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Die Sprache des Gehirns. Wie in unserem Bewußtsein Gedanken entstehen.
 
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Die Sprache des Gehirns. Wie in unserem Bewußtsein Gedanken entstehen. [Gebundene Ausgabe]

William H. Calvin , Hartmut Schickert
2.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Carl Hanser; Auflage: 1 (4. April 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3446198679
  • ISBN-13: 978-3446198678
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 16,8 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Eigentlich eine faszinierende Idee: Das Gehirn als eine "Darwinmaschine" zu betrachten, die mittels evolutionärer Mechanismen (Produktion von Variationen, Konkurrenz, umweltbedingte Auslese, etc.) geistige Elemente höherer Ordnung produziert. Wie beispielsweise durch Kopieren und neu Arrangieren mentaler Bilder etwas völlig Neues entstehen kann. Oder wie durcheinander gewürfelte Erinnerungsbruchstücke sich in "kreativen Schleifen" zu mentalen Vorstellungen höherer Qualität weiterentwickeln. Im Zentrum steht dabei das größte Fragezeichen der Gehirnforschung: Wie kommt der Geist in die Materie, wie entsteht aus Mustern von Nervenimpulsen Bewusstsein, Kreativität, Intelligenz.

Dieses Buch über den Arbeitsalltag des Gehirns verlangt auch dem Denkorgan des Lesers einiges an Arbeit ab. Denn im Gegensatz zu früheren Werken (wie z.B. Die Symphonie des Denkens) will der Neurophysiologe William H. Calvin diesmal keinen allgemeinen Einblick in den Stand der modernen Hirnforschung liefern, sondern vielmehr selbst eine ambitionierte und weit reichende neue Hypothese aufstellen. Insofern richtet sich Die Sprache des Gehirns -- wie der Autor im Vorwort einräumt -- auch in erster Linie an seine "wissenschaftlichen Kollegen". Und deshalb sind Grundbegriffe wie "spatiotemporales Feuermuster" oder "arbiträrer Code" nicht einmal im Glossar erklärt. Nichtfachleute können aber durchaus mental ins Stolpern geraten, wenn ihr Kortex häufig mit gar zu tiefen Einsichten konfrontiert wird, wie etwa dass "der Hauptnachteil eines degenerierten kortikalen Codes darin besteht, dass die meisten kortikokortialen Projektionen reziprok sind."

Aber allen kann man es halt nicht recht machen. Unser Gehirn hat mit seiner (noch) undurchschaubaren Genialität zweifellos einen solch ebenso originellen wie detaillierten Erklärungsansatz verdient, der in Fachkreisen sicherlich kontrovers diskutiert werden wird. Und der Leser gelangt mit Die Sprache des Gehirns immerhin an die allervorderste Front eines der hitzigsten Forschungsfelder: Wo schlaue Gehirne über die Rätselhaftigkeit des Gehirns nachdenken. --Christian Stahl

Neue Zürcher Zeitung

Gedanken über Gedanken

Neurobiologen machen sich Gedanken über die Gedanken. Sie wollen herausfinden, wie unser Gehirn arbeitet, was Bewusstsein bedeutet, und sie streiten darüber, «ob Lernen vielleicht überhaupt kein Lernen ist» (Niels K. Jerne). Genau diese Frage bejaht der Gehirntheoretiker William Calvin in seinem neuesten Buch. Nach seiner Ansicht greift das Gehirn auf alte Gedanken zurück, wenn es neue braucht: Aus alt wird neu durch Veränderung und Auslese. Da die Evolutionstheorie die Grundlage dieses Ansatzes bildet, spricht der Autor von einer Darwin-Maschine, in Anlehnung an den Begriff Turing-Maschine aus der Informatik. Das Augenmerk liegt auf den Nervenzellen in den Arealen der Grosshirnrinde und ihren Verbindungen untereinander. Ausgehend von den Arbeiten Gerald Edelmans und Donald O. Hebbs, entwickelt Calvin seine Überlegungen, wie sich mentale Vorstellungen verschlüsseln lassen: Aus der Verdrahtung der Zellen in einer Art Sechseck ergebe sich ein charakteristisches Aktivitätsmuster, der Code für ein bestimmtes Bild oder eine Erinnerung. Das Muster werde häufig wiederholt und auf benachbarte Anordnungen kopiert. Da sich Fehler einschleichen können, entstünden aus einem gleichen Muster viele verschiedene, von denen eines möglicherweise besser geeignet sei, ein neuartiges Erlebnis zu repräsentieren.

