Zunächst: Selbst in der NVA gedient(EK80/I),in dieser Zeit beide Extreme erlebt(Spezialausbildung, später degradierter Wachsoldat) möchte ich mit einem grundsätzlichen, von Autor so gerne bemühten Klischee aufräumen.
Die NVA war, wie alle Armeen kein Zuckerschlecken. Bot wie in allen Armeen Möglichkeiten von Schikane, Bevormundung und Erniedrigung. Allein daraus eine fragwürdige Moral abzuleiten, halte ich für nichtkundige Leser mehr als bedenklich. In seinem Buch schildert der Autor bekannte Klischees, baut sie aus, wertet sie subjektiv in eigener Sache. Befremdlich dabei, dass er sich stets auf die "hochmoralische Seite" stellt, dagegen seine Peiniger (Vorgesetze) setzt. Sicherlich hatte man es auch mit überforderten Vorgesetzten zu tun, die als Führungspersönlichkeiten nichts taugen, musste sich deren Willen beugen. Jedoch daraus ein Prinzip zu erheben, halte ich für falsch. Wer es erlebt hat, wird mir recht geben: Der Alltag regulierte sich durch die Soldaten selbst. ("EK-Prinzip") Die drei Diensthalbjahre regulierten sich nach Eintritt in ihre Dienstzeit. Der frisch Einberufene hatte ein halbes Jahr die "Arschkarte", musste seinen Kameraden gehorchen und übernahm nach einem halben Jahr die nächste Funktion. Eigentümlicherweise dabei auch diesselben Regularien und Schikanen seiner Vorgänger gegenüber den Nachfolgern. Dieses eigentümlich-fragwürdige Prinzip wurde zum System erhoben, wussten die Vorgesetzten um deren Bewährtsein, wenn sie selbst nicht ganz doof waren. Je nach Einheit/Kompanie wurde daraus Methode. Soldaten schikanierten Soldaten, die Vorgesetzten blickten darüber hinweg. Soll per se andeuten, dass es die Soldaten selbst waren, die es sich gegenseitig schwer machten, die leidige Dienstzeit zu ertragen. Selbstkritisch muss ich resümieren, mich diesem Prinzip auch unterworfen zu haben.
Ein fairer Umgang in einem streng hierarchisch geregelten System wie einer Armee ist kompliziert, hängt von jedoch und letztlich von ALLEN Beteiligten ab. Dieses Buch vermag mit diesem Problem nicht schlüssig umzugehen.
Schlussendlich: Sollte man mit diesem Thema an eine Öffentlichkeit gehen, hat man sich einem Ojektivitätsprinzip selbigen zu unterwerfen.