Wo ich auch gleich bei den beiden Lieblingswörtern des Autors angelangt wäre. Skurril und grotesk, sehr zutreffende Begriffe, und zudem noch sehr wohlwollende Umschreibungen. Passend wäre auch: Langatmig, langweilig, grausam und schrecklich...
Zum Inhalt:
Auf der Burg Banat in den Karpaten findet eine riesige Sause statt. Der Patriarch lädt zum Dekantieren an der Goldenen ein, einer besonderen Person, deren Blut ekstatische Effekte hat. Natürlich kommt die gesamte Familie vorbei, bestehend aus den verschiedenen, untereinander konkurrierenden Vampirclans. Und plötzlich wird die Goldene auf brutalste Art und Weise ermordet. Zur Klärung der Tat wird ein Neuling, Michel Beheim, beauftragt, der sich auch sofort an die Arbeit macht. Und damit wäre auch der Aufhänger der Geschichte geklärt... und mit großem Abstand das Beste an diesem Buch. Danach sackt nämlich alles ab. Vielleicht muss mir ja ein Fuß fehlen, damit ich Lucius Shepards Gedankengängen folgen kann, denn manchmal war mir über 20 Seiten hinweg völlig unklar, was ich da gerade eigentlich lese. Vielleicht sind in meinem Buch auch ein paar Seiten beim Druck weggekommen, denn überall haben mir Zusammenhänge und einfache Logik gefehlt.
Ich weiß es wirklich nicht. Ich habe fast zwei Wochen für dieses doch recht schmale Werk gebraucht und mehr als einmal war ich kurz davor, aufzugeben, habe aber weitergekämpft, immer in der Hoffung, dass das Alles mal wohin führt, aber leider kam nichts mehr, was mich irgendwie für mein Durchhalten belohnt hätte. Der Mord wird zwar gelöst, aber man hätte sich den kompletten Mittelteil, der ungefähr 200 Seiten mit mikroskopisch kleinen Zeilen umfasst, sparen können. Dann wäre das vielleicht auch eine erträgliche Kurzgeschichte geworden. So ist das wirklich eine Zumutung.
Vielleicht kann mich ja mal jemand bezüglich dieses ganzen Mysteriumsquatsches aufklären. Ich habe es nicht verstanden! Weder den Sinn, noch warum es existierte bzw. wer es erschaffen hat. Vieles, was meines Erachtens völlig aus dem Zusammenhang gerissen ist, wird von den handelnden Akteuren als absolut selbstverständlich betrachtet. Und man als Leser denkt sich: Wie jetzt? Dabei ist der übliche Schreibstil des Autors so detailliert und präzise, dass einem eigentlich nicht die kleinste Kleinigkeit entgehen dürfte... und trotzdem waren über weite Strecken hinweg nur Fragezeichen.
Ein weiteres großes Elend war der Protagonist Michel Beheim. Anfangs ein durchaus sympathisches kleines Kerlchen, das zwischen all diesen unheimlich starken und unheimlich schönen Vampiren noch etwas Besonderes war. Aber auch er entwickelt sich nach und nach zum Ekel, zum absolut gefühllosen und egoistischen Typ, der über allem steht, der auch seine Dienerin Giselle plötzlich vor den Kopf stößt, der von einer Seite auf die andere eine totale Wandlung durchmacht und nach dem Motte lebt: "Was interessiert mich mein Geschwätz vor fünf Minuten?" Tja, mit so etwas kann ich mich nicht identifizieren, deswegen bin ich mit dem Buch auch nicht warmgeworden.
Mein Fazit
Versprochen wurde mir ja die perfekte Mischung aus Horror, Krimi und Erotik. Gruseln tue ich mich höchstens davor, das Ding noch einmal lesen zu müssen. Der Anfang und das Ende entsprachen auch irgendwie einem Krimi und die Erotik? Schwierig. Sie war da, aber man kann, wie gesagt, alles auch irgendwie tot reden.
Eins steht fest: Ich habe es geschafft, "Die Spur des goldenen Opfers" durchzulesen. Für mich eine Meisterleistung. Aber auch niemals mehr wieder. Vielleicht bin ich ja zu doof, um den weiteren Sinn und Mr. Shepards Intentionen zu verstehen... Ich vergebe einen Stern, aber nur, weil es nicht schlechter geht. Für alle, die sich an dieses Werk herantrauen und den Sinn verstehen, können mich ja beizeiten mal "erleuchten".