Statt Urlaub auf Tahiti ist Weltkriegverhindern im verschneiten Moskau der frühen 1990er Jahre angesagt für Spirou und Fantasio (und für Pips natürlich). Die passende Ausrüstung wird den Geheimagenten wider Willen vom KGB vor Ort nachgereicht, und überhaupt muss improvisiert werden, denn es geht um nichts Geringeres, als im allerletzten Moment den Dritten Weltkrieg zu verhindern. Und wer hat seine Drecksfinger drin im Infiltrations-Reigen der Jelzin-Zeit? Richtig! Dieser Nichtsnutz von Fantasio-Cousin Zantafio natürlich bringt die ganze Ordnung durcheinander, die da lautet: "KGB infiltrrierrt Mafia. Mafia infiltrrierrt Rregierrung. Rregierrung infiltrrierrt KGB... und schließlich ist KGB von Mafia infiltrrierrt!" -- "Grroßes Infiltrrationsprroblem!" Das kann er laut sagen, der leidgeprüfte KGB-Agent Genosse Schmonzejew!
Die Bösewicht-Hatz kann beginnen, und das tut sie auch, und zwar ohne Atempause, egal ob durchs über- oder durchs unterirdische Moskau. Wenn nicht Spirou und Fantasio schlechtgelaunt, heldenmütig und gewieft eingegriffen hätten, dann wäre nicht nur die nationale Katastrophe perfekt gewesen: Lenins Leiche aus dem Mausoleum gestohlen, und ein falscher Zar wieder eingesetzt, der nichts Gutes im Sinn hat! Die Bösewichte haben ihren Coup perfekt geplant, und der KGB alleine hätte keine Chance gehabt. Aber wo die Not am größten, sind die beiden Helden wider Willen am nächsten. Klar doch...
Der Plot von "Abenteuer in Moskau" ist ganz im Stil der "Spirou und Fantasio"-Abenteuer aufgebaut, auch wenn Graf von Rummelsdorf, das Marsupilami und Steffani nicht dabei sind. Dafür entschädigen jede Menge Gags und Running Gags der Extraklasse, denen man anmerkt, dass dem Werk eine Studienreise der Autoren vorangegangen ist: Allein wie sie die allgegenwärtigen Lenin-Denkmäler im Moskauer Stadt- und Weichbild auf die Schippe nehmen, hätte einen Leninorden verdient. Dazu all diese anderen Breitseiten auf Klischee und Wirklichkeit: Russisches Roulette mit Rückversicherung, russische Seele, russischer Wodka als Allheilmittel und die sprichwörtliche Lektüreversessenheit des Sowjetmenschen in jeder, wirklich jeder Lage; die Notwendigkeit, den Motor auf die russische Art vorm Anlassen vorzuglühen; Breschnjews Augenbrauen als Exportartikel; taktischer Treibstoffmangel und die vielseitige Verwendbarkeit der Matrjoschka-Puppen; die allzeit bereiten zwei- und vierbeinigen KGB-Agenten... Und noch mehr. Versprochen! Sogar das berühmt-berüchtigte Schwimmbad darf Schauplatz eines vermasselten wichtigen Anschlags werden, das damals noch anstelle der Erlöserkathedrale vor sich hin dampfte.
Wer ein wenig Russisch kann, kriegt als Extra-Leckerli sinnbefreite Phrasen-Versatzstücke in den Sprechblasen zu lesen, die mit ihrer Übersetzung rein garnichts zu tun haben, und wer Moskau kennt, wird das ein oder andere Gebäude sofort wiedererkennen -- egal ob Basilius-Kathedrale, Lubjanka-Gebäude oder Lomonossow-Universität. Sogar die Automodelle stimmen: So sahen in den 90ern die "Wolgas" der altgedienten Nomenklatura tatsächlich aus. Nur bekam man leider nie so wunderbare Verfolgungsjagden zu sehen... Und die älteren Herren, die drin saßen, sah man leider auch nie im Tutu beim Spitzentanz als frischgebackene "Bolschoi"-Primaballerina. Leider...
Und was Lenins Mumie angeht: Die umschwebt ein gutgehütetes Geheimnis, und das wird natürlich auch gelüftet. Aber das, liebe Leser, erzählt Ihr bloß nicht weiter. Sonst krriegt Ihrr Sprritze fürr Gedächtnisschwund!