Kurzbeschreibung
- Vorwort
- Einleitung
- Vorarbeiten zu einem Sprachalmanach
- Weltbevölkerung und Sprachen im soziographischen Wandel
- Europa
- Multikulturalität und Ausgleichsprozesse in Geschichte und Gegenwart
- Exkurs: Ethnische Säuberungen zwischen 1937 und 1959 in der Sowjetunion
- Exkurs: Basken und ihre Sprachen
- Vorindoeuropäisches Kulturerbe in Südosteuropa
- Kolonisation und Kulturkontakte im Mittelmeerraum
- Sprache und Kultur im Zeitalter des Hellenismus und im Imperium Romanum
- Ethnisch-kultureller und sprachlicher Partikularismus im Mittelalter
- Trends der Neuzeit: kulturpolitische Uniformität und sprachpolitischer Zentralismus
- Exkurs: Das Kymrische und das Schottisch-Gällische im Kontakt mit dem Englischen
- Exkurs: Die russische Sprachgemeinschaft in Finnland und ihre soziohistorische Infrastruktur
- Länderbeschreibungen
- Afrika
- Prähistorische Migrationen und Kulturkontakte
- Handelsbeziehungen der vorislamischen und islamischen Periode
- Immigration aus Asien und Europa - Kolonisation in Afrika
- Europäische Importsprachen im Kontakt mit afrikanischen Sprachen
- Länderbeschreibungen
- Amerika
- Die drei Migrationen, die Besiedlung Amerikas und die Entstehung der altamerikanischen Hochkulturen
- Exkurs: die prähistorische Ausgliederung der Indianersprachen Mesoamerikas
- Frühe Kontakte der Amerikaner mit Europäern und ihren Sprachen
- Exkurs: Entstehung und Entwicklung der frankophonen Siedlungen in Nordamerika
- Sprachkontakte der Moderne
- Länderbeschreibungen
- Asien
- Alte Zivilisationen, Schriftkulturen und Kultursprachen
- Indoeuropäische, türkische und arabische Migrationsbewegungen
- Kultur- und Sprachkontakte in Ostasien
- Exkurs: Französischer Kolonialismus und französische Kulturpolitik in Indochina
- Sibirien und Mittelasien als Kontaktzone
- Zur Vitalität europäischer Importsprachen
- Länderbeschreibungen
- Australien und Ozeanien
- Prähistorische Migrationen nach Neuguinea, Australien und Ozeanien
- Zusammenprall der Welten: Europäer in Ozeanien
- Der politische und kulturelle Einfluss der Kolonialmächte
- Die Sprachenwelt Australiens
- Nachwirkungen des Kolonialismus
- Länderbescheibungen
- Bibliographie
- Länderregister
- Sprachenregister
Der Verlag über das Buch
Die 6400 Sprachen unserer Welt verteilen sich auf nicht einmal 200 Staaten. In den meisten Ländern ist Mehrsprachigkeit selbstverständlich allein in Papua-Neuguinea gibt es mehr als 800 Sprachen. Der Sprachenalmanach von Harald Haarmann bietet einen einzigartigen Überblick über die Verteilung und Vielfalt der Sprachen unserer Erde.
Welches sind unsere sprachlichen Nachbarn in den Ländern der Europäischen Union? Welche Sprachen sind weltweit vom Aussterben bedroht? Wie viele Immigranten sprachen werden in den USA gesprochen? In welchen Ländern führt die Sprachenvielfalt zu Problemen?
Harald Haarmann bietet einen detailreichen Wegweiser durch die Sprachenvielfalt unserer Welt. Seine Länderschau bietet jeweils einen Überblick über die proportionale Verteilung von Mehrheits- und Minderheitensprachen. Daneben stehen Kurzanalysen zu den landesspezifischen, sprachökologischen Verhältnissen sowie zu sprachpolitischen Regelungen und Konflikten. Abgerundet wird der Band durch einen umfangreichen Sprachenindex, der dem Leser das Auffinden jeder Einzelsprache ermöglicht.
Der Sprachenalmanach ordnet die globale Sprachverteilung erstmals nach geopolitischen Gesichtspunkten und ist damit ein unverzichtbares Basiswerk für alle, die sich mit Sprache und Sprachen beschäftigen.
Klappentext
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Auszug aus Sprachenalmanach. Zahlen und Fakten zu allen Sprachen der Welt. von Harald Haarmann. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Was findet man in diesem Sprachenalmanach, wonach man woanders vergeblich
sucht? Der Almanach gibt Antwort auf die Frage: welche Sprachen
werden von wie vielen Menschen in welchen Ländern gesprochen?
Geboten wird also eine Länderschau der Sprachen und ihrer Sprechergruppen.
Für jeden Staat werden die Proportionen von sprachlicher
Mehrheit und Minderheiten aufgezeigt. Sprechergruppen werden entsprechend
ihrer Größenordnung kategorisiert. Die Dokumentation ist
auf größtmögliche Vollständigkeit bedacht.
Das wichtigste Orientierungskriterium ist die Staatenordnung der
Welt. Die einzelnen Staaten sind Großregionen zugeordnet: Europa, Afrika,
Amerika, Asien, Australien und Ozeanien. Die sprachökologischen
Verhältnisse einer jeden Großregion werden in einem eigenen Vorspann
erläutert. Zahlreiche Tabellen und Übersichten stellen Sonderinformationen
über bestimmte Sprachen und Sprechergruppen bereit, unter anderem
über die Verteilung der Sprecher des Romani (Zigeunerischen) in Europa,
über die Verbreitung der jüdischen Sprachen in der Welt, der
Quechua-Sprachen in Amerika und vieles mehr.
