Zunächst möchte ich alle Leserinnen warnen, die lieber leichte Liebesromankost bevorzugen. Julia Ross Roman ist zur Zeit des Rokoko angesiedelt und die Autorin verleiht ihren Figuren eine wunderbare, der Zeit entsprechende Ausdrucksweise.
Das Buch geht meiner Meinung nach eher in Richtung historischer Roman, die Liebesszenen sind sehr poetisch ausgedrückt und es überzeugt mit sehr ungewöhnlichen Hauptakteuren.
Zum einen gibt es da Sylvie, die sich unter einem falschen Vorwand in das Haus von Robert Dovenby, genannt Dove, geschlichen hat, um ihn zu betören und ihm wichtige Geheimnisse zu entlocken. Sie ist eine vom Leben enttäuschte aber äußerst intelligente Frau, die sich nach dem Tode ihres Mannes entschieden hat, als Spionin zu arbeiten und für wichtige Geheimnisse auch mit den Männern zu schlafen, ohne jedoch Gefühle dabei zu investieren. Als sie den Auftrag erhält, Dove auszuspionieren, denkt sie zunächst sie habe ein leichtes Spiel mit ihm.
Zum anderen lebt die Geschichte vom Helden des Buches, Dove. Angeblich ein Lebemann und Günstling einer reichen Adligen, der selbst ein Bürgerlicher und zudem ein Findelkind ist und der nur für seine Vergnügungen lebt und den Luxus über alles liebt.
Obwohl sich beide von Anfang an misstrauen und ständig Fallen stellen, herrscht zwischen ihnen eine starke sexuelle Anziehungskraft. Dove zieht sämtliche Register seiner Verführungskunst, doch sie bleibt sie standhaft und schürt sein Interesse immer mehr. Obwohl er ahnt, dass Sylvie sein Untergang bedeuten kann und ihre Spionage sein Leben kosten kann, verliebt er sich in sie und sie sich schließlich auch in ihn.
Der Reiz dieses Buches macht die Annäherung dieser beiden im Grunde ihres Herzens verletzlichen Menschen zueinander aus und wie sie langsam lernen, Vertrauen aufzubauen.
Es geschieht nicht wirklich viel in diesem Buch, doch die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren ist so gelungen, dass mich der Roman von Anfang bis Ende in seinen Bann gezogen hat.
Wer außergewöhnlichere Liebesromane schätzt und sich auch nicht scheut ein Buch zu lesen, in der die Aussprache leicht gewöhnungsbedürftig aber gelungen und zeitgemäß ist, der wird ebenfalls viel Freude damit haben.
Ein echter Keeper!
Eine kleine Rüge jedoch habe ich noch, die nichts mit dem Roman als solches zu tun hat.
Ich frage mich, wie man eine solche unpassende Coverauswahl für dieses tolle Buch treffen konnte. Zwar stimmen die Haarfarben der beiden Protagonisten mit denen des Titelpärchens überein, doch das ist allerdings schon alles. Wenn man dieses Buch in die Hand nimmt, würde man eher vermuten, dass sich dahinter eine Wildwest Romanze verbirgt. Außerdem sind die Farben viel zu grell und für meinen Geschmack hart an der Schmerzgrenze zum Erträglichen. (NG)