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4.0 von 5 Sternen
Ein wichtiges Stück Comicgeschichte, 9. Mai 2005
Rezension bezieht sich auf: Spirit, Bd.1, Jahrgang 1940 (Gebundene Ausgabe)
Auf den ersten Blick ist diese Ausgabe von Will Eisners The Spirit" reichlich teuer. Allerdings wird auch ein sehr edel aufgemachtes, gebundenes Buch mit 244 Seiten und 31 Geschichten des Spirit in Farbe geboten. Dieser erste Band der Spirit-Archive enthält die ersten Stories vom 2. Juni bis 29. Dezember 1940. Die Geschichten vom maskierten Verbrechensbekämpfer Spirit erschienen als wöchentliche 7-seitige Zeitungsbeilage. Entsprechend wenig Raum blieb Eisner für das Erzählen. Um so beeindruckend zu sehen wie gut es ihm dennoch gelang!
Drei Vorworte werden diesem Comic-Album vorangestellt, neben Eisner selbst, kommt Alan Moore zu Wort, der Eisners Arbeiten überschwenglich lobt. Neben erhellenden Worten zum Spirt sind auch Zeichnungen aus späteren Werken Eisners abgedruckt, die eindrucksvoll demonstrieren, daß seine Werke im Laufe der Jahre immer besser wurden.
Eisner sagt in seinem Vorwort, daß er den Spirit als eine Serie für erwachsene Zeitungsleser konzipiert hatte. Wohl eher für ältere Teenager, meine ich. Denn die Geschichten, zumindest die allermeisten in diesem ersten Band, sind sehr schlicht gestrickt. Zwar gibt es regelmäßig überraschende Ideen und Humor, aber meist geht es um ganz einfache, wohlbekannte Geschichten. Wer an der Geschichte des Comics interessiert ist wird mit dem Spirit zweifellos viel Freude haben. Außerdem ist er ein unterhaltsames Zeitzeugnis der 1940er Jahre. Verrückte Wissenschaftler. Häßliche Entlein, die sich in Modells verwandeln, wenn man ihnen die Brille abnimmt und die Haare lockert. Der Zweite Weltkrieg. Böse Verbrecher, die mit einem kräftigen Kinnhaken zur Strecke gebracht werden. Ein durchweg guter Held, der regelmäßig am Ende der Episode die gerettete Schöne küßt.
Die US-Comics der Vierziger wurden von Superman, dem Superhelden und Batman, dem Millionär mit den High-Tech-Spielzeugen geprägt. Der Spirit ist kein Superheld. Wäre es nach Eisner gegangen würde er nicht mal eine Maske tragen. Es sind bodenständige Geschichten, die sich Eisner ausgedacht hat. Menschen stehen im Vordergrund. Eine gewisse Ähnlichkeit mit Batman ist allerdings nicht zu leugnen. Beide sind mit ihrem örtlichen Polizeichef befreundet, beide wohnen in einer geheimen Höhle (Batman unter seiner Villa, der Spirit unter dem Friedhof), beide besitzen keine Superkräfte, sind aber sehr athletisch. Und sie haben ganz besondere Autos, wobei der Wagen des Spirits mit seinen herausklappbaren Flügeln etwas albern wirkt, beinahe wie aus einem Carl Barks Comic. Ein klares Manko ist das Fehlen von phantastischen Gegenspielern, wie sie Batman hat.
Will Eisners Spirit Archiv ist ein schönes Geschenk für kultivierte Comicliebhaber. Auch wenn die Marvel-Comics der 60er ungleich mehr Innovationen zu bieten hatten und auch weitaus bekannter wurden, lohnt es sich zumindest den ersten Band dieser Spirit-Ausgabe anzusehen. Solide Unterhaltung in edler Aufmachung.
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