Sprache ohne Worte Peter Levine
Auf dem Heidelberger Schloss, gibt es an einer Stelle einen großen Fußabdruck in den Stein gehauen oder ausgewaschen. Ich weiß nicht mehr, welche Legende sich darum rankt, aber so ähnlich wie diesen steinernen, für alle Ewigkeit eingegrabenen Abdruck hat man sich wohl in den meisten Fällen ein Trauma, oder eine Posttraumatische Belastungsstörung, vorzustellen.
Mein altes, schon etwas zerlesenes Buch, Trauma-Heilung, das Erwachen des Tigers, von Peter Levine und Ann Frederick habe ich in den Jahren immer wieder hervorgeholt, weil mir klar war, dass Levine hier etwas bahnbrechendes, ganz einfaches, natürliches herausgefunden hat, das ich gern besser verstehen wollte.
Es war Wilhelm Reich der bei seinen Beobachtungen der physischen Reaktionen seiner Analyse- Patienten einen sog. Charakter-Panzer feststellte. Er meinte damit einen richtigen 'Muskelpanzer' und es war das Ziel der Behandlung diese charakterliche und muskuläre Panzerung aufzulösen.
Wer Levine gelesen hat und die zwei DVDs kennt, die es bei Auditorium Netzwerk und beim Steinhardt Verlag gibt, der wird zu der Überzeugung kommen dass Levine denselben Panzer bearbeitet den Reich meint, aber dies auf eine viel elegantere und organischere Art tut.
Der Körper hat ein Gedächtnis und dies Gedächtnis speichert genauso wie eine Erinnerung im Gehirn, oder eine Datei auf einer Festplatte. Auf relativ einfach Weise kann man sich dieser Erinnerung auch gewahr werden, es ist so, als wäre die Abwehrbewegung gegen einen Angreifer im Ansatz stecken geblieben.
In dem Märchen Dornröschen, sieht man wie der Koch dem Buben eine 'Watschen' mit einer Kelle geben möchte, und mitten in der Bewegung erstarrt. So ähnlich sitzt das Trauma fest.
Wer in die Regale mit den Büchern über 'Achtsamkeit' sieht wird der Meinung sein, dass Achtsamkeit auf jeden Fall nichts 'einfaches' ist denn sonst müsste nicht so viel darüber geschrieben werden. Was Levine lehrt, ist die Achtsamkeit auf die manchmal minimalen Reaktionen des Körpers. Es ist keine konvulsive oder ekstatische Entladung. Es ist keine 'Abreaktion'.
Die Behandlung Levines kommt auch ohne die Darstellung des Traumas in allen Einzelheiten aus. Das macht diesen Weg sympathisch. Denn das immer wieder Durchkauen des Furchtbaren und Erforschen aller Einzelheiten, ist für viele eine Überforderung und führt häufig zu einer Aktualisierung des Traumas zu Intrusionen und Flashbacks.
Dieses Buch stellt auf sehr freundliche sehr lesbare Art das dar, was sich mittlerweile als Somatic Experiencing etabliert hat und gelehrt wird. Es stand in der Buchhandlung nicht bei den Trauma-Büchern und erst recht nicht bei den Lehrbüchern, das ist vielleicht ein Versehen, vielleicht aber auch Ausdruck der Unterschätzung der Methode als wirksames Instrument. Bei mir wird ein Thema immer 'vernetzt' gelesen und so habe ich mir vorgenommen, Babette Rothschild 'Der Körper erinnert sich', sowie Eugene Gentlin (Focusing) und Ron Kurtz (Hakomi) zu lesen, bei denen Levine Anleihen genommen hat. Im Kösel Verlag gibt es noch ein kleineres Buch von Peter Levin 'Vom Trauma befreien', das sich gut dazu eignet einen Einstieg in die Methode Levines zu bekommen. Ich wünsche Peter Levine, dass seine Methode bald so bekannt sein wird, wie das EMDR von Francine Shapiro.