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Produktinformation
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›Anderthalb Stunden Yoga für 90 Jahre Lebensfreude.‹ Das verspricht Bikram Choudhury, Erfinder des Bikram Yoga. Klingt wie ein gutes Investment. Auch weil bei Bikrams Hot-Yoga-Übungen geschmeidige Läufermuskeln als Zusatzrendite abfallen sollen.
Und so steht Herrchen eines schönen Tages am Tresen eines Hamburger Yoga-Studios und lässt sich für seine erste Yoga-Klasse einweisen.
»Hallo, ich bin Olivia«, sagt die freundliche Frau hinter dem Tresen. »Ich leite die nächste Klasse.«
»Klasse«, meint Herrchen.
Sie erklärt uns, wo die Umkleiden sind und wo Herrchen eine Leih-Yogamatte findet. Außerdem nimmt sie uns die geringe Gebühr für fünf Tage Probetraining ab.
»Du weißt, dass die Übungen in einem auf 40 Grad aufgeheizten Raum stattfinden?«, fragt Olivia.
Herrchen nickt.
»Hast du etwas zu trinken dabei?«
Herrchen klärt sie auf, dass wir beim Laufen auch 30 Kilometer ohne einen Schluck Wasser schaffen würden. Da sollten wir beim Yoga ja wohl kaum ins Schwitzen kommen.
Olivia schaut ihn kurz an. Ihre Mundwinkel zucken. Dann antwortet sie: »Wie du meinst.« Denken tut sie offensichtlich: ›Wer ist wohl dieser sympathische Versager?‹
Dann schickt sie uns auf die Matte. Die Yoga-Matte, meine ich. Wir breiten sie in dem mollig warmen Raum nebenan aus. Natürlich haben wir uns vorher umgezogen. Ausgezogen würde besser passen, denn bei Bikram-Yoga trägt man nicht gerade viel; Herrchen hat sich für eine kurze Laufshorts entschieden. Nicht mehr.
Im Yogaraum liegen schon um die zwanzig… hm, wenn das hier eine ›Klasse‹ ist, heißt es dann ›Mitschüler‹? Auf jeden Fall sind alle sehr still, die meisten haben die Augen geschlossen. Anders als in anderen Yoga-Kursen ist der Männeranteil hier relativ hoch. Das könnte daran liegen, dass Bikrams spezielles Yoga eher für Athletik als für Entspannung steht.
Wir breiten unsere Leih-Matte aus, bedecken sie mit einem Badetuch und legen uns darauf. Schön warm hier. Und ruhig. Sehr ruhig, nach so einem aufregenden Arbeitstag…
Als nächstes hören wir eine Tür zuschlagen, und Olivia, die Klassensprecherin, kommt in den Raum.
Ich schrecke hoch und frage: »Wir sind eingeschlafen, oder?«
»Und wenn schon«, meint Herrchen. »Hätte bestimmt keiner gemerkt, oder?«
Wir richten uns auf und stellen uns auf Olivias Anweisung in die Mitte unserer Matte. Der Blick ist auf die verspiegelte Wand vor uns gerichtet. Und, weil wir hier in zweiter Reihe stehen, auch auf eine nicht gerade gertenschlanke Yogine. In ihren zartrosa, halblangen Leggins und einem bauchfreien Top im gleichen Farbton steht sie zwischen uns und dem Spiegel.
Los geht es mit einigen Atemübungen, bei denen wir mehrmals die Decke über uns anröcheln müssen.
»Das kann ja alles nicht so schwer sein«, denkt sich Herrchen.
Doch dann kommt eine Folge von Übungen (hier heißen sie Asanas), die uns das Gegenteil beweisen. Die erste davon ist ›Andra Chandrasana‹, der ›halbe Mond‹. Bis in die Zeigefingerspitzen sollen wir uns zur Decke recken und dann halbmondförmig erst nach rechts, dann nach links biegen. Bei uns ist nach wenigen Grad Neigung, auf einem Ziffernblatt wäre es vielleicht ein Uhr, Schluss.
Die Mitschülerin vor uns senkt sich geschmeidig in eine gemütliche Drei-Uhr-Position. Streberin.
Herrchen flüstert angespannt: »Wie macht sie das?« Er drückt und zieht, aber später als halb zwei wird es bei ihm einfach nicht.
»Streckt euch wieder zur Decke«, gebietet Olivia. »Legt den Kopf weit in den Nacken. Und nun beugt euch zurück. Eure Finger wollen auf die Fenster hinter euch zeigen.«
Eigentlich sollte Herrchen sich jetzt zurückbeugen. Aber er steht nur da und glotzt entgeistert nach vorn. Wie ein Japaner, der seinem Vorstandsvorsitzenden begegnet, beugt sich dort diese rosa Yogarette nach unten. Nur eben rückwärts. Wir können geradewegs in ihr kopfstehendes Gesicht sehen. Das sieht ziemlich verboten aus. Die Biegung, nicht das Gesicht.
Irre ich mich, oder zwinkert sie uns zu und imitiert Schnarchgeräusche? Wie bös’. Von nun an sei ihr Spitzname ›Miss Piggy‹.
Endlich streckt sich auch Herrchen nach hinten.
Es knackt.
Der Atem stockt.
Lungenflügel flattern.
Die Wirbelsäule sperrt sich.
Bandscheiben quietschen wie Daumenschrauben.
»Eure inneren Organe werden massiert«, sagt Olivia hinter uns. Wir hören ihre sanfte Stimme, sehen können wir sie nicht.
Herrchens Ungläubigkeit wandelt sich in Beklemmung. »Hat sie ›massiert‹ gesagt oder ›massakriert‹?«, fragt er. »Wenn das so weitergeht, taugen unsere inneren Organe nach dieser Klasse nur noch als Currywurstfüllung…«
Endlich dürfen wir uns wieder aufrichten. Herrchen ist erleichtert. Diese Übung hat ihn zwar angezählt, aber er bleibt unbeugsam. Leider hilft gerade diese Qualität im Moment überhaupt nicht. Denn hier macht man alle Übungen zweimal: Das zweite ›Set‹ Halbmond folgt sogleich.
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