Markus Wolf erzählt beginnend mit Kindheitserinnerungen ans Moskau der 30-er Jahre ein Stück deutsch-deutscher Nachkriegsgeschichte, die auch seine ganz persönliche Geschichte ist. Ohne falschen Stolz erzählt er von den Erfolgen seiner Abteilung, die viele Kontakte im westlichen Ausland besaß. Er erklärt auch, warum ideologisch motivierte Agenten immer aufopfernder agieren. Die geschichtlichen Ereignisse, seine Kontakte zu leitenden Personen des DDR-Regimes und sein jeweilig ganz persönlicher Standpunkt klingen plausibel und glaubhaft. Besonders imponierte, daß er abschließend, obwohl ja Leiter eines erfolgreichen Auslandsgeheimdienstes, ganz prinzipiell die Existenzberechtigung von Geheimdiensten in Frage stellt und was es wirklich bringt, zu spionieren. Dies zeigt seine Fähigkeit, die Geschichte auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Markus Wolf ist es, anders als vielen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte, gelungen, Veränderungen wahrzunehmen und auch zu erkennen, wo Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklafft. Beispielsweise macht er auch aus seiner damaligen Verehrung für Stalin keinen Hehl und begriff aber auch, daß er die sozialistische Sache verraten hat.
Ein tolles Buch über erlebte Geschichte und glaubhaft, so wie sie erzählt wird.