Ich kann die negativen Kritiken, die bisher zu diesem Buch abgegeben wurden, sehr gut nachvollziehen. Die beiden vorangegangenen Bücher des Autors waren konventionelle Thriller: Polizisten, selbst natürlich bis zu den Schultern mit Problemen beladen, ermitteln gegen einen Psychopathen, der Leiche auf Leiche stapelt. Und in disem Genre ist Mosby gut.
Ins Schwärmen gerate ich dabei aber nicht. Ins Schwärmen gerate ich bei Mo Hayders Vogelmann und Die Behandlung oder David Peace (1974, 1977, 1980 und 1983). Und bei diesem Buch von Steve Mosby.
Worum geht es: Seine Freundin verschwindet. Die Spur führt ins Internet, in Chatrooms, Chatrooms der finsteren Sorte, in denen es um Vergewaltung und Mord geht. Und er hat Angst, aber auch Wut, Wut auch auf sich selbst; wie kann man nachts mit einem Menschen einschlafen, morgens mit ihm aufwachen und ihn doch nicht sehen. Und so sucht er sie und versinkt dabei ... zuerst im Dreck des Internets, dann im Dreck seiner Wohnung und schließlich im Dreck der Stadt.
Das Buch ist dunkel, böse, brutal, verzweifelt. Und ich finde es unglaublich spannend.
Warum dann nicht die volle Punktzahl? Es fängt harmlos an: Der Held der Geschichte wird nicht mit der Polizei konfrontiert, sondern mit einer privaten Sicherheitsfirma. Ok, davon hat man doch gelesen ... Gefängnisse, die dem Staat zu teuer werden, und Firmen, die damit beauftragt werden? Aber die Welt, in der sich der Protagonist aufhält, dies wird nach und nach deutlich, liegt nicht in der Gegenwart. Es ist eine (nahe?) Zukunft, konsequent weiterentwickelt, aus dem was ist.
Die Geschichte ist so stark, daß sie dieses Kunstgriffs nicht bedurft hätte und den Gesamteindruck etwas schmälert.