Obwohl das Konzept in sich schlüssig ist, bleibt es doch stumpf und farblos – den Analogien und Hilfskonstrukten zum Trotz, die der Autor bemüht, um die Allgemeingültigkeit zu veranschaulichen. Zu streng verfolgt er seine Linie und äussert sich weder zu gegenwärtig geführten Diskussionen, noch verknüpft er die Vorgänge mit anderen Gehirnleistungen wie der Sinnesverarbeitung. Gerade diese Zusammenführung wäre aber sinnvoll, um das komplexe Phänomen Bewusstsein zu erhellen. Hier zeigt sich ein Unterschied zu den Darstellungen anderer Autoren. Während Francis Crick, Antonio Damasio und andere ihre Hypothesen durch experimentelle und klinische Daten oder auch durch neue Bildgebungsverfahren zur Hirnaktivität abstützen, fliessen bei Calvin kaum Ergebnisse aus der praktischen Arbeit ein. Derart spekulativ und theorielastig ausgelegt, erreicht das Buch nur oberflächlich das Ziel, die Sprache des Gehirns zu vermitteln.

Olaf Schmidt


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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Das Gehirn ist eine Darwin-Maschine!, 31. Juli 2003
Von 
Stevo "odysseussr" (Soest) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 1000 REZENSENT)   
Ein Wort vorweg: Dieses Buch ist eher für Wissenschaftler als für interessierte Laien geschrieben. Wichtiger als Wissen über das Gehirn sind dabei die Kenntnis der Evolutionstheorie und der Theorie der "Meme". Und dennoch, Calvins Buch ist interessant, zuweilen unterhaltsam und regt auch einen "Laien" wie mich zum Nachdenken an. Doch nun erst einmal von vorn.
Was sollte eine Theorie des Bewusstseins nach William H. Calvin leisten?
Sie sollte erklären,
- wie die Inhalte unseres Vokabulars repräsentiert werden
- wie Erinnerungen gespeichert und abgerufen werden
- wie es zu einer darwinistischen Qualitätssteigerung kommt
- wie "neue Ideen" aufkommen
- wie es zu Halluzinationen, Träumen oder Deja-vu-Erlebnissen kommt
- wie das Phänomen unzuverlässiger Erinnerungen zu erklären ist
- wie Abstraktionen und Kategorien erschaffen und repräsentiert werden
- wie die verschiedenen Konnotationen eines Wortes (bsp. "Kamm") miteinander verknüpft werden
- wie es zu unserer Leidenschaft für das Entdecken von Mustern kommt
Calvin nennt noch weitere Fragen, die eine Theorie des Bewusstseins beantworten können sollte. Ich habe mich bemüht, hier lediglich die wichtigsten widerzugeben.
Ich bin mir nicht sicher, ob es Calvin wirklich gelingt, all das zufriedenstellend zu erklären, doch sein Erklärungsansatz ist außerordentlich interessant. So projeziert Calvin die Grundelemente des darwinistischen Algorithmus auf die Prozesse im Gehirn, wobei die beiden Schlüsselbegriffe "mentales Mosaik" und "zerebraler Code" sind.
Übrigens ist es empfehlenswert von Anfang an, vom umfangreichen Glossar Gebrauch zu machen, in dem alle wichtigen Begriffe ausführlich erläutert sind.
So sei dieses Buch all jenen, die sich tiefer mit den Funktionen des Gehirns beschäftigen, empfohlen. Man sollte allerdings bereit sein, sich auf eine darwinistische Erklärung für das Entstehen und die Entwicklung der höheren menschlichen Fähigkeiten einzulassen, denn ansonsten wird einem dieses Buch mit Sicherheit nicht gefallen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen Ideales Objekt für sprachkritische Übungen, 13. Oktober 2009
Von 
Dr. Claus-Dieter Kopetzky (Grossrosseln/Saarland) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Sprache des Gehirns. Wie in unserem Bewußtsein Gedanken entstehen. (Gebundene Ausgabe)
Ich habe einen Fehler gemacht. Ich hätte das kleine Buch "Kein neues Menschenbild. Zur Sprache der Hirnforschung." von Peter Janich nicht vor diesem Werk von William H. Calvin lesen dürfen. Aber derart von Janich gegen das "Kauderwelsch" der Hirnforschung sensibilisiert, wird das Lesen dieses Buches von Calvin schier unerträglich. Die Sprache, derer Calvin sich bedient um die "Sprache" des Gehirns zu beschreiben, erscheint auf den ersten Blick flüssig, verständlich. Sie ist quer durch die Kenntnisbereiche und Fachsprachen zahlreicher Wissenschaften mit Metaphern und Analogien gespickt. So kann leicht der subjektive Eindruck entstehen, man hätte verstanden, was der Autor sagen wollte. Aber schon beim ersten analytischen Hinterfragen der glatten Sätze verlaufe ich mich in Sackgassen, unverständlichen und oft auch unzulässigen Voraus- und Gleichsetzungen. Diese bleiben allzu oft unerklärt und unbegründet. Als interessierter Laie muss ich unterstellen, dass mein interdisziplinäres Fachwissen lückenhaft ist, weshalb mir eine Kritik Calvins wissenschaftlicher Thesen nicht zusteht. Die mangelnde Sorgfalt von Calvin beim Umgang mit Wort und Bedeutung macht es mir jedoch schwer, wenn nicht unmöglich, mich dem intersubjektiv Nachvollziehbaren seiner Thesen und Arbeitsergebnisse zu nähern. Stevo "odysseurs" meint, das Buch sei eher für Wissenschaftler als für interessierte Laien bestimmt. Ich fürchte, es ist für keine der beiden Gruppen eine echter Gewinn. Die Unterstellung einer "Darwinmaschine" als Grundlage unseres Bewusstseins und dessen "Sprache" mag ein ein interessanter Ansatz sein, sich dem Rätsel "Bewusstsein" zu nähern. Dass er sich dabei mehr hypothetischer Annahmen bedient, als er es selbst zu sehen scheint, muss kein Nachteil sein. Umso wichtiger ist aber, die unterstellten logischen und kausalen Bezüge möglichst eindeutig und kritisierbar darzustellen. Das geschieht aber überwiegend gar nicht oder nur im Ansatz.

