Johannes Cernotas voller, weicher Pianoklang und Constanze Bruenings warmes Timbre vermischen sich mit wunderbarem Effekt und bringen einen ganzen Reigen selten gespielter Satie-Kleinodien zum Leben. Das abgerundete Programm umfasst eine weite Spannbreite aus Saties Werk, von fruehen Kaffeehaus-Liedern wie dem herrlichen Walzer "Je te veux" (damals ein regelrechter "Gassenhauer" oder "Hit"), bis hin zu surrealistischen und dadaistischen Experimenten. Man fuehlt sich in's Paris der (vorletzten...) Jahrhundertwende versetzt, und die Spiel- und Experimentierfreude der Vortragenden bringt dem Hoerer auf erfrischende Weise die damalige "Avantgarde" nahe, der Satie selber oft mit einem Augenzwinkern zugehoerig gewesen zu sein scheint.
Gewagt ist die Rezitation (auf deutsch, parallel zur Musik) von Saties skurrilen und phantasievollen Texten zu dem zentralen Zyklus "Sport und Vergnuegen", doch Bruenings zurueckhaltender Vortrag ist nie aufdringlich, und die originalen Zeichnungen im begleitenden Buch (die Inspiration fuer die Musikstuecke) machen die CD zu einem unterhaltsamen Gesamtkunstwerk aus Musik, Sprache, und Bild, witzig und anregend, ganz im Sinne Saties.
Mein persoenliches Lieblingsstueck ist das erste der "Lieder ohne Worte" (Track Nummer 2), eine wunderschoene, weitlaeufige Melodie, von Bruening vorgetragen auf so originelle Art, dass ich mit Recht behaupten kann, so etwas noch nie gehoert zu haben...
Die schoene Aufmachung mit den kolorierten Zeichnungen macht dieses "Hoer- und Bilderbuch" auch zu einem idealen Geschenk.
Cernota, ein Satie Spezialist und Kenner, hat auch Solo-Piano Alben aufgenommen, die ebenfalls sehr empfehlenswert sind.