten, d.h. er wird vom Strafverteidiger zum Ankläger (Staatsanwalt). Was sollte ihn zu diesem Schritt bewogen haben? Er, ein intelligentes Bürschchen, hätte wissen müssen, daß er als Bauernopfer für den eigentlich zuständigen Staatsanwalt mißbraucht werden soll, denn der Fall steht auf wackligen Beinen. Erst ab Seite 250 wird es mit dem Auftritt der Profilerin Rachel Walling spannend, denn sie vermutet, daß der "nur" wegen eines Mordes Angeklagte ein Serientäter ist. Doch aus diesem Potential wird nichts gemacht, die Bedrohung von Harry Bosch und dessen Tochter wird bloß behauptet, und diejenige von Mickey Haller und dessen Tochter findet überhaupt nicht statt. Ich nehme an, daß die meisten Leser eher Harry-Bosch- als Mickey-Haller-Fans sind, und so wünsche ich mir, daß in eventuellen weiteren Romanen von Connelly mehr Bosch (d.h. Aktion) zum Tragen kommt. Ansonsten ein einfallsreicher, solider Gerichtskrimi, wie wir aber schon viele davon kennen.