Im Wechsel erschienen bislang in der Spezial-Reihe neue und alte Abenteuer, gestaltet von unterschiedlichsten Künstlern - dieser Band widmet sich wieder der musealen Nachlass-Pflege von Spirou und versammelt die ältesten Spirou-Geschichten von 1938/39 - gezeichnet von Rob-Vel.
Ohne den für mein Empfinden groben Schnitzer der letzten Veröffentlichung in der Spezial-Reihe, dem Un-Comic "
Robinson auf Schienen", hätte ich diesen Band sofort recht begeistert aufgenommen, aber nun bin ich zunächst ein bisschen skeptisch, wie diesmal mit altem Material umgegangen wurde. Bei "Robinson auf Schienen" hätte sich angeboten, mit Hilfe von neuen Zeichnern die alte Geschichte mit einem neuen Comic zu präsentieren, um das wenige vorhandene Franquin-Bildmaterial herum gestaltet. Andererseits hätten das andere Leser sicher als Frevel empfunden. Darf altes Material editiert werden?
Auffällig ist in diesem Band sofort, dass die Seiten selbst in relativ dunklen Graubrauntönen gehalten sind. Es wurde offensichtlich darauf verzichtet, die Comics all zu deutlich zu restaurieren - das Ergebnis hinterlässt einen zwiegespaltenen Eindruck: Zwar wirken die Seiten dadurch authentischer und vermitteln auf den ersten Blick einen Eindruck vom Alter - immerhin fast 75 Jahre! Ich habe aber die Vermutung, dass diese Ausgabe nicht der Original-Optik entspricht, von der ich annehme, dass sie damals etwas besser gewesen sein müsste: Wie hell waren die Originalseiten und wie leuchtend der Druck bei Ersterscheinen? In der jetzt vorliegenden Fassung ist es teilweise nicht ganz leicht, überhaupt noch die Texte lesen zu können, und Altersflecken müssen nach 75 Jahren doch eigentlich nicht reproduziert werden. Allerdings kann Carlsen es in dieser Frage ohnehin nicht jedem Recht machen: Wäre das Originalmaterial so restauriert worden wie z.B. im Band "
Spirou im Wilden Westen" erschienen, hätte man wohl (auch) den Kopf geschüttelt. Andererseits hätten in den relativ dünnen Band "Auf Weltreise" aber natürlich auch einfach zwei Fassungen gepasst.
Das Album enthält (die einzelnen Daten liegen vor, da das obere Drittel der Albumseiten jeweils vom Spirou-Magazinkopf samt Datum und Preis eingenommen wird) wöchentlich erschienene Einseiter - vom 21. April bis zum 20. Oktober 1938 jeweils abgeschlossene Szenen, ab dem 27. Oktober 1938 dann eine Fortsetzungsgeschichte, die diesem Spezial-Band den Titel "Auf Weltreise" gab. Die Handlung der Fortsetzungsgeschichte grob skizziert: Spirou hilft einem Millionär mit einer abentuerlichen Weltreise, monatlich eine Million Francs zu verprassen, da sonst dessen Erbschaft verfällt. Der Spezialband bricht in der Handlung am 30. März 1939 ab und verweist bereits auf den nächsten Spezialband "Die mysteriöse Insel". Ich weiß leider nicht, über wie viele weitere Teile sich diese Fortsetzungsgeschichte noch erstreckt, es ist zu hoffen, dass es noch viele sind, anderenfalls wäre der Abbruch an dieser Stelle eine verkaufsstrategische Frechheit des Verlags. (Auf der anderen Seite muss man Carlsen natürlich überaus dankbar sein, dass es diese steinalten Abenteuer verfügbar macht. Es ist ja niemand gezwungen, sie zu lesen.) Der Folgeband erscheint hoffentlich wenigstens in Kürze!
Das Ganze ist natürlich alles andere als zeitgemäß, insbesondere besaß Spirou zu Beginn einen aus heutiger Sicht ziemlich derben Charakter, was ganz eingefleischten Spirou-Fans ja aber hinlänglich durch frühere Veröffentlichungen und auch schon ein paar Sonderseiten in Alben der jüngsten Neuauflage bekannt ist. Alles in allem sind diese Comics der reinen Vollständigkeit halber durchaus mit Vergnügen lesbar. Es ist aber auch klar: Diese Geschichten können späteren Spirou-Abenteuern nicht im Geringsten das Wasser reichen, und auch für Interessierte der Comicgeschichte bieten sich viele andere bessere Alternativen.
Zur Preisgestalung: Ein Heft der jüngsten Auflage (seit 2005) der offiziellen Spirou-Reihe kostete zunächst 8 und dann 9 Euro; in der "Spezial"-Reihe sind die Hefte aber stets etwas teurer: über 5 Jahre lang lag der Preis bei 10 Euro, nun ist mit dem 14. Spezial-Band der Preis (um 20%) auf 12 Euro gestiegen. Die Reihe entwickelt sich mehr und mehr zu einem reinen Sammlerobjekt.
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Ein Nachtrag: Carlsen antwortete mir freundlicherweise (auf die Frage, ob die Färbung der graubraunen Seiten der originalen Veröffentlichung der sehr alten Inhalte entspricht, oder die Seiten seinerzeit durchaus auf weißem Papier erschienen und die neue Wiedergabe auf braunen Seiten nur eine Vergilbungs-Anmutung darstellt), dass die Seiten durchaus von vornherein auf dunklerem Papier angelegt waren und dann aber zusätzlich mit den Jahren nachgedunkelt sind, wobei die technische Bearbeitung der Seiten ebenfalls Einfluss auf die Hintergrundfarbe genommen habe.
Das deute ich so, dass eine Darstellung auf weißen Seiten tatsächlich nicht dem Original entsprochen hätte, die jetzt gewählte Darstellung aber im Zweifel durchaus dunkler ist als ursprünglich erschienen.