Management-Bücher gibt es wie Sand am Meer. Bei der unübersichtlichen Fülle an Ratgebern ist es schwer vorstellbar, dass nicht schon alles Wesentliche zu diesem Thema zwischen zwei Buchdeckeln geschrieben steht. Davon haben sich die beiden Autoren Friedrich Assländer und Anselm Grün allerdings nicht abschrecken lassen. Zum Glück! Mit ihrem vor ein paar Tagen erschienen Gemeinschaftsprodukt 'Spirituell führen' haben sie dem einschlägigen Markt zwar ein weiteres Körnchen an Führungsliteratur beschert ' doch was für eines! Konsequent beleuchten sie die Facetten des Themas Führung aus spiritueller Sicht. Auf 194 Seiten weckt das Autorenpaar Kapitel für Kapitel die Lust am Führen. Weil sie nicht mit den hinlänglich bekannten Tools und Techniken für Verantwortungsträger aufwarten, sondern mit Benedikt und die Bibel Wege aufzeigen, wie Führung dem Unternehmen ebenso wie dem einzelnen Menschen dienen kann. Das hat mich als Journalist mit Führungsverantwortung beim Lesen gleichermaßen berührt und motiviert.
Assländer und Grün gelingt es auf bemerkenswerte Art und Weise, das vermeintlich ungleiche Paar Spiritualität und Führung zu einer faszinierenden und vor allem funktionierenden Einheit zu verschmelzen. Sie schreiben nicht nur darüber, wie wichtig es ist, Tugenden wie Loyalität, Achtsamkeit und Selbstbeherrschung in den Berufsalltag zu integrieren. Sie sagen auch konkret, was genau dafür zu tun ist.
Für Assländer und Grün stellt die Arbeit selbst eine spirituelle Aufgabe dar. Wer sie ernst nimmt, stellt nicht sich selbst als Führungskraft in den Mittelpunkt, um sein eigenes Ego zu befriedigen, sondern dient den Menschen und der Sache. Wer seine Arbeit in diesem Sinne als spirituelle Herausforderung betrachtet, der verleiht dem mittlerweile zur Floskel verkommenen Leitmotiv 'Unser wichtigstes Kapital sind die Mitarbeiter' wieder einen kraftvollen Ausdruck.
Freilich: Andere zu führen vermag nur, wer sich selbst gut führt, wer mit sich im Reinen ist und bereit, sich wirklich auf seine Mitarbeiter einzulassen. Doch wo finden wir in einem immer hektischer werdenden Alltag die notwendige Orientierung und Kraft, um den vielfältigen Anforderungen als Führungskraft gerecht zu werden? Nach Meinung der Autoren liegt die Antwort in uns selbst: Entscheidend ist die geistige Haltung, aus der heraus wir handeln. Im Alltag wird Spiritualität sichtbar, heißt es so treffend an einer Stelle des Buches, wenn ganz gewöhnliche Menschen ganz gewöhnliche Arbeiten ungewöhnlich gut machen.
Das Autoren-Duo macht dem Leser Mut, sich der religiösen Dimension des Menschseins zu öffnen und diese Erfahrung in die tägliche Arbeit zu integrieren ' damit ganz gewöhnliche Arbeiten ungewöhnlich gut gemacht werden können.
Wer Führung so versteht, wird mit sich selbst und mit seinen Mitarbeitern besser klar kommen ' und das auch noch zum Wohle des Unternehmens. Wem das Thema Führung wirklich am Herzen liegt, der kommt an diesem Buch nicht vorbei.
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