Dieses Handbuch bietet kompakte Informationen für einzelne Staaten
an, wie sie in dieser Form und in dieser Dichte in keinem anderen Buch
über Sprachen verfügbar sind. Zusätzlich zu den statistischen Daten beinhaltet
jede Länderskizze Informationen über die Zuordnung der Sprachen
zu Sprachfamilien und über die ökologischen Bedingungen der landesinternen
Sprachkontakte, das heißt, über den politischen Status
einzelner Sprachen, über Varianten von Zwei- und Mehrsprachigkeit in
regionalen Bevölkerungsgruppen und über Integrationsprobleme von
Immigrantensprachen. Für die Staaten der so genannten Dritten Welt
wird zusätzlich darauf hingewiesen, welche Sprachen in der Schulausbildung
und in den Massenmedien verwendet werden.
In einem umfassenden Register am Ende des Bandes findet man so gut
wie jede Sprache der Welt. Aufgrund der Eintragungen in diesem Register
können Einzelsprachen identifiziert und im Hinblick auf ihre regionale
Verbreitung lokalisiert werden. Ein zweites Register ermöglicht darüber
hinaus ein schnelles Auffinden einzelner Länder.
In diesem Sprachenalmanach sind nicht nur sprachwissenschaftliche
Daten und Fakten gesammelt, sondern auch zahlreiche Informationen
aus verschiedenen anderen Disziplinen, deren Vertreter sich an der Diskussion
über Sprache und Sprachen beteiligen, das heißt, außer der
Sprachwissenschaft auch Anthropologie und Ethnologie, Soziologie, Politologie
und Humangenetik.
Wer Sprache als soziales Phänomen menschlicher Gemeinschaft versteht,
der wird sich auf rein sprachwissenschaftliche Aspekte der Betrachtung
nicht beschränken. Die ökologischen Existenzbedingungen von
Sprachen sind immer und überall an deren Sprecher und an deren kulturelle
Institutionen gebunden. Sprache fungiert in keiner Gesellschaft isoliert
von anderen sozialen Institutionen, sondern ist mit diesen eng verwoben.
In diesem Sprachenalmanach liegt daher das Hauptaugenmerk
nicht auf einer einseitigen Dokumentation sprachlicher Verhältnisse in
der Welt, sondern auf der Wechselbeziehung von lokalen Sprachen und
den damit assoziierten Kulturen. Die Perspektive, die für dieses Sprachenprojekt
charakteristisch ist, ist die einer kulturwissenschaftlichen
Orientierung.
Es gibt vielleicht zu viele Kulturwissenschaftler, die sich mit den Phänomenen
Kultur und Sprache ausschließlich am Schreibtisch beschäftigen.
In der Tat ist eine Fülle von Sekundärliteratur über Kultur und Sprache
produziert worden, die es zu bewältigen und sinnvoll auszuwerten
gilt. Für eine pragmatische Einschätzung sprachlicher Prozesse sei es
das Verhältnis von Spracherhaltung und Sprachwechsel bei Minderheiten,
die Kontaktproblematik in einer mehrsprachigen Umgebung, das kommunikative
Potenzial des Weltsprachenstatus oder der Sprachgebrauch in
Massenmedien ist andererseits der Kontakt mit lebenden Kulturen unerlässlich,
und es ist dabei auch von Vorteil, in verschiedenen Kulturmilieus
gelebt zu haben.
In dieses Buch sind viele Elemente eingeflossen, die sich auf meine persönliche
Erfahrung im Kontakt mit historisch gewachsenen Kulturen und
natürlichen Sprachen der Welt stützen. Die Welt sieht für einen Europäer
anders aus, wenn er etwa mehrere Jahre in Japan gelebt hat. Auch das
Selbstverständnis, dem Mitteleuropäer verhaftet sind nämlich das, anscheinend im Mittelpunkt der Welt zu leben wird hinterfragt, wenn man
als Deutscher lernt, sich z. B. in einer zivilisatorisch so vertrauten und
sprachlich dennoch so exotischen Kulturlandschaft wie der Finnlands zu
orientieren.
Alles relativiert sich, wenn man mit Menschen in Dutzenden von Staaten
aller Kontinente kommuniziert hat, in den multikulturellen Metropolen,
in den großen Kulturlandschaften der Alten und Neuen Welt, ebenso
wie in versteckten Winkeln der Erde, in einem Maasai-Dorf am Fuße des
Kilimanjaro, bei Maya-Indianern in Yucatán, bei Aborigines am Ayers
Rock in Australien, auf der Osterinsel, mit Uiguren in Westchina oder
mit Saamen in einer Landgemeinde Lapplands.
Dieser Sprachenalmanach ist ein Ergänzungsband zu dem Werk »Babylonische
Welt« (2001). Wie jenes Buch ist auch dieser Band in besonderer
Weise gefördert worden, nämlich mit einem Druckkostenzuschuss.
Für die Verwirklichung des Sprachenalmanachs in gedruckter Form sei an
dieser Stelle meinem Mäzen, Herrn Dipl.-Ing. Otfried Pfestorf, herzlich
gedankt.
Casa Blanca, im Herbst 2001
Harald Haarmann