Mir ist bewusst, dass meine Kritik ohne konkrete Beispiele pure Behauptung bleibt. Allerdings sind es zu viele, die ich zitieren könnte. Einige wenige sprachkritisch bedeutsamen Beispiele (die wohl in jedem Buch zu finden sind) könnten kein zutreffendes Bild ergeben. Statt dessen stelle ich mir exemplarisch die Frage, was wohl Calvin unter "Gehirn" versteht. Im Titel unterstellt er, es könne eine Sprache sprechen. Was aber ist in diesem Zusammenhang für Calvin "Sprache"? In seinem Buch habe ich hierauf keine Antwort gefunden, die mich zufrieden stellen könnte. Das kann natürlich an mir liegen. Einem Buchtitel verzeihen wir gern, dass er keine korrekte Aussage macht. Er soll wohl eher erreichen, dass der potentielle Leser neugierig wird. Dennoch ist der Titel symptomatisch für das aus sprachkritischer Sicht unerträgliche "Kauderwelsch" des gesamten Buches.

Meine konkrete Empfehlung: wiederholen Sie meinen eingangs eingestandenen Fehler. Danach bietet sich das Buch von Calvin als ein ideales Übungsobjekt an. Das kann sich laut Janich durchaus lohnen. Aufgabe der Sprachkritik ist nämlich nicht nur die Kritik im landläufigen Sinne, sondern in besonderer Weise die (sprachkritische) "Rekonstruktion". Diese soll die Korrektur sprachlicher Ungenauigkeiten und Fehler vornehmen. Im Idealfall werden wir dann nicht das verstehen, was ein Autor gesagt oder geschrieben hat, sondern das was er sagen oder schreiben wollte.

Ich habe das Buch von Calvin ermüdet beiseite gelegt. Ich muss dringend meine eigenen Texte vom Kauderwelsch befreien.
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