Ohne einen Blick auf die Titelliste zu werfen, fällt mir zu dieser Platte spontan nur der Song "Kinder an die Macht" ein. Viel mehr scheint mich damals also nicht beeindruckt zu haben. Jetzt, beim Wiederhören der CD, sind da dann doch noch ein paar Songs, die ich mitsingen konnte. Insgesamt kann man aber sagen, dass dies einer der melancholischen Platten von Herbert Grönemeyer ist. Der Versuch, ernste Themen mit fröhlichen Melodien zu paaren, geht hier voll auf. Und wie ernst die Themen der Texte sind: Zwei Songs handeln von Rassismus und jeweils einer von Ausweglosigkeit, Alleinsein und der deutschen Vergangenheit. Den Anfang macht "Kinder an die Macht", der leider mittlerweile auf RTL/SAT 1/PRO 7 unter jeden Fernsehbeitrag über Kinder gelegt wird und somit fast schon nervt. Mit über sechs Minuten folgt dann mit "Tanzen" einer der längsten Songs des Künstlers, der besagt, wenn schon in Deutschland die Rezession vorbei ist, sollte man eben wieder "Tanzen". Die Ballade "Mehr geht leider nicht" handelt dann von der Geliebten, der die bereits dargebrachte Liebe nicht ausreicht. Das Intro von "Mass aller Dinge" erinnert der Melodie nach zunächst an Safariparks in Afrika, so dass der Text fast untergeht. Doch das sollte er nicht, denn die Refrainzeile "Weiße Überheblichkeit / Mass aller Dinge / Weiße Überheblichkeit / Jeder Mensch ist gleich / Der Weiße ist gleicher" ist ein sehr gutes Statement gegen die Apartheid. In "Nur noch so" werden mit "Überfrau mich mit Gefühl" sogar neue Wortkreationen geschaffen. Den Song "Unterwegs" werden dann wohl nur Künstler, die ständig auf Tour sind wirklich nachvollziehen können. Ich hätte auch nie gedacht, dass jemand die Metapher "Witz komm 'raus / Langsam wird's lächerlich" in einen Song unterbringen kann. Herbert Grönemeyer gelingt es in "Lächeln" und ihm gelingt mit der CD "Sprünge" ein Werk, das im Nachhinein zum Nachdenken anregt, so dass man es danach noch mehr zu schätzen weiß.