Dass sie wiederkehren würden, und dass es neue Zeichner und Storys geben würde, war ja auf den Spirou-Webseiten breit und lang angekündigt. Doch war ich schon gespannt, nachdem der Abgesang von Tome und Janry unter dem Titel 'Am anderen Ende Angst' ein sehr, nun ja...merkwürdiges Ding war. Sicher können die beiden Besseres, und die fortlaufenden Bücher des kleinen Spirou zeigen das ganz deutlich. Vielleicht hatten sie einfach die Nase voll vom Rummelsdorf-Universum, das sie ja, wenn ich das richtig verstanden habe, nie richtig zitieren durften. Die Neuen tun das. Und wie! Um es vorweg zu sagen, ich finde die Grafik klasse, die Story absolut Spirou-und-Fantasio-typisch, die Hauptdarsteller sehr individuell und die ganze Aufmachung sehr professionell, mit einem sehr genialen und überraschendem Zeichenstrich, der immer wieder neue Perspektiven aufzeigt. Keine Frage. Ein richtig erwachsenes Machwerk, das sich sogar Rückblenden in die "Jugendzeit" des Grafen erlaubt.
Und da setzt meine Kritik ein. Ich bin nun mal ein unverbesserlicher Romantiker, und mir fehlt ein bisschen etwas, was ich eigentlich seit Nik und Cauvin vermisse, und das ist die - ich sag mal: Unschuld, die die Werke von André Franquin auszeichnet. Es sind Comics, mehr nicht. Vielleicht liegt es auch an den Zeiten, dass die Fünfziger und Sechziger andere Themen hatten, die Mode und das Zeitgefühl eher so Alt-Leser wie mich anspricht - immerhin hab ich als Kind schon die ersten Gastons gelesen, als der noch dünn war und wenig Haare hatte und rauchen durfte - aber ich hatte immerhin die Hoffnung, dass ein wenig von Franquins feinem hintersinnigen Humor oder Fourniers kritischem Zeitgeist wiederkehrt. Leider herrscht auch hier wieder zuviel vordergründige Action, die aber wahrscheinlich die neuen Lesergenerationen mehr ansprechen mag. Dennoch, Morvan und Munuera haben endlich ein neues Stück gewagt, und es sein ihnen hoch angerechnet. Wenn sie dann auch ähnlich wie früher Franquin oder Fournier noch einige Bände nachlegen, dann könnte ich vielleicht auch mich an den "neuen Stil" gewöhnen.