Die Bücher von Jed McKenna beschreiben den Kampf um das Erwachen, wenn der erste Schritt getan ist - aber eben auch nur der erste Schritt. Nachdem ich Eckhart Tolle gelesen, gehört und ... auch seine Lehre von der Gegenwärtigkeit umgesetzt hatte, dachte ich, ich könnte nun immer wieder ins Raumbewusstsein hineingleiten, wie in eine warme Wanne und mich in den neu gewonnenen kosmischen Gefühlen baden - ein neues Disneyland der spirituellen Extase und der reinen Liebe. Aber das funktionierte einfach nicht. Vielleicht können andere das.
Meine Welt ist ein Kriegsschauplatz geworden und der amerikanische Originaltitel des letzten Buches McKennas trifft das, worum es geht: "Spiritual Warfare" - "Spirituelle Kriegsführung". (Ich habe mit dem Verleger über den eigenwillig nichtssagenden deutschen Titel gesprochen: Er ist eindeutig auch aus Angst vor möglicher Ablehnung durch die spirituelle Leserschaft gewählt worden. Seht euch die "Habe-mich-lieb-Titel" in der Amazon-Hitliste der bestverkauften spirituellen Bücher an, dann wisst ihr, was der Markt verlangt).
McKenna macht nun endgültig Schluss mit der Kuschel-Spiritualität, die mir schon immer suspekt war: Mantras und Malas, Kerzen, und Weihrauch, Engelkarten, Tarot und I Ging, Spenden an Greenpeace und vegetarische Ernährung: Spiritualität als weiteres Werkzeug Maras, ein neues Gefängnis zu errichten.
Tut mir leid, Eckhart, auch wenn du selber nicht in diesem Gefängnis sitzt - Tausende, vielleicht Millionen deiner Hörer und Leser malen sich aus dem "Phänomen Eckhart Tolle" ein neues Panoramabild mit dem Titel "Freiheit" auf die Zellenwände ihres Gefängnisses, ein neues Gespinst aus Lügen. Du weißt, warum du dich aus dem Guru-Rummel zurückziehst, tust das einzig richtige - dich zu verweigern (und manchmal rauskommen um das Geschäft am Laufen zu halten;-) - aber deine Schüler können das wahrscheinlich nicht. Sie konsumieren dich (deine Bücher und DVDs), um dann zum nächsten Guru, zu einem neuen, scheinbar noch attraktiveren Kult zu wechslen, um innerhalb des Gefängnisses einen neuen scheinbar noch attraktiveren Traum zu träumen. Die Träume vom Erwachen sind die erfolgreichsten und undurchdringlichsten Illusionen Majas - weil sie kaum entdeckt werden können: die Illusionen vom Erwachen sind einfach neue Zellenblöcke im Arbeitslager unter dem perfiden Motto: "Spirituelle Arbeit macht frei".
Und ist dieser Jed McKenna auch so ein neuer Guru? Mein neuer Traum vom Erwachen? Einen Jed McKenna gibt es gar nicht. Entweder der Name ist ein Pseudonym oder das ganze ist eine ausgedachte Geschichte. Das ist sein bester Schachzug. Man muss sich schon sicher sein, dass es sich nicht um Fiktion handelt - einfach, weil man es selber erlebt. Ansonsten ist es lediglich gut geschriebene Literatur. Aber die Bücher Jed McKennas für wahre Münze nehmen? Das geht tatsächlich nur, wenn man es selber diese Erfahrung macht. Die Entscheidung, ihn ernst zu nehmen, ist so verrückt, dass sie nur jenseits des Verstandes sinnvoll ist.
Mit einem realen, lebenden Lehrer "Jed McKenna" wäre das alles wieder Hitverdächtig. Ein schwieriger, unbequemer Erleuchteter, sicher - einer wie U.G. Krishnamurti. Aber immerhin, eine Person, an die man glauben könnte. Ein McKenna, den es als Person gar nicht gibt, was ist das? Er nimmt es mir nicht ab, selber festzustellen, was wahr ist und was nicht, und an diesem einen zentralen Punkt bricht sich das ganze Lügengebilde des spirituellen Supermarktes wie Brandungswellen an einem Riff. Ich bin alleine auf der Insel hinter dem Riff - so alleine wie man nur sein kann. Ich - das Ego - allein gegenüber dem gesamten Universum, ohne Möglichkeit, in einer "McKenna-Satsang-Gruppe" neue spirituelle Schleier zu weben.
Hat das Erkennen der Scheier Maras irgendwann ein Ende, sind die Egos endlich? Wer weiß. McKennas sagt: ja, irgendwann ist man "durch". Bis dahin gilt nur ein Wort: WEITER!