Auf Spirits and August Light/Steal the Light bin ich eigentlich wirklich durch Zufall gestoßen. Ich erhielt es als Bonusgeschenk zu einer Mailorderbestellung mit dazu. Ein glücklicher Zufall, wie sich herausstellte. Über die Band war ich vorher zwar schon einmal gestolpert, doch hatte mich damals in erster Linie der Gesang ziemlich abgeschreckt. Antti Filppus Gesangsstil ist meiner Meinung nach wirklich gewöhnungsbedürftig, aber auch sehr gut zu erkennen, weil relativ ungewöhnlich. Seine Vocals klingen ein wenig wie ein röchelndes Bellen.
Wenn wir schon bei einem der offensichtlichsten und möglicherweise kritischsten Punkte dieses Albums sind, machen wir auch gleich bei Antti Filppu weiter - außer für den Gesang zeichnet er ja auch für die Lyrics verantwortlich. Diese sind zwar teilweise recht kryptisch, aber andererseits auch sehr direkt, persönlich, eigenständig. Vielleicht nicht von den Themen her, aber die Umsetzung in Worten ist meiner Meinung nach großartig. Äußerst interessante Bildsprache, wirklich lyrisch, sehr emotional - meist pessimistisch bis depressiv. Wie man merkt, habe ich an der Lyrik wirklich einen Narren gefressen. In Verbindung mit der Musik entfaltet sie natürlich eine noch bessere und großartigere Wirkung - Filppus Gesangsstil gibt dem ganzen dann noch eine weitere, finsterere Dimension.
A propos Musik: der Sound ist relativ warm, die Gitarren sind recht basslastig, und die Musik selbst ist großartig. Die Instrumentalisten beherrschen ihr Fach, und auch in Sachen Songwriting kann man nicht meckern: Die Songs sind vielschichtig und vielseitig, das Tempo variiert von ziemlich schnell (beispielsweise bei Cure a Wound) bis schleppend (beispielsweise der Schlusssong des regulären Albums, It Shines). Die musikalische Grundstimmung ist auch vielseitig, mal fast schon fröhlich wie im Opener Writhen, dann wieder dunkel bis depressiv (z.B. in Deathwhite oder wieder It Shines), verzweifelt wie in Cure a Wound - oder auch einfach mal schön und melodisch wie in The Perfumed Garden. Über große Teile ist das Feeling recht thrashig, jedoch werden immer wieder atmosphärische Parts eingeflochten, und zwischendurch gibt es auch mal mittels Blastbeats richtig was auf die Glocke. Das Songwriting selber ist großes Kino, auch die Keyboards werden gekonnt integriert. Melodischer Death Metal mit hohem Wiedererkennungswert und meiner Meinung nach auch sehr eigenständig.
Die Songs der EP Steal the Light werden danach noch angehängt - auch diese sind definitiv mehr als nur reine Bonustracks, sie hätten sich nämlich auch als reguläre Albumtracks hervorragend gemacht. Interessant ist hierbei, dass der Sound der Aufnahmen (und dementsprechend auch die Qualität) faktisch kaum von dem des Albums zu unterscheiden ist. Zwei Tracks (nämlich Son's Thoughts und Wastrel) sind auch auf dem Album vertreten - hier kann man ein paar kleine Veränderungen in der Darbietung beobachten, was interessant ist, aber die zusätzlichen Tracks nicht unbedingt rechtfertigt. Drei weitere Tracks bringt uns die EP aber auch noch: Candles for Giordano Bruno, Ammo und schlussendlich noch Lost and Found. Ich hatte den Eindruck, dass in diesen drei Songs ein dickerer Keyboardteppich zum Einsatz kommt als bei den Songs des eigentlichen Albums, ansonsten fügen sich diese Tracks aber nahtlos ins Gesamtbild ein.
Von meiner Seite gibt es eine definitive Kaufempfehlung für Spirits and August Light/Steal the Light, sofern man auf melodischen, leicht progressiven Death Metal steht. Ich empfehle trotzdem einen Probehörgang oder zumindest mal ein Hereinhören in ein oder zwei Tracks, um sich mit dem Gesangsstil von Antti Filppu vertraut zu machen.
Auch wenn ich der Meinung bin, dass eigentlich alle Songs toll sind, hier ein noch paar Anspieltipps - diese Songs haben mich auch besonders schnell vom Hocker gehauen:
- Writhen
- The Perfumed Garden
- Cure A Wound
- Candles for Giordano Bruno