Wer den Aufbau und die Funktionen seines Körpers kennen lernen will, der tut gut daran, sich mit der Anatomie zu beschäftigen. In diesem Wissensgebiet werden nicht nur Informationen zum Aufbau und dem Zusammenspiel verschiedener Knochen, Gelenke oder Muskeln bereitgestellt, sondern auch funktionelle Zusammenhänge zur Entwicklung von Zellen und verschiedenen Gewebetypen (z.B. Binde- oder Stützgewebe) gegeben. Trainern, Physiotherapeuten aber auch Lehrern und Athleten erlaubt dieses Wissen einschlägige Aufschlüsse über Trainingswirkungen. Darüber hinaus werden Hintergründe von Verletzungen und Fehlbelastungen erklärbar und der Sinn und Zweck diverser Therapie- und Regenerationsmaßnahmen wird leichter nachvollziehbar.
Das vom renomierten Sportmediziner und Trainingswissenschaftler Jürgen Weineck vorgelegte Buch zur Sportanatomie zählt ohne Zweifel zu den Standardlehrbüchern in diesem Bereich. Er stellt anatomisches Theoriewissen praxisbezogen dar, wobei vor allem die übersichtliche Gliederung und die anschaulichen Illustrationen dafür garantieren, dass sich auch die Leser und Sportler in dem Buch zurechtfinden, die bislang keine Naturwissenschaft studiert und dies auch künftig nicht vor haben. Das Werk ist in sechs Kapitel aufgeteilt und beginnt mit einer kurzgefaßten Einführung in die Zell- und Gewebelehre. Schließlich wird jeder Belastungsreiz zuerst auf der zellulären Ebene in Form bestimmter Anpassungsmechanismen sichtbar. Welche dieser Mechanismen dann auf “höheren” strukturellen Ebenen, wie z.B. speziellen Geweben, wirken, erläutert der Verfasser im weiteren Verlauf des Kapitels sehr anschaulich. Im zweiten Kapitel stehen zunächst die Knochen und Gelenke und später auch die Muskeln im Mittelpunkt. Dabei erfährt der Leser unter anderem wichtige Hintergründe zur Muskelmechanik und zur Anpassung der Knochen an sportliche Betätigung. Im dritten Kapitel stellt Weineck schließlich die wichtigsten Gelenksysteme auf knapp 120 Seiten dar, wobei jeweils die Abstimmung zwischen dem aktiven und dem passiven Bewegungsapparat sorgfältig aufbereitet wurde. Es werden nicht nur Muskeln, Gelenke oder Knochen benannt und isoliert dargestellt, sondern hinsichtlich ihrer (zusammenwirkenden) Funktionen für den sich bewegenden Sportler beschrieben. Im vierten Kapitel wird das Augenmerk bereits auf die Analyse von Bewegungen (einfache Rumpf- und Extremitätenbewegungen) konzentriert bevor im fünften Kapitel eine Betrachtung komplexer sportlicher Bewegungsabläufe erfolgt. Vor allem dieses Kapitel besticht durch die zahlreichen, sorgfältig angefertigten, Zeichnungen und Skizzen, auf denen z.B. die Beteiligung der verschiedenen Muskelgruppen während unterschiedlicher Sportarten bzw. Disziplinen abgebildet ist. Neben den klassischen leichtathletischen Disziplinen werden auch die einzelnen Lagen im Schwimmen, mehrere Gerätübungen im Turnen und zahlreiche Beispiele aus den Zweikampfsportarten, dem Schießen, dem Wassersport, dem Radsport, diversen Sportspielen und dem Wintersport aufgearbeitet. Abgeschlossen wird das Buch mit Hinweisen zum funktionell-anatomischen Krafttraining. Dieses letzte Kapitel ist zwar vergleichsweise knapp gehalten, baut aber auf den Wissenshintergrund von 5 ausführlichen Kapiteln auf.