Hier, im zweiten Band der wunderschönen Ausgabe von Will Eisners SPIRIT durch die "Salleck Productions" des Eckhart Schott Verlags, wird es wieder einmal deutlich, daß Gewohnheiten oder auch Probleme eigentlich immer mit umherziehen.
Sei es nun, ob man im "alten" Europa weilt, oder in die neue Welt auszieht (um die Freiheit zu erfahren!), immer nimmt man doch sein Gepäck mit.
Und so ergeht es auch Will Eisner, dem jungen jüdischen Comic-Zeichner, der (in zweiter Generation in den USA wohnend) wohl nichts anderes will, als Menschen zu unterhalten und zugleich ein wenig zu erhellen.
So kommt es dann auch in seinen Zeichnungen, die er als Strips, dann aber auch als mehrseitige Fassung erstellt, zu den verwegensten Situationen.
Wir kennen die Bilder irgendwie. Wir erkennen uns auch wieder in ihnen.
Eine Geschichte aber, die vom Diktator Adolf Hitler, der eine Studienreise in die USA unternimmt, gerät dabei zu einem Fingerzeig. Der Diktator, in den USA gereinigt, möchte seinen verwerflichen Weg ändern, wird aber von seiner ihn umgebenden Kamarilla daran gehindert, umgebracht und einfach durch einen Doppelgänger ersetzt.
"Spirit" alias Denny Colt, der herrliche Ebony White (sein Diener)und Police-Comissioner Dolan sind nur einige der vielen Figuren, mit denen Will Eisner experimentiert. Dabei ist zu beachten, daß Spirit eigentlich schon gestorben war und auf einem Friedhof liegt (sehr komisch!). Ein ironischer Seitenhieb auf unseren Auferstehungsglauben?
Es ist, wie schon anfangs vermerkt, in den Handlungen durchaus zu spüren, daß Spannungen und Vorurteile der Menschen die Länder und Grenzen einfach durchschreiten.
Das (unterschwellige!) Ideal ist immer der blaugewandete (!) Saubermann mit dem sportlichen Gesicht eines Nordeuropäers (kinnbetont!). Da kommen Gedanken an Nick Knatterton durchaus auf (und an ästhetische Vorurteile nordeuropäischen Ursprungs, um nicht deutlicher zu werden!).
Es werden viele Figuren, viele Themen bearbeitet (mexikanische Eindrücke gegen nordamerikanische z.B.). Ein kriminalistischer Faden (was denn auch sonst?) ist die Leitlinie fast aller Geschichten.
Und so kommt das, was wir von guter Comic erwarten, voll auf ihre Rechnung: Spannung, Überraschung, Kampf (etwas zu viel vielleicht!), Emanzipation und Aufklärung. Alles aber verständlich gebracht in Bild und Sprache, die man in meiner Jugendzeit noch als "Schund" bezeichnete, inzwischen aber, wie wir sehen, KULT geworden ist.
Dem Eckhart Schott Verlag ist es zu danken, daß diese großartige Aufmachung gelang.
Somit ist alles gesagt.