Der Zusammenhang zwischen Trainingsbelastungen und biologischen Prozessen ist offensichtlich. Neben vielen allseits bekannten positiven Anpassungserscheinungen langfristig angelegter Trainingsprozesse, wie z.B. der verbesserten Kapillarisierung und Vergrößerung des Herzens nach regelmäßigen Ausdauerbelastungen oder dem Muskelzuwachs in Folge eines Krafttrainings, treffen wir auch beim alltäglichen Sporttreiben regelmäßig auf akut spürbare Probleme und Phänomene, die uns immer wieder an die biologische Basis des Bewegens erinnern. Stichworte wie “Muskelkater”, “Seitenstechen” oder “Kalorienverbrauch” lassen sich allesamt bis in ihre biologischen Ursachen zurückverfolgen und mit Hilfe biowissenschaftlicher Hintergründe und Modelle erklären. Aus diesem Grund ist die Biologie neben der Pädagogik und Psychologie wohl auch die wichtigste Bezugswissenschaft der Trainingslehre. Im Spektrum der naturwissenschaftlichen Disziplinen kommt ihr zudem eine orientierende Funktion für die Theorie- und Modellbildung zu, weshalb Einzelerkenntnisse aus der Medizin, Anatomie, Morphologie oder Physiologie in der integrativ angelegten Sportbiologie zu einer ausagekräftigen Theorie des Trainings nach naturwissenschaftlichem Zuschnitt ausgelegt werden können.
Die “Sportbiologie” des renomierten Erlanger Trainingswissenschaftlers Jürgen Weineck, die mittlerweile in der siebten, erweitereten Auflage vorliegt, gilt als Standardwerk des Faches und trifft vor allem bei Sportstudierenden und Trainern, aber auch bei Sportlern, die die biologischen Ursachen und Zusammenhänge ihres Trainings verstehen möchten, auf interessierte Leser. In dem Buch werden verschiedene Facetten der Biologie - auf 10 Kapitel verteilt – mit Hilfe vieler leserfreundlichen Abbildungen und Modellen erläutert. In einem äußerst knapp gehaltenen einleitenden Teil werden einige Begriffe und Hintergründe bestimmt, die vor allem dem Laien einen Eindruck zur Stoßrichtung des Werkes geben. Auf eine differenzierte wissenschaftstheoretische Diskussion wird in diesem Rahmen verzichtet. Mit dem zweiten Kapitel (“Anpassung als Grundvoraussetzung sportlichen Trainings”) wird ein Kernthema der Sportbiologie an den Anfang des Buches gesetzt. Im Anschluss daran werden auf mehr als 200 Seiten die verschiedenen Organsysteme, wie z.B. Muskulatur, Nerven-, Hormon- oder Atmungssystem, im sportbezogenen Zusammenhang überaus detailliert erklärt. Im vierten Kapitel legt Weineck schließlich die klassischen Wissenshintergründe seiner Trainingslehre dar, wenn er das Training der motorischen Hauptbeanspruchungsformen (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination) skizziert. In den nächsten drei Kapiteln widmet sich der Autor ausgewählten sportbiologischen Zusammenhängen, wie “Jugend und Sport”; “Alter und Sport” oder “Frau und Sport” bevor er mit dem achten Kapitel eine klassisch medizinische Richtung einschlägt und Hintergründe zu den “Risikofaktoren degenerativer Herz-Kreislauf-Erkrankungen” sowie zu Möglichkeiten der Prävention und Rehabilitation vorstellt. Daran anschließend werden - unter neuntens - einige Faktoren aufgearbeitet, die die sportliche Leistungsfähigkeit beeinflussen, wie z.B. Biorhythmus, Aufwärmen, Massage, Rauchen, Doping und einige mehr. Abgeschlossen wird das überaus breit angelegte inhaltliche Spektrum schließlich mit Ausführungen zu den Einflüssen besonderer Umweltbedingungen auf das Sporttreiben, wie z.B. Hitze, Kälte oder Höhe. Das übersichtlich und detailliert angelegte Inhaltsverzeichnis erlaubt ebenso wie das umfangreiche Sachregister ein selektives Lesen und Nachschlagen, so dass mit diesem Buch ein kompetenter Fundus sportbiologisch relevanter Wissenbestände im Bücherregal steht, der jederzeit greifbar ist.